Deutsche Wirtschaft kommt in Schwung
10. April 2013
Deutschland bleibt die Konjunkturlokomotive Europas, auch wenn die Schwäche der Eurozone die Wirtschaft zunächst bremsen dürfte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) senkte seine Wachstumsprognose für dieses Jahr von zuvor 0,9 auf 0,7 Prozent. Auch für 2014 wird ein deutlich geringeres Wachstum von 1,6 Prozent Wachstum erwartet, nachdem DIW-Präsident Marcel Fratzscher zuvor noch von zwei Prozent ausgegangen war.
Die Krise der meisten europäischen Volkswirtschaften werde 2013 den Welthandel erheblich bremsen, warnte die Welthandelsorganisation (WTO) am Mittwoch in Genf.
DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner gab sich in Berlin für den weiteren Jahresverlauf hierzulande dennoch zuversichtlich: "Die deutsche Wirtschaft kann sich von der schwierigen Lage in den Nachbarländern weiter entkoppeln und wächst kräftig, auch wenn wegen des schwachen Starts in das Jahr die Wachstumsrate 2013 noch recht niedrig ausfällt."
Italien und Frankreich bereiten Sorgen
Risiken gehen nach Einschätzung von DIW-Präsident Fratzscher vor allem von der Entwicklung in Italien und Frankreich aus. "Die Unsicherheit ist massiv."
Die beiden größten Euro-Volkswirtschaften nach Deutschland bereiten auch der EU-Kommission vor allem wegen ihrer Exportschwäche Sorgen. In beiden Ländern seien die Löhne zu hoch und die Schuldenberge gewachsen, erklärte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn in Brüssel.
Von Deutschland forderte Rehn angesichts der Ungleichgewichte in Europa, den inländischen Konsum noch mehr zu fördern. "Deutschland sollte seine Binnennachfrage durch Strukturreformen stärken", sagte der EU-Kommissar.
Zukunft des Euro
Auch die WTO bescheinigt der deutschen Wirtschaft Robustheit. Dass der Welthandel weiter nur unterdurchschnittlich wachse, daran habe maßgeblich der wirtschaftliche Rückgang in Europa sowie insbesondere "die wiederkehrenden Perioden von Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft des Euro" Schuld.
"Dabei erweist sich Deutschlands Volkswirtschaft im Vergleich weiter als relativ widerstandsfähig", sagte WTO-Generaldirektor Pascal Lamy bei der Vorstellung des Welthandelsberichts. Nach nur zwei Prozent im Jahr 2012 könne für dieses Jahr jedoch wenigstens ein Plus von 3,3 Prozent für den Welthandel erwartet werden. Damit korrigierte die WTO jedoch frühere Prognosen von 4,5 Prozent erneut deutlich nach unten.
Zugleich liegen die Erwartungen für das Handelswachstum damit einmal mehr klar unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte von rund fünf Prozent.
ul/sc (dpa, rtr)