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Flagge zeigen am Kap

17. April 2009

Trotz hoher Kriminalität und einer schwankenden Währung ist Südafrika ein begehrter Investitionsstandort für deutsche Unternehmen. Auch ein norddeutsches Traditionshaus will sein Glück am Kap versuchen - mit Fahnen.

Fahne
FahnenFleck produziert die Flaggen vieler NationenBild: AP

Eine Fabrikhalle im modernen Industriepark direkt am Flughafen von Kapstadt: Während draußen Bagger und schwere Maschinen lärmen, um den Flughafen-Ausbau für die WM 2010 voranzutreiben, sind es hier Nähmaschinen, die den Geräuschpegel in die Höhe treiben. Hier lässt ein deutsches Unternehmen Fahnen herstellen.

Flagge zeigen in Südafrika

FahnenFleck ist ein norddeutsches Traditionshaus, das inzwischen in vierter Generation als Familienbetrieb geführt wird. Seit 1882 rüsten die Flecks Regierungen, Firmen und multi-nationale Organisationen mit repräsentativen Flaggen und Emblemen aus. Unter den FahnenFleck-Kunden sind so schillernde und kontroverse Figuren wie Liberias früher Präsident William Tubman und Libyens Revolutionsführer Gaddafi. Länder wie Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate vertrauen die Herstellung ihrer Nationalflaggen FahnenFleck ebenso an wie Shell, Unilever oder McDonald’s die Bereitstellung repräsentativer Firmenlogos. Und wenn die Vereinten Nationen am Hudson River die Flaggen hissen, dann stammen diese ebenfalls aus der Produktion von FahnenFleck.

Produkte aus Übersee sind in Südafrika beliebt

Die Fußball-WM als große Chance für den FahnenherstellerBild: AP

2010 steht die erste Fußballweltmeisterschaft auf afrikanischem Boden bevor. Und solch ein riesiges Sportevent hat naturgemäß einen gewaltigen Bedarf an Fahnen, Emblemen, Stickern und Aufnähern aller Art. Deswegen ist es ganz normal, dass auch FahnenFleck in Südafrika vertreten ist. Noch unterhält das Unternehmen nur eine Joint Venture-Beteiligung, doch ab dem Sommer will das deutsche Unternehmen eine eigene Produktionsstätte am Kap eröffnen. Auch der südafrikanische Kunde sei mittlerweile qualitätsbewusster und kaufe gern Produkte aus Übersee ein, sagt Geschäftsführer Jörgen Vogt. "Ist man dann mit eigener Produktion vor Ort, hat man einen immensen Wettbewerbsvorteil." Außerdem sei man so viel schneller.

Begehrter Status: Black Empowerment-Unternehmen

Als der promovierte Jurist 2006 während der WM in Deutschland Kontakte zu Südafrikanern knüpfte, war bei der Suche nach einem Partner vor Ort neben guter Vernetzung in Politik und Wirtschaft vor allem eines wichtig: der Status als sogenanntes "Black Empowerment-Unternehmen", kurz BEE. Die BEE-Initiative der Regierung, die von Kritikern auch als "umgekehrte Apartheid" denunziert wird, sieht vor, dass Arbeitsplätze und Aufträge der öffentlichen Hand zuerst an schwarze Südafrikaner gehen. FahnenFleck hatte Glück, der Partner erfüllte die Kriterien: Er hat die politisch korrekte Hautfarbe und ist als ehemaliger Bürgermeister und Minister-Kandidat gut vernetzt. FahnenFleck verfügt somit über den heiß begehrten BEE-Status. "Wir sind die einzige Flaggenfirma in Südafrika, die ein BEE-Unternehmen ist und haben dadurch einen immensen Vorteil. Gerade auch im Hinblick auf die FIFA-WM und auf andere öffentliche Aufträge", sagt Vogt.

Qualitätskontrolle vor Ort

Der Stolz der Nation

FahnenFleck hat einen klassischen Nischenmarkt erobert. Die Flagge der "Regenbogennation" Südafrika ist nach dem Banner der USA und einiger weniger anderer Länder diejenige mit dem größten Wiedererkennungswert. Im Rahmen des von der Regierung heftig propagierten "Nation building", also dem Zusammenwachsen der unter der Apartheid getrennten Bevölkerungsgruppen, nimmt die Fahne zudem eine zentrale Stellung ein. Auf jedem südafrikanischen Produkt klebt sie mit dem Slogan "Proudly South African". Der nationale Fahnenhersteller liefert aber nur mindere Qualität, internationale Mitbewerber dafür Stoffe aus dem Giftschrank: Bei der WM in Deutschland 2006 klagten Tausende Fans über Hautausschläge im Halsbereich. Die in China produzierten Fanschals und Fan-Fahnen waren mit giftigen Substanzen versehen. Ein Mustermarkt also für einen deutschen Mittelständler - sollte man denken. Doch Jörgen Vogt weiß natürlich auch um die wirtschaftlichen und politischen Risikofaktoren am Standort Südafrika. Zum einen habe man nicht die direkte Qualitätskontrolle. Zum anderen stelle der ständig schwankende Wechselkurs, der von politischen Veränderungen abhängig sei, ein großes Risiko dar. "Man weiß nie, wie sich das nach den Wahlen und mit der Wirtschaftskrise entwickeln wird, dann haben wir natürlich sehr schlechte Karten."

Spätestens im August wird FahnenFleck die ersten eigenen Produktionsmittel ans Kap verlegen. Bis dahin gilt es, im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2010 weitere Kunden zu gewinnen. Einen ganz dicken Fisch hat Fahnenfleck dabei mit dem Ministerium für Sport und Kultur mit seinem enormen Bedarf an Flaggen und Emblemen an der Angel.

Autor: Ludger Schadomsky, Redaktion: Michaela Paul/chr

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