Heute kaum vorstellbar, aber über Jahrhunderte hinweg waren Iran und Deutschland gute Freunde. Ein Dichterfürst, ein deutscher Lawrence von Arabien und eine Kaiserin trugen dazu bei.
Anders als früher herrscht heute politische Eiszeit zwischen dem Iran und Deutschland; privat demonstrieren Iraner und Deutsche gemeinsam gegen das Mullah-RegimeBild: Rolf Zöllner/IMAGO
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Die Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Iran beginnt lange vor der Entstehung beider Staaten in ihrer heutigen Form. Die frühesten Beziehungen sind kultureller Art, erst später verkehrt man auch auf diplomatischer Ebene miteinander. Ein Überblick.
Goethes Begeisterung für persische Dichtkunst
Johann Wolfgang von Goethe ist 65 Jahre alt, als er 1814 zum ersten Mal die vollständige Übersetzung der Gedichte des persischen Dichters und Mystikers Hafis liest: den "Diwan". Er ist begeistert: "Und mag die ganze Welt versinken, Hafis, mit dir, mit dir allein will ich wetteifern!" Hafis, geboren um 1315, heißt eigentlich Mohammed Schemseddin; Hafis ist sein Ehrentitel - er gebührt all denjenigen, die die 114 Suren des Korans auswendig können. Im Iran gilt Hafis bis heute als Volksdichter; fast jeder Haushalt besitzt seinen "Diwan".
Goethe fühlte sich Hafi sehr verbunden Bild: Archives-Zephyr/Opale.photo/picture alliance
Für den deutschen Dichterfürsten ist Hafis ein Bruder im Geiste, und so veröffentlicht er 1819 seinen "West-östlichen Divan". Seine Verse erzählen ebenso wie Hafis von leidenschaftlicher Liebe, menschlichen Konflikten, der Vergänglichkeit des Lebens und spirituellen Erkenntnissen. Sie sind ein Plädoyer für kulturelle Offenheit und gegenseitiges Verstehen: "Wer sich selbst und andre kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen", dichtet Goethe.
Die Brücke zwischen beiden Kulturen ist auch fast 200 Jahre später noch lebendig: Im Jahr 2000 reist Mohammad Chatami als erster iranischer Präsident nach Deutschland und weiht in Weimar gemeinsam mit damaligen Bundespräsident Johannes Rau ein Hafis-Goethe-Denkmal ein.
Persien als Spielball der Weltmächte - und eine diplomatische Annäherung
In der Antike ist Persien ein riesiges Weltreich, doch im Laufe der Jahrhunderte wird das Land von seinen Feinden zerrieben. Im 19. Jahrhundert ringen zwei neue Großmächte um die Vormachtstellung auf dem asiatischen Kontinent. Persien wird in diesem Machtkampf zwischen dem Britischen Empire und dem russische Zarenreich, der als "The Great Game" in die Geschichte eingeht, zum Spielball beider Länder.
Der iranische Hof wendet sich schon früh an Europas Königshäuser, um sich mit ihrer Hilfe vom Joch der Briten und Russen zu befreien - vergeblich. Erst 1857 kommt es zum ersten offiziellen Handels- und Freundschaftsabkommen zwischen dem Iran und dem Königreich Preußen.
Nāser ad-Din Schahs kommentierte in seinem Reisetagebuch europäische GepflogenheitenBild: Public Domain
1873 besucht der persische Herrscher Nāser ad-Din Schah als erster Monarch des Mittleren Ostens Europa. In Berlin wird er von Kaiser Wilhelm I. empfangen und notiert in seinem Reisetagebuch: "Er (der Kaiser, Anm. d. Red.) arbeitet bereits morgens und dann noch bis spät in die Nacht hinein. Wir Könige des Orients sind unseren Vorfahren dankbar, dass sie uns nicht als derartige Arbeitstiere in die Welt gesetzt haben. Allah hat seinen Propheten, und ich habe meine Minister."
Dabei ist Nāser ad-Din nicht müßig: Er strebt Reformen für Persien an und interessiert sich für europäische Technologien - und nicht zuletzt erhofft er sich gute politische und wirtschaftliche Kontakte zum jungen deutschen Kaiserreich. 1885 wird die erste deutsche diplomatische Vertretung in Iran eröffnet - ein Schritt, der die Beziehungen institutionell festigt.
Wilhelm Waßmuß: der deutsche Lawrence von Arabien
Der britische Offizier Thomas Edward Lawrence, der während des Ersten Weltkriegs beim von den Briten forcierten Aufstand der Araber an der Seite der Beduinen gegen das Osmanische Reich kämpfte, ist in die Geschichte eingegangen. Den Namen Wilhelm Waßmuß hingegen kennt heute kaum noch jemand. Er kämpfte an der Seite persischer Clans gegen die Briten und gilt als "deutscher Lawrence von Arabien".
T. E. Lawrence (l.) und Wilhelm Waßmuß kämpften beide an der Seite von Einheimischen Bild: Public Domain
Der Bauernsohn aus Niedersachsen schlägt eine Karriere beim Auswärtigen Amt ein. Als Vizekonsul in Persien macht er sich bestens vertraut mit Land und Leuten. Er spricht Farsi und knüpft enge Kontakte zu lokalen Herrschern. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, versucht das Deutsche Reich, Aufstände gegen die britische Kolonialmacht zu provozieren. Der deutsche Diplomat Max Freiherr von Oppenheim hat einen Geheimplan entworfen: Er will die Feinde des Deutschen Reichs schwächen, indem er die muslimische Welt gegen sie aufhetzt. Ein "Dschihad Made in Germany" soll den deutschen Sieg näherbringen.
Wilhelm Waßmuß, deutscher Konsul und Revolutionsagent, verstand sich gut mit den lokalen Herrschern Bild: public domain
Waßmuß übernimmt die heikle Aufgabe und bewegt tatsächlich einige lokale Herrscher zum Guerillakampf. 1915 besetzt er mit seinen Verbündeten das englische Generalkonsulat. Doch es ist nur noch eine Frage der Zeit, wie lange die Perser und Waßmuß den nachrückenden britischen Truppen standhalten können. Den Aufständischen ist kein Erfolg beschieden.
Waßmuß überlebt den Krieg und kehrt nach Deutschland zurück. Doch die Erinnerungen an Persien lassen ihn nicht los. 1924 gründet er eine Farm in Choghadak. Aus dem Ernteerlös will er seine ehemaligen Mitkämpfer für die Teilnahme am Widerstand gegen die Briten bezahlen, so wie er es einst versprochen hat. Das Projekt scheitert, 1931 kehrt Waßmuß desillusioniert in seine Heimat zurück und stirbt kurz darauf.
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Neue Freunde: die Pahlavis
In Deutschland dankt der Kaiser 1918 ab, in Persien übernimmt Reza Schah Pahlavi nach innenpolitischen Umbrüchen 1925 die Macht. Er will das Land modernisieren und orientiert sich stark an Europa, besonders an Deutschland. Der deutsche Unternehmer und Flufzeugbauer Hugo Junkers wird mit dem Aufbau des Luftverkehrs beauftragt, deutsche Firmen bauen Teile der transiranischen Eisenbahn. 1929 schließt der Schah ein Freundschaftsabkommen mit der Weimarer Republik. Auch zu den Nationalsozialisten, die 1933 an die Macht kommen, pflegt er gute Beziehungen. 1935 wird Persien offiziell in Iran umbenannt.
Deutschland und Iran: von Annäherung zur Eiszeit
Zwischen Diplomatie, Protest und politischem Konflikt: Die deutsch-iranischen Beziehungen reichen weit zurück - geprägt von anfänglicher Nähe und späteren tiefen Rissen.
Bild: Reuhl/Fotostand/IMAGO
Frühe Annäherung: Persischer Schah in Berlin
Schah Mozaffar ad-Din zu Gast in Berlin. Der Besuch im Jahr 1902 markiert eine frühe Etappe in den deutsch-iranischen Beziehungen, als das damalige Persien (ab 1935 offiziell: Iran) politische und wirtschaftliche Kontakte zu europäischen Mächten intensiviert. Die Beziehungen zwischen Künstlern und Geschäftsleuten beider Länder reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück.
Bild: Scherl/SZ Photo/picture alliance
Mit Rückenwind aus Deutschland: Flugzeuge für den Schah
Ende der 1920er Jahre landen deutsche Junkers-Flugzeuge in Teheran. 1927 bekam Hugo Junkers die Genehmigung, den Flugverkehr in Persien aufzubauen. Es ist der Beginn der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Weimarer Republik und dem persischen Kaiserreich. Deutschland spielt in den kommenden Jahrzehnten eine wichtige Rolle bei der Industrialisierung des Landes.
Bild: Scherl/SZ Photo/picture alliance
Zu deutschfreundlich in Kriegszeiten: Schah wird abgesetzt
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg ist der Iran neutral, aber deutschfreundlich - als Gegengewicht zum britischen und russischen Einfluss. Unter Reza Schah wird Deutschland wichtigster Partner. 1941 besetzen Briten und Sowjets den Iran, stürzen den Schah und setzen seinen Sohn Mohammad Reza (hier eine Aufnahme von 1946) ein. Auf Druck der Besatzer erklärt der Iran später Deutschland den Krieg.
Bild: Tom Fitzsimmons/AP/picture alliance
Historischer Besuch im Kalten Krieg: Der Schah in der jungen Bundesrepublik
Während des Kalten Krieges gilt der Iran als wichtiger Partner: reich an Öl, modernisierungsbereit und als Grenzstaat zur Sowjetunion von zentralem Interesse für den Westen. Im Februar 1955 wird Schah Mohammad Reza Pahlavi in der damaligen Hauptstadt Bonn empfangen. Er wird flankiert von seiner Gattin Soraya, Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Konrad Adenauer (ganz rechts).
Bild: Gillhausen/AP/picture alliance
Annäherung in Bonn: Diplomatische Beziehungen nehmen Fahrt auf
Beim Staatsbesuch des Schahs begegnen sich auch Bundespräsident Theodor Heuss und Kaiserin Soraya, die fließend deutsch spricht: Ihre Mutter stammt aus Berlin. 1952 nahmen die Bundesrepublik und der Iran diplomatische Beziehungen auf. Die beiden Länder pflegen enge, vor allem wirtschaftliche Kontakte. "Made in Germany" ist im Iran hoch angesehen.
Bild: Alfred Hennig/dpa/picture alliance
Blick über die innerdeutsche Grenze: Premierminister Amini an der Berliner Mauer
Während des Kalten Krieges ist das geteilte Berlin ein Symbol für den Ost-West-Konflikt. Im Februar 1962 besucht der iranische Premierminister Ali Amini (vorne links) die Stadt. Am Potsdamer Platz blickt er über die Mauer, die die Stadt teilt, und zeigt damit seine Verbundenheit mit der Bundesrepublik. Der Besuch ist auch ein Zeichen, dass der Iran die Teilung Europas aufmerksam beobachtet.
Bild: Gert Schütz/akg-images/picture alliance
Protest und Gewalt: der Tod von Benno Ohnesorg
Am 2. Juni 1967 demonstrieren Studierende in West-Berlin gegen den Besuch des Schahs - aus Protest gegen Repression und Folter im Iran. Bei der gewaltsamen Auflösung der Demonstration wird der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Der Vorfall radikalisiert die Studentenbewegung und wirft einen ersten Schatten auf die bilateralen Beziehungen.
Bild: picture alliance/AP
Die Rückkehr Chomeinis: Revolutionärer Einschnitt für Deutschland und Iran
Mit der Rückkehr Ajatollah Chomeinis 1979 und dem Sturz des Schahs endet eine Ära enger deutsch-iranischer Partnerschaft. Die Islamische Republik wendet sich vom Westen ab. Damit verliert Deutschland einen strategischen Verbündeten. Dennoch bestehen die diplomatischen und wirtschaftlichen Kontakte weiter, wenn auch unter sehr schwierigen Bedingungen.
Bild: Fy/AP/picture alliance
Brisante Geschäfte: Deutschlands Rolle im Iran-Irak-Krieg
Iranische Soldaten mit Gasmasken im Irak-Iran-Krieg (1980-1988). Ab Mitte der 1980er Jahre liefern deutsche Firmen chemietechnische Anlagen und Vorprodukte an den Irak. Das Regime von Saddam Hussein nutzt sie für die Produktion von Giftgas, das gegen den Iran eingesetzt wird. Die deutsche Beteiligung an Iraks Aufrüstung bleibt bis heute ein Thema politischer und moralischer Verantwortung.
Bild: AP/picture alliance
Politischer Mord im Exil: Das "Mykonos"-Attentat
Im griechischen Restaurant "Mykonos" in Berlin werden am 17. September 1992 vier iranisch-kurdische Oppositionelle ermordet. Ein deutsches Gericht macht später den iranischen Staat mitverantwortlich. Die zwei Haupttäter werden zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Anschlag stürzt die deutsch-iranischen Beziehungen in eine schwere Krise. EU-Staaten rufen ihre Botschafter aus Teheran zurück.
Bild: Altwein/dpa/picture-alliance
Hoffnung in schwierigen Zeiten: Fischer trifft Chatami
Im Oktober 2001 trifft Außenminister Joschka Fischer den iranischen Präsidenten Mohammad Chatami in Teheran. Unter Chatami öffnet sich der Iran außenpolitisch und strebt sanfte Reformen an. Deutschland setzt auf Dialog und wirbt für Menschenrechte - trotz Spannungen mit den Hardlinern, wie Chomeinis Nachfolger Ali Chamenei, das politische und religiöse Oberhaupt.
Bild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance
Gefährliche Pläne: Irans Atomprogramm löst Besorgnis im Westen aus
Bereits unter dem Schah beginnt der Iran in den 1950er Jahren sein Atomprogramm. Nach der Revolution 1979 wird es fortgesetzt – offiziell für zivile Zwecke. Ab 2002 rückt es wegen geheimer Anreicherungsanlagen ins internationale Blickfeld. Westliche Staaten befürchten den Bau von Atomwaffen.
Bild: irdiplomacy
Deutscher Außenminister im Iran: Signale der Annäherung
Im Juli 2015 besucht Außenminister Sigmar Gabriel den Basar von Isfahan. Kurz zuvor ist das Abkommen zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms vereinbart worden. Viele deutsche Politiker reisen in dieser Phase der Öffnung in den Iran, um die Beziehungen auszubauen. Doch 2018 steigen die USA aus dem Abkommen aus und die Wiederannäherung gerät ins Stocken.
Bild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance
Iran boykottiert Buchmesse: Der Fall Salman Rushdie 2015
Der Stand mit iranischen Verlagen bleibt auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2015 leer. Der Iran sagte seine Teilnahme ab, nachdem der Autor Salman Rushdie zur Buchmesse eingeladen worden war. Wegen seines Romans "Die satanischen Verse" hatte Ajatollah Chomeini 1989 eine Fatwa gegen Rushdie verhängt – ein religiöses Todesurteil, das internationale Spannungen auslöste.
Bild: Frank Rumpenhorst/dpa/picture alliance
Protest in Berlin: Solidarität mit der Frauenbewegung im Iran
Nach dem Tod der Iranerin Jina Mahsa Amini im September 2022 gehen weltweit Menschen auf die Straße - wie hier in Berlin. Die Parole "Jin, Jiyan, Azadî" ("Frau, Leben, Freiheit") wird zum Symbol des Widerstands gegen das iranische Regime. Amini war in Teheran von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie angeblich ihr Kopftuch nicht korrekt trug - kurz darauf starb sie in Polizeigewahrsam.
Bild: Omer Messinger/Getty Images
Oppositioneller entführt: Prozess gegen Sharmahd empört Deutschland
Jamshid Sharmahd, ein iranisch-deutscher Oppositioneller, wird 2020 vom iranischen Geheimdienst in Dubai entführt. 2023 verurteilt ihn ein iranisches Revolutionsgericht wegen angeblicher Terrorvergehen zum Tode. Menschenrechtsorganisationen sprechen von einem Schauprozess. Deutschland fordert seine Freilassung - vergeblich.
Bild: Koosha Falahi/Mizan/dpa/picture alliance
Nach Hinrichtung: Beziehungen auf historischem Tiefstand
Alle Proteste nutzen nichts. Am 28. Oktober 2024 wird Sharmahd hingerichtet. Angehörige gedenken seiner bei einer Trauerfeier in Berlin (Bild). Die damalige Außenministerin Annalena Baerbock lässt die drei iranischen Generalkonsulate in Frankfurt, Hamburg und München schließen. Die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Iran sind auf einem historischen Tiefpunkt angekommen.
Bild: DW
"Drecksarbeit" für den Westen: Merz' Worte sorgen für Wirbel
Beim G7-Gipfel in Kanada im Juni 2025 unterstützt Kanzler Merz die israelischen Luftangriffe auf Iran mit den Worten, Israel mache "die Drecksarbeit für uns alle". Iran bringe "Tod und Zerstörung über die Welt". Teheran reagiert empört und bestellt den deutschen Botschafter ein. Zwischen beiden Staaten herrscht diplomatische Eiszeit, abgesehen von wenigen kulturellen Kontakten.
Bild: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
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Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, erklärt sich der Iran zwar als neutral, trotzdem besetzen britische und sowjetische Truppen das Land und zwingen den deutschfreundlichen Reza Schah abzudanken. Stattdessen setzen sie seinen Sohn auf den Thron, der mit den Alliierten kooperiert. Erst 1946 gewinnt der Iran seine volle Souveränität zurück.
Doch schon bald intensivieren sich die wirtschaftlichen Kontakte beider Länder wieder. Deutsche Firmen bauen Fabriken, Krankenhäuser und Straßen im Iran. 1966 wird ein Rüstungsabkommen geschlossen, 1974 beginnt der Bau des Atomkraftwerks in Buschehr unter deutscher Beteiligung.
Die Pahlavi-Dynastie: Vergangenheit und Zukunft des Irans?
02:19
Soraya: "der Deutschen liebste Kaiserin"
1951 heiratet der Schah Soraya Esfandiary-Bakhtiary, die Tochter einer deutschen Mutter und eines iranischen Diplomaten. Die deutsche Regenbogenpresse ist begeistert. Soraya wird "der Deutschen liebste Kaiserin". Ihr westliches Auftreten, ihr europäischer Hintergrund und ihre Rolle in der iranischen Monarchie machen sie zur schillernden Figur an der Schnittstelle zweier Kulturen. Doch sieben Jahre nach der pompösen Hochzeit wird aus der "Märchen"- die "Tränenprinzessin": Der Schah trennt sich von Soraya. Er braucht einen Thronfolger, Soraya aber kann keine Kinder bekommen.
Die Hochzeit der Halbberlinerin Soraya mit dem persischen Schah begeisterte die Deutschen Bild: KEYSTONE/picture alliance
Ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse, die kaum ein gutes Haar am Schah und Iran lässt - das belastet die bilateralen Beziehungen erheblich. Iranische Stellen drohen mit diplomatischen Konsequenzen; die Bundesregierung erwägt zeitweise sogar ein Gesetz zum Schutz ausländischer Staatsoberhäupter vor Beleidigung - das sogenannte "Lex Soraya" tritt jedoch nie in Kraft.
Der Besuch des Schahs 1967 in Deutschland markiert einen weiteren Wendepunkt. Erstmals begleitet nicht Jubel den Staatsgast, sondern vehementer Protest. Studenten demonstrieren gegen die Unterdrückung im Iran, tragen Plakate wie "Ganz Persien ein KZ" und "Mörder" und werfen dem Monarchen die Unterdrückung seiner Landsleute vor. Das Justizministerium verzichtet auf Strafverfolgung, offene Fragen mit dem Iran sollen auf diplomatischem Weg gelöst werden.
Beim Sch-Besuch 1967 kam es zu Tumulten Bild: dpa/picture alliance
Die Kontakte zwischen Deutschland und Iran bleiben dennoch weiterhin eng. Während des Kalten Krieges gilt der Iran als wichtiger Partner: reich an Öl, modernisierungsbereit und als Grenzstaat zur Sowjetunion von zentralem Interesse für den Westen. Bis 1980 herrscht für Bürger beider Länder ein visumfreier Reiseverkehr - eine Seltenheit im internationalen Vergleich.
Nach der Revolution
Nach dem Sturz des Schahs 1979 distanzieren sich viele westliche Staaten von der neuen Islamischen Republik, doch die Bundesrepublik setzt auf Dialog. Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist 1984 der erste hochrangige westliche Politiker, der das neue Regime besucht, weitere deutsche Minister folgen. Doch die politischen Spannungen, Menschenrechtsverletzungen und der Kurs der iranischen Führung beenden auf Dauer die einst enge deutsch-iranische Partnerschaft.