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KriminalitätDeutschland

War Brand bei Deutscher Bahn ein linksextremer Anschlag?

12. Juli 2026

Der Bahnverkehr im Westen Deutschlands wurde am Freitag und Samstag erheblich ausgebremst: Ein Kabelschacht an einer Hauptstrecke stand in Flammen. Hitze oder die Technik waren wohl nicht die Ursache.

Deutschland Leverkusen 2026 | Drei leere Gleise auf offener Strecke (10.07.2026)
Am Freitag und Samstag gesperrte Hauptstrecke Düsseldorf-KölnBild: Sascha Thelen/dpa/picture alliance

Freitagvormittag an der Bahnstrecke zwischen den Metropolen Köln und Düsseldorf: An zwei Abschnitten zwischen Langenfeld und Leverkusen steht die Böschung in Flammen. Die Feuerwehr rückt an und kann die Brände löschen.

Der Schaden ist dennoch immens. Denn nach Angaben der Deutschen Bahn zerstörten die Flammen mehrere Signalkabel, sodass auf dem Streckenabschnitt keine Züge mehr fahren konnten.

Nach umfangreichen Reparaturen rollt der Zugverkehr mittlerweile wieder. Aber die Indizien verdichten sich, dass weder die Hitze in Deutschland noch ein technischer Defekt die Böschungsbrände ausgelöst haben. Ermittler vermuten, dass ein Sabotageakt die wichtige Bahnstrecke im westdeutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen lahmgelegt hat.

Bekennerschreiben im Internet

Auf der linken Plattform indymedia.org tauchte ein mutmaßliches Bekennerschreiben auf. Das Schreiben wurde namens eines "Kommandos Angry Birds" veröffentlicht. Diese linksextreme Gruppe wurde bereits mehrfach mit Anschlägen auf Bahnstrecken in Verbindung gebracht.

In der Internetbotschaft prahlt die Gruppe damit, dass sie "für die Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen" verantwortlich sei. Es seien Brandsätze in einem großen Kabelschacht an einer Brücke und in einem schmaleren Schacht deponiert worden. Die Gruppe begründet den Anschlag mit einem "Massensterben" durch die "technologische Eskalation", das aufgehalten werden müsse.

Polizeiliche Ermittlungen an Streckenabschnitt bei Leverkusen (am Freitag)Bild: Sascha Thelen/dpa/picture alliance

In Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass das Schreiben echt ist, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Dass ein technischer Defekt den Böschungsbrand an der Bahnstrecke auslösen konnte, gelte als wenig wahrscheinlich. Der Staatsschutz der Kölner Polizei hatte bereits am Freitag die Ermittlungen übernommen, da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte.

Landesinnenminister: "Diese Menschen wollen Chaos"

"Solche Taten sind kein Protest, sondern gezielte Sabotage", sagte der nordrhein-westfälische Landesinnenminister Herbert Reul zu dem erneuten Brandanschlag. Das treffe den Alltag vieler Menschen und nehme "Kollateralschäden" billigend in Kauf.

Landesinnenminister Reul: "Das akzeptieren wir nicht"Bild: Fabian Strauch/dpa/picture alliance

"Diese Chaoten berufen sich darauf, eine Welt herzustellen, in der es Pflanzen, Tieren und Menschen besser gehe. Und dann verüben sie einen Brandanschlag, ausgerechnet jetzt, wo überall Trockenheit herrscht", sagte Reul. "Allein daran sieht man: Diese Menschen wollen keine bessere Welt. Diese Menschen wollen Chaos. Sie zielen darauf ab, Politik durch Gewalt zu ersetzen", empört sich der Landesinnenminister. "Das akzeptieren wir nicht."

Mehrere Anschläge durch "Angry Birds"

Die linksextremistische Gruppe "Kommando Angry Birds" hatte vor etwa einem Jahr ebenfalls einen Anschlag auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg für sich reklamiert. Auch dort waren im Juli 2025 Brandsätze gezündet worden. Tagelang war die wichtige Verbindung gesperrt.

Anfang Januar dieses Jahres hatte die Gruppe sich zudem auf einen versuchten Angriff auf ein Umspannwerk in Erkrath bei Düsseldorf bekannt. Der Anschlag schlug fehl.

Bereits vor einem Jahr machte Landesinnenminister Reul die Gruppe für weitere Sabotageakte verantwortlich. So seien Anschläge auf Telekommunikationsmasten in dem Ort Langenfeld/Erkrath und ein Tunnelbrand an der Autobahn 46 auf das Konto der Gruppe gegangen. Die Ermittlungen würden mit hohem Aufwand geführt, seien aber nicht ganz einfach, weil es sich nicht um eine fest gefügte Gruppe handele.

Mutmaßlich stecken Linksextremisten auch hinter dem Anschlag in Ostdeutschland auf das Berliner Stromnetz im Januar. Dabei fiel nach einem Brand in einer Kabelbrücke tagelang die Versorgung mit elektrischer Energie im Bezirk Steglitz-Zehlendorf aus.

Rund 100.000 Menschen saßen mitten im Winter im Südwesten der deutschen Hauptstadt ohne Heizung und Licht in ihren Wohnungen. Es war der längste Stromausfall in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg.

AR/se (dpa, afp)

Redaktionsschluss: 17.45 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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