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Gasvorräte in Deutschland: Reicht die Energie?

Dirk Kaufmann
4. Februar 2026

Deutschlands Gasreserven sind im Februar 2026 auf einem historischen Tiefstand von rund 32 Prozent gefallen. Reichen die Vorräte bei anhaltender Kälte aus?

Eine beeindruckende Batterie von Gasleitungen im Astora-Gasspeicher im niedersächsischen Rehden
Der Astora-Gasspeicher im niedersächsischen Rehden gehört zur deutschen Speicher-InfrastrukturBild: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Das Nachrichtenmagazin Focus berichtete am 1. Februar: "Kältewelle frisst unsere Gasreserven". Der Sender ntv wurde schon zwei Tage vorher konkreter: "Deutsche Gasvorräte reichen theoretisch noch für rund sechs Wochen", und warnte: "Spielraum für zusätzliche Belastungen gibt es kaum."

Der Blick auf die Gasvorräte ist eine Folge des Überfalls Russlands auf die Ukraine. 2022 beschloss die Bundesregierung, kein Öl und Gas mehr von Russland kaufen zu wollen. Da herrschte die Sorge: Können wir unseren Energiehunger ohne russisches Gas stillen? Im Jahr darauf war klar: Ja, wir können.

Das lag auch an der Diversifizierung der Importquellen. Gas aus Russland wurde größtenteils ersetzt durch Einfuhren unter anderem aus den USA und aus Norwegen. Gleichzeitig wurden die Importwege angepasst. So wird vermehrt Flüssiggas (LNG) auf dem Seeweg eingeführt. Die dafür nötigen Terminals wurden in rekordverdächtig kurzer Zeit geplant, genehmigt und in Betrieb genommen.

"Unter normalen Bedingungen"

Der aktuelle Winter ist in Deutschland so streng wie seit vielen Jahren nicht mehr. Da ist die Frage nach der Versorgungssicherheit naheliegend. Das BMWE (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) sieht aber kein Problem. Die Pressesprecherin des Ministeriums, Susanne Ungrad, teilte der DW auf Anfrage mit: "Die Gasversorgung ist sichergestellt." Das läge an der "gut ausgebauten LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa" und an "der Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas."

Fiete Wulff sorgt sich auch nicht. Der Pressesprecher der Bundesnetzagentur sagte im DW-Gespräch: "Wir sehen aktuell keine Gefährdung der Gasversorgung." Außerdem seien "die Gasspeicherfüllstände ein wichtiger Indikator, aber nicht der einzige." Schließlich käme ein wichtiger "Anteil unserer Gasversorgung über Pipelines und LNG-Transporte aus den Nachbarländern."

Wie funktionieren eigentlich Gasspeicher?

03:57

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Auch für einen strengeren Winter, als er derzeit herrscht, sei die Versorgung abgesichert. Wirklich kritisch seien "disruptive Ereignisse wie Terroranschläge oder der Ausfall großer Importleitungen."

Olaf Geyer, der bei der Strategieberatung Arthur D. Little den Bereich Energy Practice in Deutschland und der Schweiz leitet, sieht die aktuelle Lage ebenfalls entspannt. Auf die Frage, ob die Vorräte reichen, hat er im Gespräch mit der DW eine klare Antwort: "Ja. Unter normalen Bedingungen. Wenn extreme Kälteperioden nicht länger als ein oder zwei Wochen dauern, dann reichen sie aus."

Oskar Burmann vom Branchenverband Gas- und Wasserstoffwirtschaft, einem Lobbyverband der Gasbranche, hat ebenfalls Beruhigendes zu sagen: "Die gesetzlichen Füllstandsvorgaben für Gasspeicher wurden erreicht. Zudem ist die Gaswirtschaft dank der bestehenden LNG-Infrastruktur sowie neuer Pipelineverbindungen grundsätzlich in der Lage, auch kurzfristig auf zusätzliche Bedarfe zu reagieren."

Wie funktionieren die Speicher?

Sebastian Heinermann, der Geschäftsführer der "Initiative Energien Speichern" (INES) erklärte der DW, wie das Gasspeichersystem funktioniert. Der Import sei nicht saisonabhängig, sondern im Sommer wie im Winter gleich: "Importe sind nicht flexibel."

Flexibel dagegen sei der Verbrauch. Im Sommer sei der Konsum niedrig: "Wenn wir 3,1 TWh (Terawattstunden) an einem normalen Sommertag importieren, aber beispielweise nur 1,3 verbrauchen, dann verbleibt eine Restmenge." Und diese, so Heinermann, würden "wir zum Teil exportieren, aber auch zum großen Teil einspeichern."

Im Gegensatz zu den Importmengen sei Befüllung und Entleerung der Speicher jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen, so Heinermann. Das sei "ein saisonales Geschäft. Befüllt werden die Speicher im Sommer. Im Winter werden sie vor allem genutzt, um zu versorgen."

Steigende Sommerpreise

Die Preisgestaltung sei dabei aber ein Problem, so Heinermann. "Es ist einhellige Branchenmeinung, dass im vergangenen Sommer der Gaspreis außergewöhnlich hoch war. Der war so hoch, dass man im Sommer mehr für das Gas bezahlen musste, als man es im Winter hätte verkaufen können. Man spricht da von negativem Sommer/Winter-Spread"

Flüssiggas: Pipelinebau in Rekordzeit

04:23

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Das sei natürlich kein Naturgesetz, sondern die Folge von Angebot und Nachfrage. Auf staatliche Hilfe können die Gasversorger da nur bedingt hoffen. Das BMWE teilte uns mit, dass "die Speicherbefüllung marktlich erfolgen" muss. Sprecherin Ungrad zur DW: "Ein staatlicher Eingriff sollte nur erfolgen, wenn er die Versorgungssicherheit nachhaltig erhöht und die Marktakteure nicht aus der Verantwortung nimmt.

Und im nächsten Jahr?

Bei der Frage nach der Resilienz des deutschen Speichersystems hält Arthur D. Little-Analyst Olaf Geyer zunächst fest: "Man muss schon sagen, das Energiesystem ist heute deutlich stabiler als vor drei oder vier Jahren."

"LNG-Terminal Deutsche Ostsee" in Lubmin - die Einrichtung dieses Terminals gelang erstaunlich reibungslosBild: John Macdougall/AFP

Doch er sieht auch Probleme auf Deutschland zukommen: "Wir werden mit geringem Füllstand aus dem Winter kommen und dann ist die Frage: Wie wird der gefüllt?" Und da spielten attraktive Großhandelspreise eine große Rolle, "damit sich dieser Sommer/Winter-Spread auch rechnet." Zwischen den Preisen, zu denen im Sommer ein- und im Winter verkauft wird "muss ordentlich was dazwischen liegen, damit die Attraktivität auch gegeben ist."

Olaf Geyer hat aber auch weitergehende Forderungen, um die Gasversorgung sicherer zu machen. Er mahnt "mehr Flexibilität im System" an. Dazu gehörten besser nutzbare Speicher und aktives Lastmanagement." Vor allem aber brauche es "alternative Energieträger", sagte er der DW. Eine Elektrifizierung bei der Wärmeproduktion "würde dem gesamten Energiesystem natürlich helfen."

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