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Deutscher Einsatz

27. Januar 2010

Bis zu 4500 Soldatinnen und Soldaten können derzeit am Hindukusch stationiert werden. Ihre Aufgaben umfassen mehr als nur die militärische Absicherung der afghanischen Regierung. Sie sind Teil des zivilen Wiederaufbaus.

Rauch über der afghanischen Hauptstadt Kabul im Januar 2010 (Foto: AP)
Alltag im Januar 2010: Rauch über KabulBild: AP

Beim Afghanistan Einsatz der Bundeswehr denken die meisten an die militärischen Aspekte der ISAF-Mission. Dabei sind die Soldaten ausdrücklich auch damit beauftragt, den zivilen Wiederaufbau des Landes zu fördern und - wenn notwendig - zu sichern.

Aufbau der Polizei

Hartes Training in Faisabad unter den Augen deutscher PolizeiausbilderBild: AP

An erster Stelle des zivilen Engagements steht der Wiederaufbau der afghanischen Polizei. Die Bundesregierung finanzierte diese Neustrukturierung im Jahr 2009 mit 43,2 Millionen Euro. Besondere Bedeutung hat dabei die Polizeiakademie in Kabul erlangt. Dort trainieren deutsche Ausbilder zukünftige afghanische Polizisten, die nach den Vorstellungen der Regierung in Kabul demnächst im Land verteilt als Multiplikatoren auftreten sollen.

Gemeinsam mit EUPOL, der europäischen Polizeimission, und Kanada ist die Bundesrepublik außerdem am Bau eines Ausbildungszentrums der Grenzpolizei in Kabul beteiligt. Ferner werden bereits existierende Trainingszentren in Faisabad und Masar-i-Sharif ausgebaut. Insgesamt sind auf diese Weise bereits 45 Polizeistationen und rund 1000 Checkpoints im ganzen Land entstanden.

Die Polizisten werden nicht nur in polizeilichen Belangen ausgebildet. Sie sollen die Botschafter der neuen Zeit sein, die den Menschen die Regeln und Absichten des Staates näher bringen sollen. Dazu bedarf es Mentoren- und Beratungsprogrammen, die auch von den USA und anderen Partnerstaaten in Afghanistan unterstützt werden. Auf diese Weise sind bis Ende August 2009 rund 2800 einheimische Polizisten ausgebildet worden.

Polizei im Einsatz nach einem Anschlag in Kabul am 18. Januar 2010Bild: AP

Regionale Aufbauteams

Der zweite Schwerpunkt der zivilen Maßnahmen der Bundeswehr sind regionale Aufbauteams, von denen es unter dem Kommando ISAF derzeit 25 in Afghanistan gibt. Die Teams sind - wie es das Auswärtige Amt ausdrückt - als "krisenpräventive politische Instrumente" gedacht, die unter schwierigen Umständen den zivilen Wiederaufbau fördern sollen. Die Aufbauteams unterstützen den Wiederaufbau staatlicher und nicht-staatlicher Einrichtungen. Damit sollen Strukturen geschaffen werden, die einen "normalen" Alltag ermöglichen: Schulen, Straßen, öffentliche Einrichtungen oder Krankenhäuser.

Die Bundesrepublik leitet in Kundus und Faisabad seit 2003 ein solches Team. Seit 2008 stellt sie zudem ein dauerhaftes regionales Beraterteam in Taloqan. Ein deutsches regionales Aufbauteam besteht aus Diplomaten, Polizeiausbildern und Wiederaufbauhelfern und einer militärischen Absicherung.

Bildungspolitik

Anfangs in Zelten und unter freiem Himmel: die Tahey Maskan Schule wurde von deutschen Hilfskräften wieder aufgebautBild: AP

Neben dem Aufbau der Polizei und der Wiedererrichtung öffentlicher Einrichtungen engagiert sich die Bundesrepublik in der Bildungs- und Kulturpolitik des Landes. Ziel ist der Aufbau einer demokratischen afghanischen Zivilgesellschaft, die ihre Belange selbst regelt. Sichtbarster Erfolg der Bemühungen ist die Schülerzahl: Seit dem Sturz der Taliban hat sie sich verfünffacht. Zweidrittel der Jungen und die Hälfte aller Mädchen gehen regelmäßig zur Schule und haben schon allein aus diesem Grund eine bessere Lebensperspektive als die Kinder und Jugendlichen vor ihnen.

Das Auswärtige Amt unterstützt materiell und personell drei Schulen in Kabul und im Rahmen eines Partnerschulprogramms die Lehrerfortbildung in 17 weiteren staatlichen Schulen. Auf diese Weise wurden bisher 140 Lehrerinnen und Lehrer geschult und weiter gebildet.

Der akademische Wiederaufbau Afghanistans wird im Auftrag der Bundesregierung durch den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) organisiert. Lehrgänge in Akademien, Fortbildungen für afghanische Dozenten und die Entsendung von deutschen Dozenten nach Afghanistan sind die Maßnahmen, mit denen das durch Krieg und Taliban-Herrschaft zerstörte wissenschaftliche Leben in Afghanistan wieder aufgebaut werden soll. Dazu gehört auch die Neustrukturierung des Berufsschulwesens.

Wiederaufbau durch Kultur

Zerstörte Buddha-Figuren von Bamiyan - jetzt werden die Figuren restauriertBild: AP

Bei der Stärkung einer nationalen Identität kommt dem Erhalt und der Pflege afghanischer Kulturdenkmäler eine große Bedeutung zu. Die Bundesrepublik unterstützt dabei zum Beispiel die Ausgrabung und Instandsetzung der mogulzeitlichen Gartenanlage Bagh el Babur in Kabul und die Rettungs- und Sicherungsmaßnahmen der Buddhas von Bamiyan.

Aber das Kulturleben, das durch die Talibanherrschaft restlos zerstört worden war, soll auch durch eine Repräsentanz des Goethe-Institut befördert werden. Dort werden Sprachkurse, Kulturveranstaltungen oder Workshops angeboten und von einheimischen Interessierten gerne genutzt. Das Auswärtige Amt finanzierte außerdem einen Dokumentarfilm und eine Ausstellung über die afghanische Geschichte.

Während die staatlichen Maßnahmen vor allem auf Projekte setzen, die entweder im Rahmen der internationalen Partnerschaft oder mit der Regierung in Kabul abgestimmt sind, gehen private Initiative eigene Wege.

Private Hilfe für Afghanistan

Ausschnitt aus dem afghanischen Dokumentarfilm "Dream of Light" - dem Traum von flächendeckender StromversorgungBild: www.dok-leipzig.de

Als eine von zahlreichen Initiativen setzt die Deutsch-Afghanische Initiative DAI, die 2001 ins Leben gerufen wurde, auf Projekte des Wiederaufbaus und der Selbsthilfe. Die Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und finanzieren ihre Auslagen selbst. Die DAI will vor allem die schulische Bildung der Mädchen fördern. Sie hilft beim Auf- oder Umbau von Schulen und übernimmt Partnerschaften mit afghanischen Schülerinnen und Schülern.

Da die ländliche Infrastruktur schlecht ist und als Folge davon eine Landflucht eingesetzt hat, fördert die DAI die Dorfentwicklung und schafft neue Arbeitsplätze durch Solarenergie und Windkraft-Projekte.

In ihrem dritten Schwerpunkt befasst sich die Deutsch-Afghanische Initiative mit den Frauen des Landes. Sie sind von den Ereignissen der letzten 25 Jahre am schlimmsten betroffen. Deshalb werden Frauenprojekte gefördert und Frauenzentren geschaffen.

Die Liste der Projekte, die das staatliche Engagement der Bundesrepublik in Afghanistan ergänzen, ist lang. Sie reicht von einem pensionierten Bundeswehrarzt, der in Regensburg die "Kinderhilfe Afghanistan" ins Leben gerufen hat, über ein Bonner Afghanistan-Informationszentrum, das PC-Räume oder Schulbibliotheken einrichtet, bis zu ehemaligen Bundeswehrsoldaten, die sich nach ihrer Dienstzeit in Afghanistan engagieren.

Autor: Matthias von Hellfeld

Redaktion: Nicole Scherschun

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