Der Druck aus Europa auf den amtierenden venezolanischen Präsidenten Maduro wächst. Deutschland, Frankreich und sechs weitere EU-Staaten geben Juan Guaidó nun offiziell Schützenhilfe in seinem Machtkampf mit Maduro.
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Gemeinsam mit anderen europäischen Ländern erkennt Deutschland den bisherigen Oppositionsführer Juan Guaidó als Übergangspräsidenten Venezuelas an und erhöht damit den Druck auf den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro. Deutschland hatte zusammen mit weiteren europäischen Staaten Maduro aufgefordert, innerhalb von acht Tagen Wahlen auszurufen. Maduro ließ die Frist am Sonntag verstreichen. Neben Deutschland erklärten daher auch weitere EU-Staaten ihre Anerkennung Guaidós als Interimspräsident: Österreich, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Schweden, Dänemark und die Niederlande.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte bei ihrem Besuch in Tokio: "Bis gestern ist keine Wahl für eine Präsidentschaft ausgerufen worden." Deshalb sei jetzt Guaidó die Person, "mit der wir darüber reden und von der wir erwarten, dass sie einen Wahlprozess möglichst schnell" einleite. "Wir hoffen, dass sich dieser Prozess möglichst kurz und friedlich gestaltet."
Fünf Millionen Euro Hilfe
Außenminister Heiko Maas betonte in Berlin mit Verweis auf das von europäischer Seite gesetzte Ultimatum, für Deutschland sei Guaidó nun im Einklang mit der venezolanischen Verfassung Übergangspräsident, um freie, faire und demokratische Präsidentschaftswahlen zu organisieren. Nach Angaben von Maas stellt die Bundesregierung zudem Mittel in Höhe von fünf Millionen Euro für humanitäre Hilfe für Venezuela zur Verfügung, sobald dies die politischen Verhältnisse zulassen.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte Guaidó auf, schnell Neuwahlen auszurufen. Der französische Präsident Emmanuel Macron kündigte auf Twitter an, sein Land unterstütze in der Übergangsphase die Kontaktgruppe der EU und lateinamerikanischer Staaten. Sie kommt am Donnerstag auf Ministerebene in Montevideo zusammen, um über Unterstützung für die erhoffte Präsidentenwahl zu beraten. Der britische Außenminister Jeremy Hunt erklärte auf Twitter, Guaidó solle so lange im Amt bleiben, "bis glaubwürdige Wahlen abgehalten werden können".
Scharfe Kritik aus Russland
Russland kritisierte dagegen die Entscheidung der EU-Staaten scharf. Die Versuche, "die gesetzeswidrige Machtergreifung" zu legitimieren, seien eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor Journalisten in Moskau. Dies sei bei der Suche nach einer "friedlichen, wirksamen und anhaltenden Lösung der Krise" wenig hilfreich. Sollte Maduro die Macht in Venezuela abgeben müssen, würde Russland einen langjährigen Verbündeten in Lateinamerika verlieren. Der seit Jahren amtierende linksnationalistische Staatschef wird neben Russland auch von China, Nordkorea, der Türkei, Mexiko und Kuba unterstützt.
Maduro: EU unterstützt "rechte Verbündete"
Maduro bekräftigte kurz vor Ablauf der Frist um Mitternacht seine Ablehnung einer neuen Abstimmung. Er sagte am Sonntagabend dem spanischen Sender La Sexta mit Blick auf das Ultimatum, er werde nicht mit "Feigheit" auf den "Druck" reagieren. "Sie versuchen uns mit Ultimaten in die Enge zu treiben", sagte er und warnte vor einer "Konfrontation". Die EU verlange neue Präsidentschaftswahlen in Venezuela, weil bei den letzten Wahlen nicht ihre "rechten Verbündeten" gewonnen hätten.
Maduro fügte hinzu, es würden 50.000 bewaffnete Volkseinheiten in Venezuela gebildet, die das Vaterland verteidigen sollten. "Im Fall eines lokalen, regionalen oder nationalen Konfliktes weiß das Volk, wohin es gehört", betonte er. Bisher ist das Militär Maduros größter Machtfaktor. Die Spitze der Streitkräfte hatte sich fast durchweg hinter ihn gestellt. Aus den unteren Rängen erhält jedoch Guaidó zunehmend Rückhalt. Auch am Montag kündigten weitere Militärs sowie ein Polizeichef des Staates Trujillo ihre Unterstützung für die Opposition an, wie die Tageszeitung "El Nacional" berichtet.
Die USA, die EU und die meisten lateinamerikanischen Länder erkennen Maduros Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Mai 2018 nicht an. Der größte Teil der Opposition hatte den Urnengang boykottiert. Am 10. Januar trat der Linksnationalist Maduro offiziell seine zweite Amtszeit an. In der sich zuspitzenden Krise erklärte sich der oppositionelle Parlamentspräsident Guaidó am 23. Januar zum Übergangspräsidenten. Die USA, Kanada, Israel und eine Reihe lateinamerikanischer Staaten erkannten ihn umgehend an. Das Europaparlament folgte bereits am vergangenen Donnerstag ihrem Beispiel.
sti/ww/kle (afp, dpa, epd)
In Venezuela gehen immer mehr Menschen auf die Straße. Die einen für Präsident Nicolas Maduro, die anderen für seinen Herausforderer Juan Guaido. Die politische Anspannung steigt. Szenen aus einem aufgewühlten Land.
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Der Herausforderer
Ist er der neue starke Mann Venezuelas? Juan Guaido, gerade 35 Jahre alt und bereits Präsident der Nationalversammlung von Venezuela, will das Land in eine neue Zukunft führen. Am 23. Januar erklärte er sich zum venezolanischen Interimspräsidenten - eine mehr als scharfe Herausforderung an den gewählten Amtsinhaber Nicolás Maduro.
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Kampf ums Amt
Maduro selbst stellte am Sonntag klar, er wolle keine Neuwahlen ausrufen, wie von vielen gefordert. Er sieht sich aber einer immer stärkeren Opposition gegenüber. Deren Vertreter werfen ihm vor, für den Niedergang der Wirtschaft verantwortlich zu sein. So leidet die Bevölkerung an einer Inflationsrate von über eine Millionen Prozent. Zudem beschuldigen sie ihn, zunehmend auf Gewalt zu setzen.
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Nicht allein
Trotzdem hat Maduro weiterhin sehr viele Menschen auf seiner Seite. Sie glauben, dass sich nur mit ihm soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit durchsetzen ließen. Ihr Erkennungszeichen ist darum das Rot, die Farbe des Sozialismus. Die rote Masse soll Maduro signalisieren, dass er nicht allein ist.
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Wir sind viele
Aber auch Guaido kann sich auf seine Unterstützer verlassen. Anders als die Anhänger Maduros setzen sie nicht auf eine symbolische Farbe, sondern auf das Rot-Blau-Gelb der venezolanischen Flagge. Ihnen, so die Botschaft, gehe es um das Land und nicht um eine politische Lehre.
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Mangelwirtschaft
Der Hauptgrund für die Proteste: Die Wirtschaft des einst reichen Landes ist in den vergangenen Jahren immer weiter abgerutscht. Durch den niedrigen Ölpreis kommt immer weniger Geld in die Staatskasse. Die allgemeine Kaufkraft schmilzt durch die Inflation dahin. Die Folge: leere Regale fast überall. Um nicht zu verhungern, sind viele Venezolaner bereits ins Ausland geflohen.
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SOS Venezuela
Diese Familie ist - wie viele andere Venezolaner auch - nach Brasilien geflohen. Nachdem sie dort als Flüchtlinge anerkannt wurde, ist die Familie nun auf dem Weg in die Stadt Boa Vista, wo sie zunächst einmal bleiben will. Der Hinweis "SOS Venezuela" auf dem Schild appelliert an die Hilfsbereitschaft der Brasilianer. Die zeigen sich größtenteils solidarisch.
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"Zeit zu handeln"
Für Maduro wird es politisch immer enger. Der US-amerikanische Vizepräsident Mike Pence hat bereits zum Sturz Maduros aufgerufen. "Die Zeit ist gekommen, die Maduro-Diktatur ein für alle Mal zu beenden“, erklärte er vor mehreren Hundert Exil-Venezolanern in Florida. "Dies ist keine Zeit für Dialog. Es ist Zeit zu handeln." Alle Optionen lägen auf dem Tisch, so der amerikanische Vize-Präsident.
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Scharfer Wind aus der EU
Auch seitens der EU bläst Maduro immer stärkerer Wind ins Gesicht. Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Großbritannien, die Niederlande und Belgien wollen Guaido als legitimen Übergangsstaatschef anerkennen. Maduro hat ihr Ultimatum, Neuwahlen auszurufen, ignoriert. Zuvor hatte sich das EU-Parlament dafür ausgesprochen, Juan Guaido als venezolanischen Übergangspräsidenten anzuerkennen.
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Sei nicht ignorant
Dieser Demonstrant fordert seine Landsleute auf, sich noch deutlicher als bislang gegen Maduro zu stellen. "Sei nicht ignorant und auch nicht gleichgültig", steht auf dem Plakat. "Mit deiner Trägheit werden wir die Diktatur nicht besiegen."
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Ein Offizier bezieht Stellung
Auch Teile des Militärs wenden sich von Maduro ab. Jose Luis Silva, Militärattaché Venezuelas in Washington, hat sich offen auf die Seite Guaidos gestellt. "Er ist der einzige rechtmäßige Präsident", sagte der Offizier. In Washington dürften diese Wort sehr gern gehört worden sein.
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Macht des Staates
Noch hat Maduro die Ordnungskräfte auf seiner Seite. Sie gehen entschlossen gegen die Demonstranten vor, von denen einige allerdings ebenfalls nicht vor Gewalt zurückschrecken. Bei den Straßenschlachten sind bereits mehrere Zivilisten getötet worden.
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Kraftprobe
Doch die Demonstranten lassen sich nicht einschüchtern. "Fuerza" (Kraft) hat diese junge Demonstrantin, eine Anhängerin Guaidos, auf ihr Halsband geschrieben. Entschlossen zeigt sich aber auch die Gegenseite. Das Land steht vor einer - womöglich finalen - Kraftprobe.