Deutscher Schlagerstar Heino wehrt sich gegen die AfD
14. Mai 2026
Heino ist in Deutschland mehr als nur ein Schlagerstar: Mit mehr als 55 Millionen verkaufter Schallplatten und CDs und 1.200 aufgenommenen Liedern ist der 87-Jährige ein Urgestein, eine Ikone im deutschen Musikgeschäft. Seine Hits landet er bis heute auch bei jungen Menschen. Er sang schon auf Heavy-Metal-Festivals und trat mit den Brachialmusikern von Rammstein auf.
Heinos Markenzeichen sind seine schwarze Sonnenbrille und sein makelloser blonder Seitenscheitel. Aber vor allem ist es seine Musik: Leichte Lieder von Liebe, Heimat und einer heilen deutschen Welt. Damit machte er Karriere. Ein Leben lang.
Gleichzeitig war er damit aber immer auch umstritten. Die Süddeutsche Zeitung schreibt am 22. Oktober 2005 über das Phänomen Heino: “Deutschland ist ein gespaltenes Land, auch in der Haltung zu Heino. Die einen lieben ihn, die anderen verachten ihn.“ Denn Heinz Georg Kramm, wie Heino mit bürgerlichem Namen heißt, war immer auch wegen seiner Liedauswahl umstritten.
Als er im Jahr 2018 der Heimatministerin von Nordrhein-Westfalen ein Album mit Liedern schenkte, die auch von der berüchtigten 'Schutzstaffel', SS, gesungen wurden, war die Aufregung in den Medien groß. Heino wehrte sich: "Die Lieder können doch nichts dafür, wenn sie instrumentalisiert sind“, zitiert ihn damals die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Im Jahr 1998 berichtete der Südwestrundfunk-Magazin 'Report Mainz', dass ein rechtsextremer Verlag eine Kassette mit von Heino aufgenommenen Liedern vertreibt, produziert von seiner Plattenfirma EMI-Electrola. Angesprochen darauf antwortet er dem Journalisten, dass er von dem Vertrieb durch den Verlag nichts gewusst habe.
"Deutschland, Deutschland über alles"
Besonders pikant war seine Aufnahme der deutschen Nationalhymne: ‘Das Lied der Deutschen‘. Er sang es in allen drei Strophen und brachte es 1977 als Schallplatte heraus. Pikant ist seine Aufnahme deswegen, weil die ersten beiden Strophen des traditionsreichen Liedes seit der Nazi-Herrschaft unter Adolf Hitler in Deutschland verpönt sind, wenn auch nicht verboten: "Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt", beginnt die erste Strophe.
Sie wurde von 1933 bis 1945 von den Nationalsozialisten als Hymne gesungen – gefolgt vom Horst-Wessel-Lied der sogenannten 'Sturmabteilung', SA, der Hitler-Partei NSDAP.
Nach dem Ende des Krieges war das Deutschlandlied deswegen auch in der amerikanischen Besatzungszone verboten. Und später fremdelte auch die deutsche Staatsführung mit dem Lied. Der erste Bundespräsident wollte lieber eine neue Hymne komponieren lassen, einigte sich dann aber mit Bundeskanzler Adenauer darauf, das Deutschlandlied beizubehalten, bei offiziellen Anlässen aber nur noch die dritte Strophe des Liedes zu singen: "Einigkeit und Recht und Freiheit...", heißt es da - der Text, der bis heute auch bei Fußballspielen oder Ehrungen gesungen wird.
Heino selbst erzählte in einem Zeitungsinterview mit der Frankfurter Rundschau im Jahr 2001, dass der damalige Bundeskanzler Willy Brandt ihm das Einsingen des Deutschlandliedes in allen seinen drei Strophen übel nahm: “Willy Brandt hat mit mir gebrochen.“
Aber trotz seiner umstrittenen Liedauswahl: politisch vereinnahmen lassen wollte Heino sich nie. Über rechtsextreme Fans aus dem Neo-Nazi oder Skinhead-Milieu sagte er einmal in einem Zeitungsinterview: "Ich hasse braune Glatzen". Braun, das war die Farbe der Parteiuniformen der Nationalsozialisten.
Und jetzt wehrt sich Heino vor Gericht gegen die Vereinnahmung durch einen Politiker derAlternative für Deutschland, AfD.
Der weitgehend unbekannte AfD-Politiker Felix Teichner aus Brandenburg hatte in sozialen Medien Wahlwerbung für seine Partei gemacht. Sein Post hatte die Aufschrift: "Am Sonntag würde Heino Felix wählen."
Dagegen ist Heino nun vorgegangen. Sein Manager ließ im Namen des Volksmusikers ausrichten: "Das ist eine Unverschämtheit, und das geht zu weit". Heino habe sich öffentlich bereits gegen die AfD ausgesprochen, und es sei inakzeptabel, von der Partei für Wahlkampfzwecke genutzt zu werden.
Schadet der Vorfall der AfD?
Der AfD-Politiker unterzeichnete daraufhin eine Unterlassungserklärung - das geht Heino aber nicht weit genug: er prüft eine Schadensersatzklage.
Der Fall sorgte in Deutschland für einige Schlagzeilen, vor allem auch, weil die AfD seit Monaten in den Umfragen immer mehr Zuspruch gewinnt. Der Politikwissenschaftler Niklas Ferch von der Justus-Liebig-Universität Gießen glaubt daher auch nicht, dass der aktuelle Skandal ernsthaft schaden wird. "In ihrem Kernklientel verliert die AfD nicht durch solche rechtlichen Niederlagen, sondern sie bedienen eher ihr klassisch-populistisches Narrativ der Elitenkritik", erläutert Ferch in einem Interview mit der DW.
Dass ein Politiker sich ungefragt mit dem Namen eines Popstars schmückt ist ungewöhnlich, die Nähe zwischen Pop und Politik dagegen nicht. "Pop und Politik sind zum Teil im selben Business unterwegs", erläutert Niklas Ferch: "In beiden Teilbereichen der Gesellschaft geht es um Macht - in der Politik genauso wie in der Unterhaltung, vor allem auf der Bühne."
Was den Fall Heino für den Politikwissenschaftler Ferch interessant macht ist, dass dessen Schlagermusik generell eher einen reaktionären Ruf hat: Schlager und die AfD bedienen beide häufig ein ähnliches Heimatbild, dass die guten alten Zeiten hochleben lässt. "Umso bemerkenswerter ist es, dass Heino juristisch gegen die AfD vorgegangen ist", findet Niklas Ferch.
Profitieren Stars von politischen Statements?
Wenn Stars gegen ihre Vereinnahmung vorgehen, kann das für ihr Image durchaus heikel sein. Schnell folgt bei Schadenersatzforderungen der Vorwurf, sie würden nur Geld machen wollen. Ein klares Statement, wie das von Heino gegen die AfD, sieht Niklas Ferch allerdings eher als ein ökonomisches Risiko für den Künstler: "Gerade die, die sich im Mainstream an alle Schichten der Gesellschaft richten, die gewinnen nicht, wenn sie sich politisch positionieren", erklärt der Politikwissenschaftler im DW-Interview. "Man verprellt potenziell Publikum, was man bis dato hatte. Das schlägt sich dann auch sicherlich in Verkaufszahlen nieder, was Konzertkarten oder das Streaming betrifft."
Auf seinem Instagram-Account bekam Heino die Wut einiger Fans auch schon ausgiebig zu spüren: "Zieh die Klage zurück", heißt es da. Oder: "Heino braucht wohl Geld". Der Künstler selbst geht auf die Diskussionen dabei auf Instagram nicht weiter ein.
(Anmerkung der Redaktion: Der Text wurde am 15.5.2026 um 11:00 Uhr überarbeitet.)