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Deutsche Besucher im Startup-Wunderland

Stefanie Järkel, dpa
28. März 2017

Israel scheint ein Eldorado für Erfinder und Firmengründer: Auf achteinhalb Millionen Einwohner kommen mehr als 5.000 Startups. Davon wollen auch deutsche Mittelständler profitieren und schauen sich vor Ort um.

Jerusalem Hebräischen Universität  Qlight Nanotech
Mitarbeiter des Startups Qlight Nanotech an der Hebräischen Universität Jerusalem Bild: picture-alliance/dpa/QLight Nanotech

Strand, Sonne und Startups: Israel gilt neben dem kalifornischen Silicon Valley als weltweite Innovationshochburg. Mehr als 5.000 Startups gibt es laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in Israel. Für deutsche Unternehmen scheint das Engagement in dem Land am Mittelmeer ein Muss: "Die Zahl der Firmen, die in Israel auf irgendeine Art Innovation suchen, liegt im dreistelligen Bereich", sagt Projektleiter Gregor Schlosser von der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer in Tel Aviv.

Nach den großen Unternehmen, wie VW, Bosch und Daimler, kämen nun auch die Mittelständler. So informiert sich aktuell etwa die CAS-Gruppe aus Karlsruhe über israelische Startups. Der Software-Hersteller hat mehr als 500 Mitarbeiter und hatte 2016 mehr als 55 Millionen Euro Umsatz.

"Security, Smart Data und künstliche Intelligenz - das sind die drei Bereiche, die uns interessieren", sagt der Vorstandsvorsitzende der CAS Software AG, Martin Hubschneider, in Tel Aviv. "Das sind aus unserer Sicht auch die Stärken hier." Hubschneider bereist aktuell mit einer 80-köpfigen Wirtschaftsdelegation und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann Israel.

Winfried Kretschmann, der Regierungschef Baden-Württembergs in IsraelBild: picture-alliance/dpa/C. Kern

Erfinden oder weiterentwickeln?

Das Unternehmen hat eine Software-Plattform entwickelt, mit der Firmen ihre Kundenkommunikation und ihre allgemeinen Daten organisieren können. An dieses Programm können auch einzelne Apps angedockt werden. "Wir würden sehr gerne Startups finden, die dafür entwickeln, oder an denen wir uns beteiligen können", sagt Hubschneider. Dabei gehe es etwa um Verschlüsselungstechniken. "Israel ist bekannt für bahnbrechende Innovationen", sagt der politische Ökonom Christian Thauer von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Deutsche Unternehmen seien vor allem gut darin, erfolgreiche Produkte weiterzuentwickeln - aber nicht mehr unbedingt, sie zu erfinden.

"Der Hybrid-Motor ist nicht bekannt geworden, weil VW ihn hatte, sondern Toyota." Die elektrogetriebenen Motoren wiederum stammten von Tesla und nicht aus Deutschland. "Deutsche Firmen haben kapiert, dass sie diesen Zug nicht an sich vorbeifahren lassen können", sagt Thauer - dass sie sich in Israel und Kalifornien engagieren müssen. Israelische Startups bräuchten wiederum die deutschen Unternehmen, um ihre Entwicklungen auf einem großen Markt, wie Europa, zu vermarkten.

"Frühwarn-Radar"

Der Autozulieferer Bosch hat seit November 2016 ein Forschungs- und Technologiebüro mit vier Mitarbeitern in Tel Aviv. "Ich nenne es ein Früh-Warn-Radar", sagt Büroleiter David Abraham. Sie behielten den Markt im Auge und suchten nach interessanten Startups, größeren Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Unter anderem gehe es dabei um künstliche Intelligenz. Bereits seit 2009 investiert die Robert Bosch Venture Capital GmbH in Startups in Israel. Aktuell sind es fünf, darunter Cheetah Medical, das Sensoren entwickelt hat, um die Herzfunktionen von Patienten nach Operationen ohne Eingriff zu überwachen.

David Abraham, Leiter des Forschungs- und Technologiebüros von Bosch in Tel AvivBild: picture alliance / Corinna Kern

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck investierte 2012 in das Startup Qlight Nanotech in Jerusalem und kaufte es 2015. Merck bietet unter anderem Flüssigkristalle für Bildschirme, wie von Handys und Computern. Qlight Nanotech entwickelt ebenfalls Display-Materialien. "Was in Israel als Forschung stattfindet, deckt sich in vielen Bereichen mit dem, was wir machen", sagt ein Merck-Sprecher. So seien die Israelis etwa auch gut in der Pharmaforschung. Schon Ende der 1970-er Jahre startete Merck mit der Entwicklung von biologischen Proteinen in Israel.

Volkswagen hat im Mai 2016 insgesamt 300 Millionen US-Dollar (heute 278 Millionen Euro) in die israelische Taxi- und Fahrtenvermittlungs-App Gett investiert. Mit der App können laut Volkswagen Menschen in mehr als 100 Städten Fahrten buchen. Außerdem hat der Konzern im Februar eine Partnerschaft mit dem Jerusalemer Automobilzulieferer Mobileye abgeschlossen, Spezialist für Kameratechnik für automatisiertes Fahren. Der amerikanische Chip-Gigant Intel hat Mobileye vor zwei Wochen für 15,3 Milliarden Dollar übernommen - das größte Geschäft in der Geschichte der israelischen High-Tech-Branche.

 

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