Gigantischer Rüstungsdeal: Deutsche U-Boote für Kanada
Veröffentlicht 6. Juli 2026Zuletzt aktualisiert 6. Juli 2026
Es ist ein milliardenschwerer Rüstungsdeal: Kanada bestellt bis zu zwölf hochmoderne U-Boote beim deutschen Marine-Schiffbauer TKMS. Premierminister Mark Carney bestätigte entsprechende Berichte der kanadischen Zeitung "The Globe and Mail". Demnach setzte sich TKMS in dem Bieterverfahren gegen die südkoreanische Werft Hanwha Ocean durch. Die beiden Unternehmen hatten monatelang um den Auftrag gekämpft. Kanada will U-Boote vom Typ 212CD kaufen, die auch von der deutschen und der norwegischen Marine angeschafft werden. Die Kosten werden auf mehr als zehn Milliarden Euro geschätzt.
Am Montagvormittag hatte die Bundesregierung ihre Hoffnung formuliert, dass sich die kanadische Regierung für TKMS entscheiden würde, die in Kiel ansässige Rüstungstochter von Thyssenkrupp. "Das ist ein großes strategisches Vorhaben. Wenn es gelingt, dann wird es Kanada an uns für Jahrzehnte binden", hatte ein Regierungsvertreter in Berlin gesagt - und die transatlantische Dimension des Rüstungsgeschäfts unterstrichen. In den letzten Wochen und Monaten habe Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) "viel an politischer Arbeit investiert".
Boris Pistorius machte Werbung für hochmoderne U-Boote
Die hochmodernen U-Boote des Typs 212CD sind äußerst schwer aufzuspüren und können dank moderner Lithium-Ionen-Batterien über Wochen hinweg autonom und völlig lautlos operieren. Es gebe nichts Vergleichbares unter konventionellen U-Booten, hatte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei einer Reise nach Kanada erklärt, wo er Werbung für die U-Boote aus deutscher Produktion machte. "Zusammen können wir die größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte der Welt bauen."
TKMS-Chef Oliver Burkhard hatte angekündigt, den Auftrag aus Kanada mit einem umfassenden Industriepaket an Land ziehen zu wollen. Die Gespräche gingen Medienberichten zufolge weit über U-Boote hinaus: Sie umfassten mögliche Investitionszusagen in den Bereichen Seltene Erden, Bergbau, Künstliche Intelligenz und Batterieproduktion für den Automobilsektor. Laut Burkhard ist der Auftrag "der größte, der jemals in dieser Welt der konventionellen U-Boote bei einem NATO-Partner vergeben wurde".
Transatlantische Rüstungskooperation - auch ohne die USA
Nicht nur für TKMS ist der Großauftrag ein Hauptgewinn, auch außenpolitisch spielt er Deutschland in die Hände. Die engere Zusammenarbeit mit Kanada in strategischen Fragen kommt nach Ansicht der Bundesregierung auch der NATO zugute, die am Dienstag und Mittwoch in der türkischen Hauptstadt Ankara ihr jährliches Gipfeltreffen abhält.
Das Verteidigungsbündnis befindet sich in einer Phase der Neuorientierung: Die USA reduzieren ihre militärischen Beiträge, Europa muss mehr leisten und rüstet auf. Der geplante U-Boot-Deal verstärkt die Zusammenarbeit zwischen Kanada, Deutschland und Norwegen, dem dritten Partner bei diesem Rüstungsprojekt - sowohl auf der Ebene der Rüstungsindustrie als auch bei der Sicherung der Nordflanke der NATO.
Unter den NATO-Verbündeten ist es erklärtes Ziel, mehr baugleiche Systeme zu beschaffen, um militärisch enger kooperieren zu können - etwa beim schnellen Austausch von Daten, bei der Ausbildung der Besatzungen oder bei der Wartung.
Bislang haben Deutschland und Norwegen die Beschaffung von jeweils sechs U-Booten dieses Typs beschlossen. Mit dem Zuschlag Kanadas verdoppelt sich nun die Produktionsmenge. Die Aktie von TKMS legte zeitweise um bis zu elf Prozent zu.
Die Bundesregierung begrüßte die Entscheidung der kanadischen Regierung. "Mit dem deutschen Unternehmen TKMS als bevorzugtem Hersteller hat sich Kanada für die besten konventionellen U-Boote der Welt entschieden. Dieser Schritt bedeutet eine langfristige Stärkung und Vertiefung unserer Partnerschaft im transatlantischen Bündnis", kommentierte Außenminister Johann Wadephul (CDU).
Das Bundesverteidigungsministerium lobte die Entscheidung als "Meilenstein für die trilaterale Partnerschaft von Deutschland, Norwegen und Kanada". Minister Pistorius sagte: "Die Informationen, die unsere bis zu 24 U-Boote im Nordatlantik, in der Arktis und im Hohen Norden sammeln werden, können wir schnell untereinander austauschen, analysieren und nutzen. Und wir können die Systeme bei Bedarf an vier verschiedenen Werften in der nördlichen Hemisphäre warten." Jetzt gehe es darum, die Verträge fertig zu machen und die U-Boote "möglichst schnell ins Wasser zu bekommen", so Pistorius. TKMS will das erste U-Boot bis 2033 an Kanada ausliefern.
Neue Arbeitsplätze dank voller Auftragsbücher
Von dem Rüstungsdeal profitieren dürfte unter anderem die Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wurden zuletzt Kreuzfahrtschiffe gebaut, bis der Betreiber 2022 in die Insolvenz ging. Mitte 2022 übernahm TKMS die Werft und richtete sie auf den Bau von Marine- und Spezialschiffen aus.
Es wurde eine Fertigungslinie für den Rumpf von U-Booten errichtet, neue Arbeitsplätze entstehen. Auch durch den Großauftrag aus Kanada dürften alle Produktionsstätten von TKMS nun auf viele Jahre hin voll ausgelastet sein.
Dieser Artikel vom 6.7. wurde am 7.7. um 11 Uhr um aktuelle Reaktionen von Johann Wadephul und Boris Pistorius ergänzt.