Deutscher übernimmt Leitung der EU-Staatsanwaltschaft
1. November 2026
Andrés Ritter hat die Leitung der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA, englische Abkürzung: EPPO) übernommen. Die siebenjährige Amtszeit des 1964 in Santiago de Chile geborenen Deutschen begann offiziell an diesem Sonntag, dem 1. November. Seine Nominierung zum Europäischen Generalstaatsanwalt war im Frühjahr von den EU-Mitgliedstaaten und dem Europaparlament gebilligt worden.
1995 nahm Ritter seine Arbeit als Staatsanwalt auf und wurde 2008 stellvertretender Generalstaatsanwalt des ostdeutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Anschließend leitete er verschiedene Staatsanwaltschaften, darunter von 2013 bis 2020 diejenige für Wirtschafts- und Cyberkriminalität in Rostock.
Anschließend wurde Ritter zum ersten europäischen Staatsanwalt aus Deutschland ernannt. In den vergangenen Jahren war er Stellvertreter der bisherigen Chefanklägerin Laura Kövesi aus Rumänien, die sieben Jahre lang an der Spitze der EU-Einrichtung stand.
Grenzüberschreitender Betrug im Visier
Die Europäische Staatsanwaltschaft in Luxemburg deckt Betrugsfälle zum Nachteil der finanziellen Interessen der Europäischen Union auf. Ihrem Jahresbericht zufolge arbeiteten EUStA-Ermittler Ende 2025 an einer Rekordzahl von 3602 aktiven Fällen mit einem geschätzten Gesamtschaden von gut 67 Milliarden Euro. Der Großteil ist auf Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug zurückzuführen.
Derzeit beteiligen sich 25 EU-Mitgliedstaaten an der Europäischen Staatsanwaltschaft - in alphabetischer Reihenfolge sind das: Belgien, Bulgarien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Slowakei, Slowenien, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn und Zypern.
wa/gri (dpa, consilium.europa.eu)