Deutschland-Pleite nicht ausgeschlossen
28. Juli 2012
"Irgendwann trifft es auch den Retter", sagte der Chef und Mitbegründer der amerikanischen Agentur, Sean Egan der "Welt am Sonntag" und führt weiter aus: "Die Idee, dass Deutschland die gesamte Euro-Zone heraushauen kann, ohne dabei an seine Kreditgrenzen zu stoßen, hat mir noch nie eingeleuchtet."
Ende Juni hatte Egan-Jones bereits die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik herabgestuft und die Bewertung von AA- auf A+ gesenkt. Die Agentur begründete den Schritt damit, dass die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone - unabhängig davon, "ob Griechenland oder andere Euro-Mitglieder die Währungsunion verlassen" - in jedem Fall auf "massiven" zusätzlichen uneinbringlichen Forderungen sitzenbleiben werde. Von den drei anderen großen Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's sowie Fitch wird die Kreditwürdigkeit Deutschlands derzeit noch mit der Bestnote AAA bewertet.
"Trügerische Ruhe"
Die weiterhin hohe Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen als vermeintlich sicherem Hafen hält Egan-Jones für trügerisch. "Die Märkte unterschätzen das künftige Bonitätsrisiko, das bei einer Vergemeinschaftung der Schulden entsteht". Die Agentur gab der Bundesregierung jetzt den Rat, nicht weiter "klein bei zu geben". Wenn Deutschland die Begehrlichkeiten nicht abwehre, "gerät es selbst auf die schiefe Bahn", prognostizierte Sean Egan.
Die Agentur sorgte schon einmal für Aufsehen, als sie lange vor der tatsächlichen Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers das Geldinstitut herunterstufte. Auch die Gefahr, die von faulen Hypothekenpapieren ausgeht, wurde von Egan-Jones früher erkannt als von der Konkurrenz. Seit 2007 gehört sie in den USA zu den staatlich anerkannten Ratingagenturen und genießt wegen ihrer Unabhängigkeit einen guten Ruf.
se/qu (dpa, rtr, afp, dapd)