Deutschland: Jeder Fünfte weiter von Armut bedroht
29. Januar 2025
Etwa ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland ist weiterhin von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, gab es im vergangenen Jahr rund 17,6 Millionen Betroffene. Der Anteil betrug demnach 20,9 Prozent und lag damit leicht unter dem Wert für 2023 mit 21,3 Prozent. Auch in den Vorjahren lagen die Werte auf einem ähnlichen Niveau.
13,1 Millionen Menschen armutsgefährdet
Ein Mensch gilt in der Europäischen Union als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn sein Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt, der Haushalt von erheblicher materieller oder sozialer Entbehrung betroffen ist oder er in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung lebt.
Als armutsgefährdet galten 2024 laut dem Statistikamt in Wiesbaden rund 15,5 Prozent der Bevölkerung oder 13,1 Millionen Menschen. Ein Jahr zuvor hatte der Wert bei 14,4 Prozent gelegen. Eine Armutsgefährdung liegt vor, wenn jemand über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. Der Schwellenwert, ab dem jemand als armutsgefährdet gilt, lag für einen Alleinlebenden in der Bundesrepublik bei 1378 Euro netto im Monat. Für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag er bei 2893 Euro netto im Monat.
Sechs Prozent in Lebensbedingungen deutlich eingeschränkt
Von erheblichen materiellen und sozialen Entbehrungen betroffen waren 2024 rund sechs Prozent der Bevölkerung, wie die Statistiker weiter mitteilten. Betroffene waren demnach durch fehlende finanzielle Mittel deutlich in ihren Lebensbedingungen eingeschränkt. Sie waren zum Beispiel nicht in der Lage, ihre Rechnungen für Miete, Hypotheken oder Versorgungsleistungen rechtzeitig zu bezahlen. Auch konnten sie nicht mehr einmal im Monat mit Freunden essen gehen oder sich eine einwöchige Urlaubsreise im Jahr leisten.
In einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsbeteiligung lebten 2024 rund 9,8 Prozent der Menschen unter 65 Jahren. Diese Situation liegt vor, wenn die Erwerbsbeteiligung der erwerbsfähigen Haushaltsmitglieder zwischen 18 und 64 Jahren im Jahr vor der Erhebung weniger als 20 Prozent betrug. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn in einem Haushalt mit zwei Personen eine überhaupt nicht arbeitet und die andere insgesamt nur in vier von zwölf Monaten erwerbstätig ist.
Die Daten gehen aus der Europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen hervor. Sie ist die amtliche Hauptquelle für die Messung von Armutsgefährdung und Lebensbedingungen auch speziell in Deutschland.
sti/se (afp, dpa, rtr, epd, kna)