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Deutsches Gold unter US-Kontrolle - ein Problem?

5. Februar 2026

Könnte US-Präsident Trump aus politischen Gründen auf deutsche Goldreserven in den USA zugreifen? Oder könnte ein Verkauf den deutschen Haushalt sanieren? Fragen und Antworten zu den Reserven Deutschlands in New York.

Deutschland München 2026 | Silberbarren in einem Schließfach einer Edelmetallhandlung
Gold- und Silber stapelt sich weltweit in den Tresoren der Zentralbanken: Die Barren sind nicht nur Stabilitätsanker, sie wecken auch BegehrlichkeitenBild: Angelika Warmuth/REUTERS

In den Kellern der amerikanischen Notenbank Fedin New York lagern tonnenweise deutsche Goldreserven. Ist dieses Vermögen sicher vor dem Zugriff der US-Regierung unter Präsident Donald Trump? Fragen und Antworten zur Debatte über eine mögliche Rückholung der Barren nach Deutschland.

Wem gehören die deutschen Goldreserven?

Die Goldreserven sind Eigentum der Deutschen Bundesbank. Sie dienen dem Erhalt der Geldwertstabilität. Zwar kann der Deutsche Bundestag über "die Zukunft der Reserven und deren Sicherstellung beraten", wie mehrere Politiker fordern, aber die endgültige Entscheidung über die Lagerung von Reserven liegt bei der Bundesbank.

Wo lagern die deutschen Goldreserven?

Mit rund 6000 Tonnen ist die Tresoranlage bei der amerikanischen Zentralbank (Fed) in New York die größte Lagerstätte für staatliches Gold auf der Welt. Die deutschen Goldreserven belaufen sich nach Angaben der Deutschen Bundesbank auf insgesamt 3350 Tonnen (siehe Grafik).

Davon lagern 1236 Tonnen (37 Prozent) mit einem Wert von rund 160 Milliarden Euro bei der Fed in New York. Bei der Bank of Englandin London lagern weitere 13 Prozent, der Rest bei der Bundesbank in Frankfurt (50 Prozent).

Warum liegt so viel Gold aus Deutschland in den USA?

Die Bestände stammen noch aus der Zeit des 1944 gegründeten Weltwährungssystems von Bretton Woods. Das von den USA gegründete Finanzsystem sah ein festes Tauschverhältnis aller Währungen zum US-Dollar vor. Deutschland trat dem System 1952 bei.

Während des sogenannten Wirtschaftswunders in den 50er und 60er Jahren wurden deutsche Exportüberschüsse von Dollar gegen Gold eingetauscht. Das Gold wurde der Einfachheit halber und aus Kostengründen vor Ort eingelagert.

Außerdem spielten während der Zeit des Kalten Krieges auch sicherheitspolitische Überlegungen eine Rolle: Gold sollte an einem weit von der Sowjetunion entfernten Ort aufbewahrt werden.

Ist die Lagerung von Goldreserven im Ausland riskant?

Eine Lagerung kann mit Risiken verbunden sein. Als Beispiel dafür, dass im Ernstfall nur Gold im eigenen Tresor verfügbar ist, gilt Venezuela.

So verweigerte die Bank of England 2018 der Regierung in Caracas den Zugriff auf die in London gelagerten Goldreserven. Als Gründe wurden die Finanzsanktionen gegen das Regime von Präsident Maduro angeführt.

Sanktionen gegen Maduro: 2018 blockierte die Bank of England den Zugriff auf die Goldreserven des LandesBild: Venezuelan Presidency/AFP

Außerdem war für die Bank of England unklar, wer im Fall Venezuelas weisungsberechtig war. Denn Ende Januar 2019 hatte die britische Regierung - im Gleichklang mit den USA und Teilen der EU - den damaligen Oppositionspolitiker Juan Guaidó als "Interimspräsidenten" Venezuelas anerkannt und Maduro die Anerkennung als legitimes Staatsoberhaupt entzogen.

Besteht für deutsche Goldreserven in den USA ein Risiko?

In dieser Frage sind Experten gespalten. Viele plädieren für eine Rückholungder Goldreserven und begründen dies mit einem Vertrauensverlust in die US-Regierung. 

Für den Kapitalmarktstrategen Stefan Riße von der Investmentgesellschaft Acatis ist es denkbar, dass Trump sagen könnte "ihr habt zu wenig in Verteidigung investiert", erklärt er gegenüber der DW. "Er könnte sagen, ihr habt eine offene Rechnung bei uns, und die stellen wir jetzt mal."

Auch für den Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, sind "die USA derzeit kein verlässlicher Partner der EU". Abhängigkeiten gegenüber den USA müssten vor diesem Hintergrund neu bewertet werden.

Sind die deutschen Goldreserven in den USA sicher vor Trump?

02:35

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Andere wiederum halten dies für übertrieben. "Egal, wem das Gold gehört, wenn die USA auf einmal dem Eigentümer das Gold wegnähmen, dann wäre der Goldhandelsplatz New York verloren", erklärte der ehemalige Vorstand der Deutschen Bundesbank, Johannes Beermann, gegenüber der DW.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht ebenfalls keine Risiken. In einem Interview mit der deutschen Tageszeitung FAZ erklärte er: "Ich zweifle nicht daran, dass unser Gold bei der Fed in New York weiterhin sicher aufbewahrt ist. Das sind Währungsreserven mit besonderem Schutzstatus."

Wurden deutsche Goldreserven bereits zuvor aus dem Ausland zurückgeholt?

Ja. Auslöser dafür waren die Weltfinanzkrise 2008 und die Eurokrise 2010. Zwischen 2013 und 2017 verlagerte die Bundesbank rund 300 Tonnen aus den USA und 374 Tonnen aus Frankreich nach Frankfurt.

Haben auch andere Länder ihre Reserven aus den USA abgezogen?

Ja. Mit dem Argument, im Krisenfall schnell über die Goldreserven verfügen zu können, zog die niederländische Zentralbank 2014 rund 122 Tonnen aus New York ab. Österreich und Belgien überprüften ihre Lagerstrategie. Ungarn und Polen stockten ab 2018 ihre eigenen Bestände auf und brachten deshalb ihre Reserven wieder ins Inland.

Erst Gold, dann Geld: Seit dem Einmarsch in der Ukraine verkauft Russland kontinuierlich ReservenBild: Tass Belousov Vitaly/dpa/picture-alliance

Könnten Goldreserven zur Haushaltssanierung beitragen?

Obwohl die Hürden für eine solche Nutzung hoch sind, ist dieser Trend bereits in vollem Gang. Russland hat nach Berichten einheimischer Medienden Verkauf von Reserven zur Finanzierung seines Staatshaushaltes genutzt. So seien die Goldbestände des Nationalen Wohlstandsfonds (NWF) wegen der extrem hohen Kosten zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine seit 2022 von 405,7 auf 173,1 Tonnen gesunken. 

Nach Angaben der Plattform Goldreporter nutzen auch die Türkei, Usbekistan und Kasachstan ihre Goldreserven regelmäßig zur Liquiditätsbeschaffung.

Und in Italien argumentiert die Regierungspartei Fratelli d'Italia ("Brüder Italiens"), die Reserven sollten als öffentliches Eigentum deklariert werden.

Experten sehen in einer solcher Definition die Gefahr, dass künftige Regierungen auf diesem Wege Goldreserven einfacher zur Schuldentilgung oder Haushaltsfinanzierung einsetzen könnten. Dieser politische Zugriff könnte das Vertrauen von internationalen Investoren erschüttern.

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