1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

FCAS: Scheitert das deutsch-französische Kampfjet-Projekt?

Arthur Sullivan
Veröffentlicht 24. Februar 2026Zuletzt aktualisiert 25. Februar 2026

Berichten zufolge steht das deutsch-französische Luftverteidigungsprojekt FCAS kurz vor dem Scheitern. Michael Schoellhorn, CEO von Airbus Defence, erklärt der DW exklusiv, warum das Projekt umstrukturiert werden muss.

Ein futuristisch anmutendes Modell des Kampfjets der nächsten Generation beim Pariser Luftfahrtsalon in Le Bourget, 2023
In etwa so könnte das neue Kampfflugzeug aussehen, wenn es denn gebaut würdeBild: Geoffroy Van der Hasselt/AFP/Getty Images

Michael Schoellhorn, CEO von Airbus Defence and Space, bestätigt in einem Exklusivinterview mit der DW Presseberichte, nach denen es Schwierigkeiten zwischen seinem Unternehmen und dem französischen Partner Dassault Aviation gebe.

"Ja, es gibt ein Problem mit dem bemannten Kampfflugzeug zwischen zwei Unternehmen", sagte er uns. "Meins ist eines davon. Es besteht die Gefahr, dass es bei solchen großen europäischen Projekten mehr als nur politischen Willen braucht. Es bedarf der industriellen Abstimmung aller beteiligten Akteure."

In den letzten Wochen gab es mehrere Berichte, wonach das 100 Milliarden Euro teure Luftverteidigungssystemprojekt FCAS (Future Combat Air System) kurz vor dem Scheitern steht, unter anderem weil der französische Partner Dassault Aviation darauf beharrt, die Kontrolle über den Kampfjet-Teil des Projekts zu behalten.

Was ist FCAS?

FCAS wurde 2017 von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der damaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Leben gerufen, Spanien stieß später hinzu. Das Projekt ist jedoch aufgrund von internen Streitigkeiten ins Stocken geraten. Es wird spekuliert, dass es entweder grundlegend umstrukturiert oder komplett eingestellt wird.

Der ursprüngliche Plan sah einen Kampfjet vor, der nahtlos mit Drohnen, Cloud-Technologie und diversen Waffensystemen zusammenarbeiten sollte. Dassault übernahm die Federführung bei der Entwicklung des Jets, während Airbus' deutsche Verteidigungssparte an den anderen Komponenten arbeitete. Die beiden Unternehmen streiten sich jedoch über die Spezifikationen des Jets, seine Entwicklung und mögliche Zulieferer.

Airbus-Manager Michael Schoellhorn ist überzeugt: "Es wird ein FCAS geben!"Bild: Marek Neumann-Schönwette/DW

Auf die Frage, ob FCAS zu scheitern werde, sagte Schoellhorn: "Es wird ein FCAS geben. Allerdings wird es in einigen Bereichen des Projekts eine Umstrukturierung geben müssen." Er wies darauf hin, dass das Projekt zu einer Zeit konzipiert wurde, als die geopolitischen Realitäten grundsätzlich anders waren.

Die veränderte Sicherheitslage habe zum aktuellen Aufschwung des Verteidigungssektors und dann zu einem Auftragsboom bei den europäischen Rüstungskonzernen geführt. "Wir leben heute in einer völlig anderen Welt, und Geschwindigkeit ist entscheidend. Die Zeiten, in denen man etwas mit langen Anforderungslisten, die erst 15 oder 20 Jahre später umgesetzt wurden, sehr präzise definieren konnte, sind vorbei. Die Geschwindigkeit des Wandels ist so rasant, dass wir auch unsere Entwicklungsmethoden anpassen müssen. Daher ist eine Umstrukturierung des FCAS ohnehin notwendig."

Die deutsche Position

In der vergangenen Woche hatte Bundeskanzler Friedrich Merz angedeutet, dass das FCAS-Projekt zum Bau eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation für Europa auf Eis gelegt werden könnte. Das derzeit geplante Flugzeug sei besser für die Bedürfnisse der französischen Armee als für die der Bundeswehr geeignet, so der Kanzler. "Die Franzosen brauchen in der nächsten Generation von Kampfflugzeugen ein atomwaffenfähiges Flugzeug; wir brauchen das in der Bundeswehr momentan nicht", sagte er im deutschen Podcast Machtwechsel.

"Frankreich", so Merz, "will nur ein einziges Flugzeug bauen und es praktisch an die französischen Anforderungen anpassen. Aber das ist nicht das, was wir brauchen. Deshalb handelt es sich nicht um einen politischen Streit, sondern um ein echtes Problem mit dem Anforderungsprofil. Wenn wir das nicht lösen können, können wir das Projekt nicht weiterführen."

Der Partner auf französischer Seite ist der Dassault-KonzernBild: Nicolas Maeterlinck/BELGA/dpa/picture alliance

Dieser pessimistische Tonfall spiegelt die Aussagen französischer Seite in den letzten Wochen wider. Einem Bericht von Politico zufolge sagten französische Beamte, eine offizielle Einstellung des Projekts sei wahrscheinlicher als ein Neustart. Ein namentlich nicht genannter französischer Abgeordneter wurde mit den Worten zitiert: "FCAS ist tot. Jeder weiß es, aber niemand will es aussprechen."

Benjamin Haddad, Frankreichs Staatssekretär für Europaangelegenheiten, erklärte gegenüber der DW auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor wenigen Wochen, die französische Regierung stehe weiterhin zu dem Projekt. "Wir unterstützen FCAS", sagte er. "Und seien wir ehrlich: Es stimmt, dass ambitionierte Vorhaben schwierig sind. Man muss Regierungen, Industrien und Unternehmen zusammenbringen, die bisher nicht an eine Zusammenarbeit gewöhnt waren, um Europa den Kampfjet der Zukunft zu liefern."

Er sagte, die französische und die deutsche Regierung arbeiteten noch an den nächsten Schritten. "Mit Dassault und Airbus haben wir zwei exzellente, sehr innovative Unternehmen, und ich bin zuversichtlich, dass wir die verschiedenen Akteure an einen Tisch bringen, das Projekt weiter vorantreiben und umsetzen können."

Der Eurofighter Typhoon gilt als gelungenes Beispiel europäischer RüstungskooperationBild: dts-Agentur/picture alliance

Airbus-Chef Schoellhorn begründet das Überleben des Projekts damit, dass es nicht auf einen einzigen Kampfjet beschränkt sein müsse und eine Umstrukturierung es retten und möglicherweise sogar stärken könne.

Er verweist auf Beispiele erfolgreicher europaweiter Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich, insbesondere auf die erfolgreiche Kooperation zwischen Airbus, dem britischen Unternehmen BAE Systems und dem italienischen Hersteller Leonardo beim Eurofighter Typhoon. "Im FCAS tun wir uns meiner Meinung nach noch schwer mit der Zusammenarbeit", sagte er. "Aber wenn wir davon ausgehen, dass wir am Ende zwei Kampfjets in einem größeren Projekt mit all diesen anderen Ressourcen und Mitteln entwickeln, dann wäre das nicht die einzige Möglichkeit."

Was FCAS können soll

Der Fokus bei FCAS lag bisher vor allem auf der Idee eines gemeinsamen Kampfflugzeugs von Frankreich und Deutschland - einer sogenannten sechsten Generation, die fortschrittlicher sein soll als die derzeit im Einsatz befindlichen und in Entwicklung befindlichen Flugzeuge der fünften Generation.

Könnte schwierig werden: Macron und Merz verstehen sich nämlich - auch von FCAS abgesehen - nicht so gutBild: Monasse Thierry/ANDBZ/abaca/picture alliance

Schoellhorn ist jedoch überzeugt, dass das Projekt von Anfang an ein breiteres Spektrum an Kooperationsmöglichkeiten bot, das noch immer realisiert werden kann. "FCAS ist viel mehr als ein Kampfflugzeug", sagte er. "Im Kern ist es eine Gefechtswolke. Es umfasst unbemannte Systeme, Sensoren und Simulationsfähigkeiten. Der Großteil davon funktioniert hervorragend."

Deutschland hat bereits offen über eine mögliche Reduzierung des Projekts diskutiert. Die jüngsten Gespräche zwischen den beiden Ländern konzentrierten sich darauf, die Kampfflugzeugkomponente wegzulassen und sich stattdessen auf ein Führungs- und Kontrollsystem, die sogenannte "Gefechtswolke", zu fokussieren. Diese Diskussionen finden vor dem Hintergrund massiver Verteidigungsausgaben europäischer Regierungen nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine vor inzwischen vier Jahren statt.

Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert.

Ukraine: Kreativer Überlebenswille in Kyjiw

02:58

This browser does not support the video element.

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen