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PolitikEuropa

Kampfjetprojekt FCAS steht offenbar vor dem Scheitern

18. April 2026

Europa will im Rüstungsbereich unabhängiger von den USA werden. Doch ein geplantes Projekt steht nun möglicherweise vor dem Aus. Grund ist andauerndes europäisches Gezänk.

Frankreich Paris 2025 | Modell des FCAS-Kampfflugzeugs auf der Paris Air Show (18.06.2025)
Modell des FCAS-Kampfflugzeugs auf der Paris Air Show (im Juni): Milliardenschweres ProjektBild: VDWI Aviation/Visually/picture alliance

Das geplante deutsch-französische Luftkampfsystem FCAS steht seit Monaten auf der Kippe - jetzt ist laut einem Zeitungsbericht auch ein letzter Vermittlungsversuch mit der Rüstungsindustrie gescheitert. Die Mediatoren hätten keine Einigkeit erzielt, meldet das "Handelsblatt" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Kreise.

Nach Auffassung der deutschen Vertreter bei dem Vermittlungsversuch habe man ⁠sich ⁠nicht auf ein gemeinsames Kampfflugzeug verständigen können, sagte ein Insider auch der Nachrichtenagentur Reuters. Es soll demnach zwei verschiedene Ergebnisberichte geben.

Die Abkürzung FCAS steht für "Future Combat Air System". Zu diesem Luftkampfsystem der Zukunft sollten bisherigen Planungen zufolge neben einem gemeinsamen Kampfjet auch Drohnen und neue Kommunikationssysteme gehören. Es sollte ab den 2040er-Jahren einsatzfähig sein. Ein Führungsstreit zwischen den beteiligten Konzernen Dassault und Airbus verzögert das Projekt seit Monaten.

Merz stellte Projekt bereits infrage

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hatte das 100-Milliarden-Euro-Projekt, an dem auch Spanien beteiligt ist, im Februar erstmals offen infrage gestellt. Dabei verwies er auf die unterschiedlichen Anforderungen an einen Kampfjet der neuen Generation. Zuletzt mehrten sich in Deutschland und Frankreich die Stimmen, die die Entwicklung zweier verschiedener Kampfjets fordern und die Zusammenarbeit auf Drohnen und weitere Komponenten beschränken wollen.

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Im Streit um die Führungsrolle bei dem Projekt beauftragten beide Seiten Ende März laut Medienberichten den früheren Chef des Panzerbauers KMW, Frank Haun, und den ehemaligen französischen Rüstungsmanager Laurent Collet-Billon, noch einen Lösungsversuch zu unternehmen.

Drohung mit RN-Wahlsieg?

Die französische Seite soll dabei erneut mit einem Wahlsieg des Rassemblement National bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gedroht haben, berichtet das "Handelsblatt". Die französischen Rechtspopulisten haben angekündigt, kooperative Rüstungsprogramme zu beenden, falls sie an die Macht kommen sollten. Auch soll Frankreich erneut mit einem Aus des gemeinsamen Panzerprojekts MGCS gedroht haben, falls FCAS nicht fortgeführt wird.

Airbus lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Dassault und das Präsidialamt in Paris reagierten zunächst nicht auf entsprechende Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters.

Kanzler Merz bei FAZ-Veranstaltung (27.03.2026): "Ich habe mit Macron wirklich die Karten gelegt"Bild: Hannes P. Albert/dpa/picture alliance

Noch am Wochenende wolle sich Kanzler Merz über das Ergebnis der Vermittlung unterrichten lassen und bis Dienstag entscheiden, melden Reuters und das "Handelsblatt". Am Donnerstag und Freitag kommender Woche wird er den französischen Präsidenten Emmanuel Macron beim informellen Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Zypern treffen.

Ende März hatte der Bundeskanzler noch gesagt, er wolle "alles" unternehmen, um das milliardenschwere Luftkampfsystem noch auf den Weg zu bringen. Er habe sich mit Macron "wirklich die Karten gelegt und gesagt, wir wollen versuchen, es zu retten", so Merz auf einer Veranstaltung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

CDU/CSU fordern Entscheidung

"Jetzt muss die Hängepartie endlich enden", sagte der für die Luftwaffe zuständige Berichterstatter der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Mayer-Lay (CDU), dem "Handelsblatt". Durch die Mediation sei nun alles versucht worden. Wenn diese - wie zu erwarten sei - zu keinem positiven Ergebnis komme, sei das Projekt FCAS in dieser Form am Ende.

CDU-Abgeordneter Mayer-Lay (Archivbild): "Hängepartie muss endlich enden"Bild: Matthias Wehnert/Future Image/IMAGO

"Es muss dann zügig in Richtung Zwei-Fighter-Lösung eingegleist werden", forderte Mayer-Lay. Das bedeutet, dass Deutschland und Frankreich getrennt jeweils ein eigenes Kampfflugzeug entwickeln.

AR/jj (afp, rtr)

Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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