1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

Uni für Cyberkrieger

Heiner Kiesel
1. April 2018

Seit einem Jahr gibt es ein Zentrales Kommando für den Bereich Internetsicherheit bei der Bundeswehr. An der Bundeswehr-Universität bei München wird die neue Elite der deutschen Hackersoldaten ausgebildet.

Verteidigungsministerin besucht Universität der Bundeswehr München
Bild: picture-alliance/dpa/P. Kneffel

Sie legt einen raschen Gang vor. Die Professorin für IT-Sicherheit und Direktorin des Forschungsinstituts CODE, Gabi Dreo hat noch eine Menge vor. Sie führt über den weitläufigen Campus der Universität der Bundeswehr bei München. "Wir können den Platz gut gebrauchen", erklärt Dreo und zeigt auf eine große Freifläche mit Wiese und Parkplatz. "Hier entsteht das neue Gebäude, Labore für digitale Spurensicherung, Softwareentwicklung, rund 40.000 Quadratmeter". Nächstes Jahr soll gebaut werden und die neuen Mitarbeiter kommen. Geplant wird für elf Professuren, zwei Juniorprofessuren und etwa 300 Mitarbeiter. "Wir bilden die IT-Talente aus, die es Hackern schwer machen werden, in die Systeme einzudringen", verspricht Dreo.

Professorin Gabi Dreo-Rodosek will die Cybersoldaten fit machenBild: DW/H. Kiesel

Die Bundeswehr intensiviert ihre Cyber-Abwehr-Anstrengungen. Dafür braucht sie Expertise und Nachwuchs. Dreo hat einen neuen IT-Studiengang eingeführt: Seit Anfang des Jahres können Studenten an der Bundeswehruniversität in Cyber-Sicherheit mit einem Master abschließen. "Wir peilen 120 Studierende für diesem Studiengang an, machen Sie ruhig ein bisschen Werbung, das wird top", verspricht die Wissenschaftlerin. Die neuen Studenten dürfen sich auch auf neue Appartements freuen, die auf dem Campus gerade fertiggestellt werden. Und darauf, dass sie sich in der Regel als Offiziere für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichten müssen. Das ist nicht jedermanns Sache. "Da müssen wir attraktiver werden", sagt Dreo.

Das weltweite Internet als Kampfzone

Seit einem Jahr ist alles, was irgendwie mit Informationstechnologie bei der Bundeswehr zu tun hat, in einem eigenen Organisationsbereich konzentriert: Im Kommando Cyber- und Informationsraum. 13.500 Soldaten und 1.500 Zivilangestellte sollen dem KdoCIR in wenigen Jahren angehören. Cyber ist nun eine Teilstreitkraft, die auf Augenhöhe mit dem Heer, der Marine und der Luftwaffe gesehen wird. Ihre Kampfzone ist global, soviel hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schon mal klar gemacht, als sie das neue Kommando vorstellte: "Es gibt keine äußere und innere Grenze im Cyberraum!"

Eingang der Bundeswehr-Uni bei MünchenBild: DW/H. Kiesel

In München wird die Grenzenlosigkeit bald gelebt. "Wir bauen hier zusammen mit der Zentralen Informationsstelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich ZITiS und sitzen dann im gleichen Gebäude", erklärt Professorin Dreo. ZITiS wird gerne als Hackerbehörde des Innenministeriums bezeichnet und soll Sicherheitskräfte beim Überwachen und Code-knacken unterstützen. Um das Gebäude herum sollen sich noch IT-Sicherheitsfirmen und Startups ansiedeln. "Das wird ein sehr produktiver Raum für die Cyber-Abwehr", sagt Dreo.

Bundeswehr im harten Wettbewerb

Noch ein letzter Blick über den künftigen Baugrund, dann muss sie weiter. Es geht an der Mensa vorbei. Joggende Studenten kommen ihr entgegen. Hier leben und studieren die Soldaten, die für die ganz realen Kämpfe tauglich sein müssen. "Wir brauchen aber auch Nerd-mäßige Typen, die vielleicht nicht so sportlich sind", sinniert die Professorin. 

Verteidigungsministerin von der Leyen will den Schutz vor Hackern vorantreibenBild: picture-alliance/dpa/R. Vennenbernd

Vielleicht müsse man bei ihnen ein bisschen mehr Spielraum im Anforderungsprofil haben, auch was die Bezahlung angehe. Spitzenkräfte in der IT-Branche sind rar. Die Bundeswehr steht in einem harten Wettbewerb. Aber Dreo ist guter Dinge: "Die jungen Leute heutzutage wollen ja nicht nur Geld, sondern auch eine gute Work-Life-Balance und für eine gute Sache arbeiten."

Wo sich Verteidigung und Angriff mischen

Der positive Effekt von Cyberrüstung ist unter Fachleuten hoch umstritten. Die Bundeswehr betont vor allem den defensiven Charakter. Es gelte vor allem, die System zu schützen, die alles vernetzen und in Gang halten - in Panzern, Flugzeugen und Fregatten. Auf die Frage nach der Erforschung von Angriffs-Tools reagiert Gabi Dreo routiniert. "Das ist nicht unser Thema, aber man muss natürlich wissen, wie ein Angreifer denkt, wenn man sich effektiv verteidigen will."

Im Verteidigungsministerium findet man es ganz natürlich, über Hackback-Fähigkeiten zu reden, den digitalen Gegenschlag. Aber der ist ohne ein offensives Arsenal nicht zu machen. Die Eigendynamik des Cyberkriegs birgt allerdings hohes Eskalationspotential: Wer sich wehren will, muss das System des Gegners kennen und seine Angriffssoftware idealerweise bereits dort platziert haben.

Hacks gegen Taliban in Afghanistan?

Wie weit die die Bundeswehr schon bei der Cyberrüstung ist, bleibt unklar. Es gibt Berichte, dass Cyberkrieger der Bundeswehr - wahrscheinlich die junge aber schon legendenumwobene Einheit Computer Netzwerk Operationen (CNO) - schon ganz aktiv das Netz eines Telefonanbieters in Afghanistan gehackt haben, um Taliban auszuspähen.

Bundeswehrsoldat bei einer Cyberabwehr-Übung der NATOBild: Bundeswehr/Tom Twardy

Aber das ist wirklich nicht Dreos Thema jetzt. Sie geht in eines der Lehrgebäude, eilt am Audimax vorbei, die Treppe hoch. Leere Flure, das ist keine Massenuniversität. Im Hörsaal sitzen vielleicht zwei Dutzend junge Männer. "Frau Professorin Dreo, pünktlich wie immer", begrüßt sie ein Assistent. Es steht alles parat für die IT-Sicherheitsvorlesung. Sie will ihre Studenten heute darüber aufklären, welche Tricks und Fallen es bei den Adress-Diensten im Internet gibt.

IT-Soldaten aus Idealismus

Auf den aufsteigenden Sitzreihen haben sich zwei Dutzend Studenten niedergelassen. Einige tragen Tarnfleck-Uniformen, die meisten sind zivil gekleidet. Unter ihnen ist auch der 26-jährige Leutnant Daniel Schick. Mit seinem militärisch kurzen Haarschnitt und dem engen schwarzen T-Shirt, das den muskulösen Oberkörper betont, wirkt er wie der Ideal-Typus eines Soldaten. "Das mag ich an der IT-Laufbahn bei der Bundeswehr, dass man mit Technik umgeht, aber auch im Wald übernachten muss, Sport macht und Schießübungen hat", erzählt er. Man lerne hier sein Leben zu organisieren, das gefalle ihm.

Werbeaktion der Bundeswehr zur Rekrutierung neuer SoldatenBild: Bundeswehr

"Mach, was wirklich zählt", wirbt die Bundeswehr für ihre Karrieren. Für Schick gilt das ganz besonders für seinen Bereich. "Es steckt überall IT drin, in jedem Handy und die Gefahren aus dem Cyberraum betreffen jeden", sagt Schick. Das motiviere ihn, hier zu studieren. Sein Karriere-Traumziel hat er schon ausgemacht. Eines wo er wirklich etwas bewegen kann. "Ich möchte zum Computer-Netzwerk Operationen nach Bonn, das ist die Speerspitze der Bundeswehr-IT!"

 

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen

Mehr zum Thema

Weitere Beiträge anzeigen