Deutscher Schauspieler Udo Kier ist mit 81 Jahren gestorben
24. November 2025
Udo Kier liebte Rollen, die ihm große Schauspielkunst abverlangten: Er verkörperte Hitler, Vampire, Monster, außergewöhnliche Typen. In weit mehr als 200 Filmen spielte der Mann mit dem kantigen Gesicht und den eisblauen Augen mit. Häufig übernahm er dabei Nebenrollen. Sein Repertoire reichte von Edeltrash-Produktionen über Arthouse-Filme bis hin zu Hollywood-Blockbustern.
Eine seiner besten Hauptrollen, für die er vielfach gelobt und ausgezeichnet wurde, spielte er 2021 in "Swan Song”. Zu sehen ist Udo Kier darin als Pat, ein schwuler Friseur, der sein Dasein im Pflegeheim fristet und für einen letzten wichtigen Auftrag noch mal richtig aufdreht.
Den dänischen Regisseur Lars von Trier und den deutschen Schauspieler Udo Kier verband eine enge Freundschaft. Von Trier hat Kier als Schauspieler maßgeblich geprägt. Zum ersten Mal arbeiteten sie 1988 für "Medea” zusammen. Später war Udo Kier an Lars von Triers Erfolgsproduktionen "Melancholia” (2011) oder "Nymphomaniac” (2013) beteiligt. Das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden war so eng, dass Kier die Drehbücher von seinem Freund von Trier irgendwann zugeschickt bekam und sich eine Rolle daraus aussuchen durfte. Dabei habe er immer gern Rollen gewählt, die Humor transportierten, so Kier 2014 gegenüber dem Magazin "Der Spiegel”.
Udo Kier: "I am a lucky man”
Dass Udo Kier, der mit bürgerlichem Namen Kierspe hieß, bei der Schauspielerei landete, ja überhaupt als Säugling überlebte, hatte viel mit Glück zu tun. Er selbst nannte sich gern einen "Lucky Man”. Geboren wurde er 1944, während der Kriegsjahre, in Köln. Kurz nach seiner Geburt wurden er und seine Mutter nach einem Bombenangriff unter Trümmern begraben - seine Mutter konnte sich und ihren Sohn aber befreien. Als Jugendlicher sollte er ins Kloster gehen, dort wäre er versorgt gewesen, hätte das Abitur machen können, so die Idee der Mutter. Doch sein Großvater protestierte: ”Guck dir den Jungen doch mal an. Den kannst du doch nicht wegsperren, wie der aussieht, mit den alten Männern da im Kloster", erinnerte sich Udo Kier 2022 in einem Interview mit der Zeitschrift "GQ”.
So machte er stattdessen eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann und arbeitete anschließend am Fließband beim Autobauer Ford. Mit dem Geld, das er dort verdiente, flog er nach London, lernte in einer Bar den Regisseur Luchino Visconti und den Schauspieler Helmut Berger kennen und knüpfte so erste Kontakte in die Welt der Superstars.
1966 hatte Udo Kier seinen ersten Filmauftritt in der britischen Kurzfilmkomödie "Road to St. Tropez”, in der er als attraktiver Verführer zu sehen ist. Weitaus bekannter wurde er in den frühen 1970ern durch "Andy Warhols Frankenstein” und "Dracula”.
Arbeiten mit Fassbinder und Schlingensief
In Deutschland arbeitete Udo Kier eng mit Rainer Werner Fassbinder zusammen, mit dem er auch befreundet war und in München eine Zeitlang zusammenlebte. Gemeinsam drehten sie unter anderem die Serie "Berlin Alexanderplatz" (1980) und den Kinofilm "Lili Marleen" (1981). Fassbinders plötzlicher Tod 1982 hat Udo Kier nach eigenen Angaben sehr mitgenommen.
In den 1980ern arbeitete Kier dann wiederholt mit Christoph Schlingensief zusammen. 1986 trat er in dessen "Egomania - Insel ohne Hoffnung" auf. 1996 entstand "United Trash”, in dem Kier einen schwulen UNO-General in Afrika spielt.
Der Durchbruch in den USA gelang Udo Kier 1991 mit "My Own Private Idaho", einem Film über das Leben der beiden Stricher Mike (River Phoenix) und Scott (Keanu Reeves). Auf dem Regiestuhl: Gus van Sant. Er selbst hatte sich gar nicht um eine Rolle in dem Film bemüht, sondern es war van Sant selbst, der in Berlin auf ihn zugekommen war. Er habe generell nie einem Regisseur gesagt, dass er mit ihm arbeiten wolle, erklärte Udo Kier einmal.
1998 stand Udo Kier für den Blockbuster "Blade” vor der Kamera, 2012 für "Iron Sky”, ein Low-Budget Trash-Film über Nazis auf der dunklen Seite des Mondes. Udo Kier ließ sich nicht in eine Schablone pressen. Bei seiner Filmauswahl legte er eine große Vielfalt an den Tag.
Freund von Künstlern und der Kunst
Seine Leidenschaft neben der Schauspielerei war die Kunst. In Köln ist er mit Sigmar Polke, Gerhard Richter und Rosemarie Trockel groß geworden. David Hockney, einer der gefragtesten lebenden Künstler, zählte zu seinen besten Freunden. Als einer von wenigen, so sagte er es gegenüber "GQ", kannte Udo Kier den anonymen Streetart-Künstler Banksy persönlich. Bei sich zuhause im kalifornischen Palm Springs versammelte er Werke von Joseph Beuys, Peter Lindbergh und Wolfgang Tillmans - einige mit der Widmung ”For Udo” - aber auch Zehn-Dollar-Gemälde, die ihm eben gefielen. Der Dokumentarfilm "Arteholic” (2014, Regie Hermann Vaske) setzte Kier als großem Kunstliebhaber ein filmisches Denkmal. Er zeigt ihn bei Begegnungen mit Kunstwerken und Künstlerinnen und Künstlern, darunter Rosemarie Trockel oder Jonathan Meese.
Udo Kier arbeitete bis ins zuletzt. So entstanden 2020 die Serie ”Hunters" mit Al Pacino und 2021 der Fantasy-Horror-Thriller ”The Blazing World"; im Jahr darauf drehte er mit seiner guten Freundin, der Regisseurin Nicolette Krebitz, für den Film "AEIOU - Das schnelle Alphabet der Liebe". Noch in diesem Jahr wirkte er in dem Thriller "The Secret Agent" von Kleber Mendonça Filho mit.
Jetzt ist Udo Kier im Alter von 81 Jahren im kalifornischen Palm Springs gestorben.