Nach Feuerwehreinsatz: Münchner Eisbachwelle wieder verebbt
28. Dezember 2025
Es war ein kleines Weihnachtswunder: Zum Feiertag war die verschwundene Eisbachwelle wieder da. Unbekannte hatten eine Rampe in den kleinen Fluss in Münchens Englischem Garten gehängt. Die verwirbelte das Wasser des schnellfließenden Eisbachs, sodass sich hinter der Brücke, über die die Prinzregentenstraße führt, wieder eine beeindruckende Welle bildete.
Sofort stürzten sich Surfer in die eisigen Fluten, um zu Weihnachten auf der Welle zu reiten - so wie es bis zum Herbst lange Zeit Tradition in der Hauptstadt des Bundeslandes Bayern ganz im Süden Deutschlands war.
Ein provisorisches Banner hing am Brückenportal. Aufschrift: "Merry X-Mas", also "Frohe Weihnachten" und dem Spruch "Just watch", was man auch als Sicherheitshinweis deuten kann: "Passt bloß auf".
Denn legal war die Rampenaktion nicht. Und im Eisbach zu surfen, war schon immer gefährlich. So schritten die Behörden nun nach wenigen Tagen ein: Die Feuerwehr rückte an diesem Sonntagvormittag an und sie entfernte die Rampe aus dem strömenden Gewässer.
Dabei kam ein Kran zum Einsatz. Festgezurrt an einem Sicherheitsgurt wurde ein Feuerwehrmann an der Brücke herabgelassen, um die Konstruktion zu demontieren. Alle eingebauten Vorrichtungen wurden entfernt. Nun ist München erneut um eine Attraktion ärmer: Der Eisbach fließt wieder ohne Welle.
Vom Weihnachtswunder zum Jahresend-Zoff
Münchner Surfer zeigten sich entsetzt von der Aktion, sprachen von einer "Kampfansage der Stadt an uns Surfer". Es ist nicht das erste Mal, dass die Welle in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wiederbelebt wurde. Dauerhaft waren die Konstruktionen aber bislang nicht.
Die berühmte Welle im Eisbach war verschwunden, nachdem im Oktober unter anderem das Bachbett von Unrat und Sedimenten befreit worden war. Danach baute sich die Welle nicht mehr wie gewohnt auf. Warum das so ist, ist nicht ganz klar. Seither wird diskutiert, wie sie wiederbelebt werden kann.
Nach einem mit der Stadtverwaltung abgestimmten Vorversuch hatte ein Strömungsexperte den Einbau einer dreiteiligen Rampe empfohlen. Dann könne sich stromabwärts eine langsam rotierende Wasserwalze bilden, in der sich Kies ablagern kann, der die Wogen wiederum in die Höhe treibt. Der nötige Antrag für die dreiteilige Rampe wurde gestellt, der Hauptversuch sollte "so bald wie möglich starten". Doch daraus wird wohl nichts.
Den offiziellen Versuch zur Rettung der Welle hatten die Eisbach-Surfer am Freitag aus Frust über die Auflagen der Stadt abgebrochen. "Die Verwaltung will das Surfen am Eisbach nicht regulieren, sondern verhindern", hieß es in einer Mitteilung des Vereins Surf Club München. Darin wird eine behördliche Auflagenpraxis kritisiert, "die faktisch auf Verhinderung angelegt ist".
So hätten die Surfer nach eigenen Angaben beispielsweise die Haftung und alle Kosten übernehmen und permanent in Rufbereitschaft sein müssen. Außerdem seien "technische Nachweise auf dem Niveau von Brücken- oder Staubauwerkerrichtungen" verlangt worden.
Gefährliches Vergnügen
Die Interessengemeinschaft Surfen München (IGSM) schrieb nun aber auf ihrem Social-Media-Kanal: "Nachdem wir anfangs noch die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung betont haben, hat sich das Blatt mittlerweile gewendet."
Ernsthafte Sicherheitsbedenken gab es schon im Mai, als noch die Originalwelle auf dem Eisbach rauschte. Damals kam eine 33-jährige Surferin ums Leben, nachdem ihr Surfbrett unter Wasser geraten war und sie sich nicht aus der daran befestigten Leine befreien konnte.
AR/wa (dpa, ap, BR)