Die Etikette-Expertin Linda Kaiser erklärt im DW-Gespräch, warum Direktheit in Deutschland als höflich gilt - und sie gibt Tipps, wie man sich in einer internationalen Runde verhalten sollte.
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Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren
Jedes Land Deutschland hat sein eigenes Regelwerk für das richtige Verhalten in allen Lebenslagen. Unsere Bildergalerie verrät, wie man sich souverän am Telefon oder bei Tisch benimmt.
Bild: picture-alliance/dpa/D. Reinhardt
Der Händedruck
Vor der Pandemie hat man sich in Deutschland bei jeder Gelegenheit die Hände geschüttelt, so als sei das ein Nationalsport. Ob beim Kennenlernen, bei einer offiziellen Gratulation oder zur Vertragsbesiegelung. Selbst Kinder geben sich manchmal die Hand. Mal sehen, ob das Händeschütteln nach der Pandemie wieder zunimmt. Es gilt jedenfalls nicht mehr als unhöflich, darauf zu verzichten.
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Küsschen oder keins?
Wird es informeller, folgen auf den Händedruck noch Küsschen - manchmal eines, manchmal zwei. Dies aber wirklich nur, wenn man sich gut kennt. In den Genuss einer Umarmung hingegen kommen nur enge Freunde und Familie. Die Pandemie hat das alles verändert: Ellbogen und Füße kamen stattdessen zum Einsatz. Heute denken viele zweimal nach, bevor sie sich für eine bestimmte Grußform entscheiden.
Bild: picture-alliance/imageBROKER/F. Vogel
Du oder Sie?
Die persönliche Anrede hängt in Deutschland davon ab, ob man sich förmlich oder privat begegnet. Grundsätzlich wird man mit einem höflichen "Sie" angesprochen, im Gegensatz zum universellen "you" im Englischen. Das informelle "Du" kommt hingegen im privaten Umfeld zum Einsatz, aber nur unter Gleichaltrigen oder Jüngeren. Denn ältere Personen siezt man auch hier - bis das "Du" angeboten wird.
Bild: Colourbox
"Wer ist da am Apparat?"
Das höfliche "Sie" kommt auch beim Telefonieren zum Einsatz. Zunächst gilt es, sich vorzustellen: "Guten Tag, mein Name ist ..." Daher bitte nicht wundern, wenn der Gesprächspartner nicht mit einem "Hallo?" den Hörer abnimmt, sondern sich ebenfalls mit vollem Namen vorstellt. Praktisch! So weiß man gleich, ob man die richtige Nummer gewählt hat.
Bild: picture-alliance/ dpa
Entschuldigen Sie, bitte
Bei Zusammenstößen oder wenn man eine fremde Person um Auskunft fragt, kommt ein "Entschuldigen Sie!" zum Einsatz. Oder in Kurzversion "Entschuldigung". Möchte man sich für kleinere Störungen entschuldigen, hört man häufiger auch ein schlichtes "Sorry". Deutsche nutzen das englischsprachige Wort aber eher informell und nicht so exzessiv wie in vielen englischsprachigen Ländern.
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Klopf, klopf!
Das Klopfen an der Tür haben die Deutschen sicherlich nicht erfunden. Aber sie haben ihre eigene Version entwickelt. Klopft man an eine private Tür, wartet man, bis der Bewohner diese öffnet. Wartet man aber zum Beispiel in einem Behandlungszimmer auf den Arzt, so klopft dieser nur kurz an und betritt sogleich den Raum. Ähnliches Klopfverhalten zeigt auch so mancher Bürokollege.
Bild: Westend61/imago images
Sag es mit Blumen
Deutsche schenken gerne - besonders, wenn sie eingeladen werden. Dann bringen sie dem Gastgeber gerne mal eine Flasche Wein, Pralinen oder einen Blumenstrauß mit. Letzterer kommt auch sonst häufig zum Einsatz, selbst wenn man sich nicht besonders gut kennt. Zum Beispiel als Dankeschön oder als Geburtstagsgeschenk.
Bild: picture alliance/dpa
Entdeckung der Pünktlichkeit
Pünktlichkeit ist wohl Deutschlands bekanntestes Exportgut und ein absolutes Muss für formale Treffen und Besprechungen. Im privaten Umfeld verzeihen Freunde die ein oder andere Unpünktlichkeit. Wer sich jedoch länger als 15 Minuten verspätet, gilt als unhöflich. Dann sollte man lieber schon einmal per Anruf oder Textnachricht die Verspätung ankündigen und sich bereits vorab entschuldigen.
Bild: Cigdem Simsek/Zoonar/picture alliance
Draußen lassen
Deutsche ziehen gerne ihre Schuhe aus - natürlich nur im privaten Kreis, zum Beispiel bei Hausbesuchen. Dann bleiben die Treter gleich im Eingangsbereich oder - wenn es draußen gerade matschig und nass ist - auf der Fußmatte vor der Eingangstür zurück. Also unbedingt auf die richtige Wahl der Socken achten. Derweilen freut sich der Hausherr, seine Wohnung anschließend nicht reinigen zu müssen.
Bild: Andy Dean/PantherMedia/picture alliance
Heimatgefühle
Sobald Deutsche nach Hause kommen, schlüpfen sie von einem Paar Schuhe ins nächste - und zwar in ihre Pantoffeln. Dieses Ritual hat zwei Komponenten. Zum einen bleiben die Böden sauber. Zum anderen stehen die Puschen für das Gefühl, zu Hause zu sein. Manche Deutsche bringen sogar ihre Hausschuhe mit, vor allem wenn sie Kinder haben - und erweisen dem Gastgeber damit Respekt.
Bild: Colourbox
Tischmanieren
Beim Essen die Hände (auf keinen Fall die Ellenbogen) auf dem Tisch abzulegen, gilt als höflich. Außerdem haben Gabel und Messer eine klare Rolle: Die Gabel gehört in die linke und das Messer in die rechte Hand. Das Weinglas sollte am Stiel gehalten werden, dann klingt es beim Anstoßen besser.
Bild: L. D. Gordon/Design Pics//picture-alliance
Auch Besteck hat seine Ordnung
Macht man beim Essen eine Pause, so ist die Gabel auf dem Teller nach diagonal links und das Messer nach diagonal rechts unten zu legen, sprich die Gabel auf 8 und das Messer auf 4 Uhr. Klare Ansage: Hier geht das Essen noch weiter. Ist man hingegen satt, rutscht die Gabel zum Messer, siehe Bild. So weiß der Kellner Bescheid: Hier geht nichts mehr.
Bild: dpa/picture alliance
Sag es mit Stil
Deutsche haben einen prägnanten Ausdruck für den gemeinsamen Essensstart. Statt eines sperrigen "Enjoy your meal", wie es im Englischen geläufig ist, heißt es hier kurz "Guten Appetit". Das kommt einem leicht und gerne über die Lippen. Diese Bildergalerie aus dem Jahr 2018 wurde im März 2023 aktualisiert.
Bild: Zarbor/Panthermedia/imago images
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DW: Frau Kaiser, in unserer Reihe "Meet the Germans" versuchen wir immer wieder deutsche Eigenschaften einem internationalen Publikum zu erklären. Dieses Mal geht es um Manieren…
Ja, wobei Manieren eher ein britisches Thema ist.
Warum?
Weil die Briten, so wie sie sich den Deutschen präsentieren, besonders besonnen, höflich, zurückhaltend, freundlich und sehr diszipliniert sind. Und dann haben sie natürlich auch noch die Beziehung zum Königshaus. Da werden Etikette und Manieren eben noch besonders gelebt.
Aber Sie implizieren damit, dass die Deutschen nicht so viel mit Manieren am Hut haben. Würden Sie das wirklich sagen?Es ist hier einfach anders [lacht]. Seit 100 Jahren haben wir kein Königshaus, keine Monarchie, keinen offiziellen Adel mehr in Deutschland. Darum sind Manieren eine gesellschaftliche Angelegenheit geworden und Gesellschaft bewegt oder entwickelt sich ja schneller als Tradition. Daher sind Manieren doch schon auch ein deutsches Thema, aber eben ohne eine herausragende Persönlichkeit wie eine Königin als Vorbild.
Gibt es bestimmte Manieren, die typisch deutsch sind?
Spezifisch für die Deutschen sind sicherlich so Sachen wie Pünktlichkeit oder direkte Kritik äußern zu können. Also menschliche Wesenszüge, die dann für viele verbindlich sind, und die viele Deutsche anwenden können, obwohl man das auch nicht so pauschal sagen kann.
Sie haben die besondere Höflichkeit der Briten erwähnt. Halten Sie die Deutschen für höflich?
Ja. Jeder Mensch ist auf seine Art und Weise höflich. Das kann man von der Landeszugehörigkeit gar nicht so abhängig machen, denn Höflichkeit hilft uns, einfach besser in einer Gruppe klar zu kommen, besser mit dem anderen klar zu kommen. Deswegen bemühen wir uns, in welcher Form auch immer, uns bestmöglich darzustellen und, wenn man es denn wirklich verinnerlicht hat, auch den anderen gut dastehen zu lassen. Was würden Sie Menschen raten, die nach Deutschland kommen: Wie können sie sich am besten verhalten?
Das, was ich eigentlich jedem in jedem Land empfehle: offen zu sein, aufmerksam zu sein, zuzuhören und das eigene Verständnis von guten Manieren in die Gesellschaft einzubringen. Und dann funktioniert es, egal wo man ist, mit dem Miteinander. Man sollte vielleicht auch noch folgendes unterscheiden: Wir sprechen jetzt von Manieren. Manieren sind eigentlich das Handwerkszeug. Das "Wie mache ich was?". Noch wichtiger sind eigentlich die Umgangsformen, auf die sich auch Adolph Freiherr Knigge (1752 bis 1796, Anm. d. Red.) bezieht, und die er in seinem Werk 1788 "Über den Umgang mit Menschen" beschrieben hat, nämlich der Umgang miteinander, also quasi die Idee dahinter. Wie trete ich dem anderen gegenüber? Wie nehme ich ihn auf? Und die Manieren sind quasi das Handwerkszeug, also wie setze ich diesen guten Gedanken und diese gute Absicht auch tatsächlich in Taten um?
Haben Sie ein paar Beispiele?
Nehmen wir mal das ganz klassische Beispiel Tischkultur. Wir setzen uns zusammen an einen Tisch, um gemeinsam zu essen und eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Das ist der Hauptanspruch. Der zweite Aspekt, der aber untergeordnet ist, ist, dass man Nahrung zu sich nimmt, um zu überleben. Jetzt haben wir diesen guten Gedanken "Wir setzen uns zusammen, um gemeinschaftlich etwas zu tun und uns dabei kennenzulernen und auszutauschen", und das muss ja irgendwie umgesetzt werden. Dafür gibt es jetzt Manieren, sprich: Wir haben eine bestimmte Verabredung, wie wir mit Messer und Gabel essen, dass wir den Teller nicht ablecken, dass wir das Glas am Stiel anfassen, dass wir nicht so viel auf den Teller auflegen, sondern nur das, was wir auch tatsächlich essen möchten, damit für alle ungefähr eine gleiche Basis da ist und man nicht vom Wesentlichen abgelenkt wird. Und dafür sind dann Manieren gut.
Bleiben wir beim Weinglas, das man am Stiel halten soll. In den USA zum Beispiel macht man das nicht, wenn man anstößt. Warum wird ausgerechnet das als höflich angesehen?
Man kann zumindest für den deutschsprachigen europäischen Raum eigentlich fast alle Regeln auf irgendeine sachliche Bedeutung oder Erklärungen zurückführen. Man greift das Glas am Stiel, um das Getränk darin nicht durch die Hände zu erwärmen und keine Fingerabdrücke am Glaskörper zu hinterlassen. Das hat also sowohl einen ästhetischen als auch praktischen Grund. Wenn die Amerikaner das nicht tun, bringt das, glaube ich, niemanden um. Es gibt für viele Dinge verschiedene Lösungsmöglichkeiten.
Was schlagen Sie Menschen vor, die in Deutschland zusammenkommen, aber verschiedene Nationalitäten haben? Meine Erfahrung ist, dass die Deutschen sehr gerne Hände schütteln. Das macht man in den USA natürlich auch, aber nicht bei jeder Gelegenheit. Das würde man auch nicht in Japan machen. An welche Regeln hält man sich?
In so einer Situation orientiert man sich immer am Gastgeber. Haben wir jetzt einen deutschen Gastgeber, gelten die deutschen Regeln. Das würde bedeuten, man würde sich die Hand geben. Wenn Sie aber einen vorausschauenden, offenen, höflichen Gastgeber haben, dann geht der Gastgeber auf jeden individuell so zu, wie es ihm gut tut. Das heißt, er würde dem Japaner nicht das Händeschütteln aufdrängen. Er würde den Franzosen mit Küsschen links und rechts begrüßen und er würde dem Amerikaner, der ihm gegenüber steht, natürlich die Hand schütteln.
Sie haben vorhin etwas zur Direktheit gesagt: dass die Deutschen das Gefühl haben, sie können ihre Meinung äußern. Als gebürtige US-Amerikanerin erlebe ich persönlich die Deutschen manchmal als sehr direkt. Warum wird das hier in Deutschland als höflich angesehen oder akzeptiert?
Weil es in Deutschland für Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit steht. Wir reden nicht um irgendetwas herum, sondern bringen die Sache einfach auf den Punkt und das ist in Ordnung und höflich und allgemein akzeptiert. Das ist aber eine kulturelle Geschichte. Wir sind einfach so erzogen und aufgewachsen, darum reflektieren wir das gar nicht. Wenn wir aber dann mit Briten zu tun haben, ist das etwas ganz anderes und wenn wir uns in Großbritannien etablieren möchten, müssen wir eben auch die dortigen Manieren kennenlernen und anwenden.
Das Wichtigste über Small Talk mit Deutschen
03:52
Wie verhalten sich die Deutschen im Internet oder den sozialen Medien, sind sie da auch so direkt?
Dadurch, dass das Internet sehr international ist, fühlen sich viele Deutsche vielleicht dazu verleitet, vermeintliche Nachlässigkeiten einfach aus anderen Kulturen zu übernehmen. Zum Beispiel verzichtet man gerne im Internet auf die deutsche Rechtschreibung oder die Groß- und Kleinschreibung. Im Englischen wird ja alles klein geschrieben bis auf ein paar Ausnahmen. Das übernimmt man dann schon mal ganz gerne. Aber das ist sicherlich falsch und unhöflich, denn wir haben nun mal eine Sprache mit bestimmten Regeln und die sollten dann auch in den sozialen Medien oder im Internet, wenn man in dieser Sprache kommuniziert, eingehalten werden. Oder dass man sich im Internet schneller duzt. Deutschland ist eigentlich keine Duz-Kultur, aber wir beneiden immer die Engländer und Amerikaner, die sich vermeintlich duzen.
Das Gespräch führte Louisa Schaefer.
Linda Kaiser gibt als stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft Etikette-Seminare für Unternehmen und arbeitet als Stil- und Imageberaterin.
Noch mehr Inhalte über Deutsche und ihre Traditionen, ihre Alltagskultur und Sprache findest Du auf YouTubeund unserer Seite www.dw.com/MeettheGermans_de.
Und mehr Fernandez-Cartoons gibt es hier:
Makel, Macken und Marotten: Deutsche Eigenarten im Cartoon
Der Comiczeichner Miguel Fernandez hat es sich zur Aufgabe gemacht, typisch Deutsches ausfindig zu machen - und es auf's Korn zu nehmen. Hier lernen Sie Bild für Bild ein bisschen mehr über die Macken der Deutschen.
Strenge deutsche Spielregeln
Spielregeln stellen die Deutschen besonders gern auf. Nicht nur auf dem Spielbrett beim Schach, Mühlespiel oder beim Monopoly wird streng darüber gewacht, dass diese Spielregeln von jedem Spieler auch eingehalten werden. Ausnahmen in gegenseitiger Absprache sind allerdings jederzeit erlaubt. Im Notfall hilft ein prüfender Blick in die Spielanleitung.
Deutsche Brotkultur
2014 wurde die deutsche Brotkultur von der UNESCO in die Liste immaterieller Kulturgüter aufgenommen. Kein Wunder, denn die Deutschen haben über 3200 eingetragene Brotsorten - und unzählige Brötchenvarianten. Wem das beim Bestellen zu kompliziert ist: "Das da" und "Nein, das daneben" führt meist auch zum Ziel.
Looking for Freedom
David Hasselhoff wurde nicht erst seit der legendären Darbietung von "Looking for Freedom" Sylvester 1989 auf der Berliner Mauer zu einem Teil der deutschen Geschichte. Während er weltweit mit Serien wie "Knight Rider" und "Baywatch" als Schauspieler Erfolge feierte, nahmen die Deutschen ihn auch als Sänger ernst: Er bekam mehrmals Gold- und Platinstatus - sehr zur Belustigung der US-Amerikaner.
Überpünktlich?
Die Pünktlichkeit gehört zu den angeblich größten Tugenden der Deutschen - oder wahlweise zu ihren nervtötendsten Eigenschaften. "Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit" heißt es im Volksmund. Doch komisch: Weder im Flug- noch im Bahnverkehr gehört Deutschland zu den Top 10 der Pünktlichen auf der Welt. Viel wert auf etwas legen bedeutet nicht, die Erwartungen auch zu erfüllen.
Die planmäßige Abfahrt verzögert sich
Wer schon mal an einem deutschen Bahnhof gestanden hat, kennt das Problem: Mal verspätet sich ein Zug um 40 Minuten, mal hält er in umgekehrter Wagenreihung an Abschnitt B-C, mal fällt er zum Ärger der Bahnreisenden ganz aus. Sicher ist, jeder Pendler kann mehr als eine Geschichte über Verspätungen und kuriose Durchsagen beisteuern.
Liebe in schweren Zeiten
Die Liebe von Deutschen zu ihren Autos scheint grenzenlos: Eine repräsentative Forsa-Umfrage von 2017 kommt gar zu dem Schluss, dass jedem Zehnten das Auto wichtiger sei als der Partner. Doch in Zeiten von Diesel-Skandal und Feinstaubbelastung wird diese Liebe auf eine harte Probe gestellt. Happy End? Bisher nicht in Sicht...
Mein Haus, mein Auto, mein Zwerg
Sie gehören in einen typisch deutschen Vorgarten: Gartenzwerge. Es gibt sie in allen möglichen Varianten: als Gärtner, Musiker, Handwerker, Fußballer, Rocker, nackt oder angezogen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Gartenzwerge haben eine lange Tradition. Einerseits gelten sie als kitschig und spießig, andererseits sind sie teilweise so schräg, dass sie schon wieder hip sind.
Direkt, aber dafür ehrlich
In jedem Land gelten andere Höflichkeitsformen. Eine davon in Deutschland: direkt sein, also ohne große Umschweife sagen, was man von einer Person oder Sache hält. Wer das nicht gewohnt ist, kann sich leicht mal vor den Kopf gestoßen fühlen. Das Ganze als Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit anzusehen, könnte helfen, es nicht zu persönlich zu nehmen.
Nachbarschaftskonflikte
Sie sind sich nah und doch so fern. Der kleine Nachbar Österreich wird von den Deutschen schon mal mit Herablassung behandelt - was den Österreicher dann Gift und Galle spucken lässt. Merke: Ausdrücke wie "Baba" und "Das geht sich schon aus" - die benutzen nur die Österreicher.
Sitzplatzreservierung
In Sachen Sitzplatzreservierung verstehen die meisten Deutschen keinen Spaß. Um bei der Platzsuche nicht leer auszugehen, reservieren sie meist schon vor Antritt der Reise einen Sitz - gegen Aufpreis natürlich. Und auf diesen Platz bestehen sie dann auch.
Übertreten verboten!
Der Zug lässt auf sich warten, es bleibt also genug Zeit für eine Zigarette - theoretisch. Denn auf deutschen Bahnhöfen ist das Rauchen seit 2007 nur noch in gekennzeichneten Zonen erlaubt. Ein Rebell, wer sich dem widersetzt und die Durchsage "Das Rauchen ist in diesem Bahnhofsbereich nicht gestattet" geflissentlich ignoriert - strafende Blicke von anderen Reisenden sind ihm gewiss.
Lederhose ist nicht gleich Lederhose
In Bayern gehört sie in jeden Kleiderschrank: die Lederhose. In Thüringen gibt es sogar einen Ort, der Lederhose heißt. Aber Vorsicht, das traditionsreiche Kleidungsstück könnte in manchen Kreisen Verwirrung stiften. Deutsche Rockerbanden, die auf Motorrädern durchs Land heizen, haben für die bayerische Tracht nicht allzu viel übrig. Merke: Lederhose ist nicht gleich Lederhose.
Deutsche Sprache, harte Sprache?
Zugegeben, die deutsche Sprache ist nicht gerade für ihren melodischen Klang bekannt. Im Gegenteil: Wer die Sprache nicht versteht, bekommt schnell den Eindruck, Deutsche würden ständig streiten. Aber was ist es nur, das die deutsche Sprache so hart klingen lässt? Ein Grund dafür, sagen Linguisten, ist die verhältnismäßig große Anzahl von Konsonanten im Deutschen.
Vorsicht, bissig!
Spaziert man durch Parks in Deutschland, ist er nicht weit: der deutsche Schäferhund! Der Vierbeiner gehört zu den beliebtesten Hunderassen hierzulande. Manch ein Hundehalter übertreibt es mit der Fürsorge und passt das tierische Outfit dem eigenen an. Tennissocken und Sandalen an den Pfoten, wo gibt's denn sowas? Na klar, nur in Deutschland!
Da kannst Du lange warten!
"Rot heißt stehen, grün heißt gehen", das lernen viele Kinder in Deutschland, noch bevor sie überhaupt laufen können. Die Erwachsenen gehen derweil mit gutem Beispiel voran und nehmen den Grundsatz ausgesprochen ernst. Auch wenn weit und breit kein Auto in Sicht ist, an der roten Ampel wird gewartet, so viel Zeit muss sein.
Deutsches Pflichtbewusstsein
Was wären die Deutschen nur ohne ihre Jobs? Vielleicht gesünder? Kranksein passt jedenfalls den meisten so gar nicht in den Kram. Wer soll denn dann die ganze Arbeit verrichten, wenn man selbst zu Hause im Bett die Grippe auskuriert? Pflichtbewusst wie die Deutschen sind, lautet die Devise: Schnell wieder fit werden!
Einer geht noch
Wer sitzt am längsten an der Bar? Zumindest wenn es ums Biertrinken geht, macht den Deutschen so schnell keiner was vor. Kein Wunder, immerhin werden in Deutschland jährlich acht Milliarden Liter Bier konsumiert. Besonders stolz sind die Deutschen auf das Reinheitsgebot des Bieres. Die Regelung besagt, dass Bier nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hergestellt werden darf.
Im Geschwindigkeitsrausch
Mit 220 Sachen über die Autobahn - in Deutschland kein Problem. Denn hier wehrt sich die Auto-Lobby bisher erfolgreich gegen ein Tempolimit, das in anderen Ländern ganz normal ist. Und sollten wegen Staugefahr oder Baustelle doch mal Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder am Straßenrand stehen, hält sich gerade mal die Hälfte der Fahrer daran. Der Deutsche lässt sich das Rasen doch nicht verbieten.
Raser im Alter
Wer sein ganzes Leben ohne Tempolimit über deutsche Autobahnen gebrettert ist, mag sich natürlich auch im Alter nicht einschränken. Für Rentner-Gefährte scheinen 120 km/h ein guter Kompromiss.
Man muss Prioritäten setzen
Deutsche - und in diesem Fall vor allem männliche Deutsche - sind fußballverrückt. Da kann die Erde beben, der Dritte Weltkrieg ausbrechen oder eine Hochzeit geplant sein: Wenn ein wichtiges Spiel ansteht, wird das alles zur Nebensache.