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GesellschaftDeutschland

Deutschland: Geburtenrate auf tiefstem Stand seit 20 Jahren

1. Juli 2026

Insgesamt wurden im Jahr 2025 deutschlandweit etwas mehr als 650.000 Geburten gezählt. Regional gibt es große Unterschiede.

Ein Baby klammert sich an den Finger seiner Mutter (30.12.2019)
Frauen in Deutschland bringen im Schnitt weniger Kinder zur Welt (Archivbild)Bild: Fabian Strauch/dpa/picture alliance

Die durchschnittliche Zahl der Kinder, die Frauen in Deutschland zur Welt bringen, ist erneut gesunken. Der als Geburtenrate bezeichnete Wert betrug vergangenes Jahr 1,32. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Das sind demnach 2,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Niedrigste Geburtenziffer in Sachsen

Noch niedriger sei die Geburtenrate Mitte der 1990er-Jahre mit einem Tiefstwert von 1,24 Kindern je Frau gewesen. "Die damals Geborenen bilden die derzeit relativ kleine Generation potenzieller Eltern", erklären die Statistiker das nun wiederkehrende Phänomen.

Leere Kinderbetten auf einer Geburtsstation in Düsseldorf (Archivbild)Bild: Robert Poorten/IMAGO

Wie das Bundesamt bereits zuvor bekanntgab, war die Zahl der Geburten 2025 infolge dieser Entwicklung auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit gesunken - und zwar auf 654.241 Babys.

Laut den Daten gibt es auch Unterschiede zwischen den Bundesländern: Die niedrigste zusammengefasste Geburtenziffer - so der statistische Begriff - wurde vergangenes Jahr mit 1,16 Kindern je Frau in Sachsen in Ostddeutschland errechnet, die höchste mit 1,38 in Niedersachsen, einem der westlichen Bundesländer.

Niedersachsen ist der Statistik zufolge bereits seit 2018 das Land mit der höchsten Geburtenhäufigkeit. Allerdings sank auch hier die Geburtenziffer zum ersten Mal seit 16 Jahren unter 1,40. Am höchsten in Ostdeutschland war die Geburtenrate in Brandenburg (1,30).

Rückgang sowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Frauen

Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,20 Kinder - ein ähnlich niedriger Wert wurde den Angaben zufolge zuletzt vor knapp 30 Jahren im Jahr 1996 gemessen, als eine Frau im Schnitt 1,22 Kinder bekam. Im Vorjahresvergleich ging die Geburtenrate um 2,8 Prozent zurück.

Bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag die Geburtenrate bei 1,78 Kindern, das entspricht einem Minus von 3,3 Prozent. "Die Geburtenhäufigkeit der ausländischen Frauen geht seit 2017 mit Ausnahme des Jahres 2021 kontinuierlich zurück", so das Statistische Bundesamt.

Ein immer selteneres Ereignis: Neugeborenes Baby (Archivbild)Bild: Ute Grabowsky/photothek/picture alliance

Mütter waren 2025 laut Statistik bei einer Geburt im Schnitt 31,9 Jahre alt und Väter 34,8 Jahre - unabhängig davon, ob es die Geburt des ersten oder eines weiteren Kindes war. Das Durchschnittsalter stieg damit im Vergleich zum Vorjahr leicht. Langfristig verschob sich das Alter der Eltern deutlich nach hinten: Seit 1991 nahm es bei Müttern um vier Jahre und bei Vätern um 3,8 Jahre zu.

Ministerium: In fast allen EU-Ländern Rückgang der Geburtenziffer

Nach Ansicht des Bundesfamilienministeriums reiht sich die niedrige Geburtenziffer in Deutschland in eine europäische Entwicklung ein. Auch in fast allen anderen Ländern der EU und den meisten entwickelten Industrieländern weltweit sei die Geburtenziffer zuletzt teilweise stark gesunken, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Weiter heißt es, Studien zeigten, dass viele Menschen ihre Familienplanung in wirtschaftlich und gesellschaftlich unsicheren Zeiten verschöben. Zudem seien Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Entscheidung wichtiger als finanzielle Leistungen allein. 

Ziel der Bundesregierung sei es daher, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle Frauen und Männer ihre Kinderwünsche umsetzen könnten, sei es durch den weiteren Ausbau einer verlässlichen Kinderbetreuung oder durch familienfreundliche Arbeitsbedingungen. 

pg/AR (dpa, afp, rtr, kna, epd)

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