Trendwende bei Flüchtlingszahlen in Deutschland?
15. März 2026
Die Zahl der in Deutschland lebenden Geflüchteten ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen - erstmals seit 2011. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, hielten sich zum Stichtag 31. Dezember knapp 3,53 Millionen Schutzsuchende hierzulande auf - etwa 17.000 weniger als ein Jahr zuvor.
Unter ihnen waren rund 1,33 Millionen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Sie werden in der Europäischen Union ohne Asylverfahren aufgenommen und erhalten eine Arbeitserlaubnis. Eine entsprechende Regelung gilt bis März 2027.
Ende August 2025 hatte die ukrainische Regierung auch wehrfähigen Männern im Alter von bis zu 22 Jahren die Ausreise gestattet. Vorübergehend kamen daraufhin deutlich mehr junge Ukrainer nach Deutschland.
Die Zahl der Menschen, die in der Bundesrepublik erstmalig Asyl beantragen, sinkt schon seit Herbst 2023. Wurden 2024 noch knapp 230.000 Erstanträge gestellt, waren es im vergangenen Jahr rund 113.000.
Mehr Grenzkontrollen
Die Entwicklung dürfte zum Teil mit Kontrollen an den deutschen Grenzen zu tun haben, die 2025 intensiviert wurden. Innenminister Alexander Dobrindt von der konservativen CSU hatte im Mai angeordnet, im Regelfall auch Asylsuchende zurückzuweisen. Im vergangenen Jahr stieg zudem die Zahl der Abschiebungen etwas - auf fast 23.000.
Weniger Asylberatung
Ab 2027 will die Bundesregierung auch kein Geld mehr ausgeben, um Asylsuchenden in Deutschland eine Beratung unabhängig von Behörden zu ermöglichen. Dobrindts Ministerium habe die zuständigen Wohlfahrtsverbände bereits über den geplanten Schritt informiert, erfuhr das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Ein wichtiger Grund für den Rückgang der Geflüchtetenzahlen in Deutschland ist außerdem, dass Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad im Dezember 2024 gestürzt wurde. Viele Syrer, die seit Jahren in Deutschland leben, erfüllen überdies inzwischen die Bedingungen für eine Einbürgerung. Wer diese Möglichkeit nutzt, taucht dann nicht mehr als Flüchtling in der Statistik auf.
wa/pgr (dpa, epd, afp)