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Glaube

Deutsche Katholiken trotzen Kritik aus Rom

14. September 2019

Die katholische Kirche in Deutschland hält weiter an ihrem Reformweg fest - auch wenn sie damit auf einen Konflikt mit dem Papst zusteuern könnte. Beim "synodalen Weg" sollen umstrittene Themen offen diskutiert werden.

Polen Kardinal Marx zu Besuch in Danzig
"Die Kirche ist nicht für sich selber da": Kardinal Marx will eine Fortsetzung der Gespräche Bild: Imago/ZUMA Press/M. Fludra

Eine zweitägige Vorbereitungskonferenz von rund 50 Bischöfen und Laien in Fulda endete "mit einem klaren Appell, den eingeschlagenen Synodalen Weg mutig und engagiert im Geist des Evangeliums fortzusetzen", wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) mitteilte.

Der DBK-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx erinnerte daran, dass die katholische Kirche eine zu allen Menschen gesandte Kirche sei: "Die Kirche ist nicht für sich selber da."  Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sagte, es gehe darum, Vertrauen wiederzugewinnen, "um glaubwürdig von unserem Glauben zu sprechen".

Nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker hatten die Bischöfe im Frühjahr einen Reformprozess beschlossen. Unter dem Titel "Synodaler Weg" wollen sich Katholiken in Deutschland mit Macht in der Kirche, kirchlicher Sexualmoral, Zölibat und Frauen in der Kirche beschäftigen. Die Deutsche Bischofskonferenz will zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken ab dem ersten Advent den sogenannten "synodalen Weg" starten.

"Die Situation vor Ort im Blick" 

Zu jedem der vier Themenkomplexe wurde nun ein Arbeitspapier ausgearbeitet.  Darin geht es um Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. Die vier Papiere, über die Bischöfe und ZdK-Vertreter zwei Tage berieten, dienen als eine Art Grundlage für die künftigen Foren des "synodalen Weges".

Wieviel Reformer steckt in Papst Franziskus? Im Sommer hatte er die Kirche in Deutschland vor einem Alleingang gewarnt Bild: Getty Images/AFP/T. Fabi

Die Konferenz-Teilnehmer formulierten in Fulda außerdem einen Brief an Papst Franziskus. Man sei entschlossen, den "synodalen Weg" als einen "geistlichen Prozess" zu gestalten. Dabei sei "sowohl die Einheit der ganzen Kirche als auch die Situation vor Ort im Blick", heißt es darin. Der Papst hatte die deutschen Glaubensbrüder und -schwestern im Sommer vor Alleingängen gewarnt.

Auch anderen im Vatikan ist das deutsche Vorhaben ein Dorn im Auge: Die deutsche Teilkirche könne nicht über Themen wie die Position der Frauen entscheiden, weil diese die ganze Weltkirche beträfen, heißt es in einem Gutachten des "Päpstlichen Rats der Gesetzestexte", das die Bischofskonferenz am Freitag im Internet veröffentlicht hatte.

Wieviel dürfen die Laien bestimmen? 

Auch die Beteiligung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken - also den normalen Gläubigen - an dem Reformprozess stört konservative Kleriker: Die katholische Kirche sei "nicht (...) demokratisch strukturiert", betonten die Mitglieder des Päpstlichen Rats.

Tatsächlich sind die deutschen Katholiken in diesem Punkt jedoch schon zurückgerudert: In wichtigen Fragen soll beim Synodalen Weg allein das Votum der Bischöfe ausschlaggebend sein. Über ein bereits beratenes Statut für den Reformprozess sollen die Vollversammlungen der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees im September und November abstimmen. Deren Zustimmung gilt jedoch als Formsache.

sth/haz (dpa, kna) 

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