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DFB-Team: Was ändert sich unter Bundestrainer Jürgen Klopp?

24. Juli 2026

Jürgen Klopp ist neuer Bundestrainer. Was macht der Neue bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft anders als sein Vorgänger? Auf welche Spieler setzt er? Wie wird die Spielweise der DFB-Teams aussehen?

Jürgen Klopp zeigt mit einem Finger und blickt konzentriert geradeaus
Jürgen Klopp soll die deutsche Nationalmannschaft in eine erfolgreiche Zukunft führenBild: Peter Klaunzer/Keystone/picture alliance

Was sind die größten Baustellen im Nationalteam?

"Wir müssen einige Dinge jetzt grundlegend ändern", hatte Jürgen Klopp noch während der Fußball-WM in seiner Rolle als TV-Experte nach dem enttäuschenden Scheitern der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguaygesagt.

Nun, bei seiner Vorstellung als neuer Bundestrainer, meinte er: "Ich werde alles da reinlegen, was mir zur Verfügung steht. Wir müssen jeden Stein umdrehen!", und ergänzte:, dass es seine Aufgabe sei, "eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, die Freude am Fußball hat und hinter der sich die Menschen mit voller Überzeugung versammeln können". 

Baustellen gibt es also auf und neben dem Platz. Rein sportlich sind eine klare Spielweise sowie mehr Tempo und Kreativität im Spielaufbau vonnöten. Die Torwartfrage muss geklärt, außerdem ein in der Weltspitze konkurrenzfähiger Rechtsverteidiger und ein verlässlicher Torjäger gefunden werden.

Neben dem Platz waren unter Julian Nagelsmann zuletzt die Kommunikation und das Vertrauen gestört. Der Ex-Bundestrainer hat mit seiner - offenbar allein getroffenen - Entscheidung, Manuel Neuer zur WM zu reaktivieren, viel Porzellan zerschlagen. Auch seine Auftritte im Fernsehen oder bei Pressekonferenzen, bei denen er Einzelkritik an Spielern übte, haben nicht geholfen.  

Wie wird die Spielweise der Mannschaft aussehen?

Seit Jürgen Klopp in England beim FC Liverpool gearbeitet hat, gibt es auch dort in der Umgangssprache die Vokabel "to gegenpress", weil der Coach sein Gegenpressing mit hohem Anlaufen und direktem, aggressiven Attackieren nach Ballverlusten so propagiert hat. Diese Spielweise wird Klopp sicher auch im Nationalteam etablieren.

Insgesamt steht der 59-Jährige für offensiven und kreativen Fußball und sieht - anders als es beispielsweise Vor-Vorgänger Joachim Löw getan hat - das spanische Spiel mit viel Ballbesitz nicht als Ideal an.

Zwei Dinge kündigte er bei seinem ersten Auftritt als neuer Bundestrainer konkret an: "Wir werden mit Viererkette spielen und wir werden mit Flügeln spielen, denn die Spielmacher der heutigen Zeit sind auf dem Flügel", so Klopp.

Was passiert mit der Generation Kimmich?

Wird es einen kompletten Umbruch und Neuanfang geben, oder nutzt Klopp das Gerüst der aktuellen Nationalmannschaft? Zumindest für einige Spieler aus der Generation über 30 könnte es eng werden. So hat Mittelfeldspieler Pascal Groß mit 35 Jahren wohl keine Zukunft im DFB-Team mehr, auch Innenverteidiger Antonio Rüdiger, mit 33 einer der Ältesten, droht die Aussortierung.

Wer aus der bisher gescheiterten "Generation" um Kapitän Joshua Kimmich (3.v.r.) bleibt im DFB-Kader?Bild: Uwe Kraft/IMAGO

Ansonsten verfügt Klopp über einen breiten Stamm von teilweise recht erfahrenen Spielern zwischen 25 und 31 Jahren, die alle noch für die nächsten beiden Turnierzyklen infrage kommen. Doch auch in dieser Altersklasse dürfte es einige geben, die ab September nicht mehr mit einer Berufung ins DFB-Team rechnen können. Beispielweise bei Leon Goretzka und Leroy Sané (beide 31) wäre es durchaus nachvollziehbar, wenn sie nicht mehr nominiert würden, weil es jüngere (möglicherweise bessere) Alternativen gibt.

Eine der wichtigsten Maßnahmen wird dabei wohl sein, dass Klopp Kapitän Joshua Kimmich wieder auf die Sechser-Position ins defensive Mittelfeld stellt, wo er beim FC Bayern gemeinsam mit Aleksandar Pavlovic ein herausragendes Duo bildet.   

Klopps Gerüst dürfte aus einer noch zu benennenden Nummer eins im Tor, davor Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck in der Innenverteidigung, Kimmich und Pavlovic im defensiven Mittelfeld sowie Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz in der Offensive bestehen - der Rest ist offen.

"Ich habe wahnsinnig viele Ideen", kündigte Klopp an und öffnete auch neuen Spielern die Tür: "Jeder, der berechtigt ist, für die Nationalmannschaft zu spielen, sollte sich Mühe geben. Es ist ein Neustart. Es werden Spieler eine Chance bekommen, die damit noch gar nicht rechnen."

Wer wird die neue Nummer eins im Tor?

Zwischen den Pfosten wird es definitiv einen Wechsel geben. WM-Rückkehrer Neuer hat seinen endgültigen Rücktritt erklärt. Auf welchen der vielen Kandidaten Klopp im Tor setzen wird, ist noch nicht entschieden.

Es würde zum neuen Bundestrainer passen, wenn er auf eine verlässliche, jüngere Nummer eins setzt, die sich in den zwei Jahren bis zur Fußball-EM 2028 einspielen kann, darüber hinaus auch für die WM 2030 zur Verfügung steht und auf höchstem Niveau spielt.

Wird Jonas Urbig nicht nur beim FC Bayern München, sondern auch im Nationalteam der Nachfolger von Manuel Neuer?Bild: Bahho Kara/Kirchner-Media/picture alliance

Oliver Baumann, vor Neuer die Nummer eins, ist mit 36 Jahren dafür eigentlich zu alt. Sein Vorgänger Marc-André ter Stegen hat eine lange Verletzungshistorie und plant in der kommenden Saison einen Neuanfang - möglicherweise bei Ajax Amsterdam. Auch er ist bereits 34. Fünf Jahre jünger ist Alexander Nübel, der die Bundesliga verlassen hat und zu Besiktas Istanbul in die Türkei gewechselt ist.

Möglicherweise bevorzugt Klopp aber auch die ganz junge Variante und baut auf einen Torwart mit weniger Erfahrung, wovon er später dann profitieren kann. Hier wären Jonas Urbig (22) vom FC Bayern München und Noah Atubolu (24) Kandidaten. Atubolu hat den SC Freiburg verlassen, sucht aktuell aber noch nach einem neuen Verein. Spätestens wenn Urbig Neuer als Nummer eins im Bayern-Tor ablöst, scheint er die logische Wahl.

Wer gehört zum Staff?

Klopp bringt mit Peter Krawietz und Pepijn "Pep" Lijnders zwei enge Vertraute als Assistenten mit zum DFB. Krawietz arbeitet im Grunde seit Klopps Mainzer Zeit an dessen Seite, war Co-Trainer in Dortmund und Liverpool. Zuletzt war auch er bei Red Bull tätig. Der Niederländer Lijnders war jahrelang Klopps wichtigster Assistent beim FC Liverpool. Außerdem kommt sein bisheriger Berater Marc Kosicke als Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation dazu.

Mit Pep Lijnders (l.) und Peter Krawietz (2.v.l.) hat Jürgen Klopp (r.) schon beim FC Liverpool zusammengearbeitetBild: Jan Woitas/dpa/picture alliance

Zudem wird mit Ex-Nationalspieler und -Bundesligaprofi Sven Bender ein ehemaliger Spieler Klopps zusätzlicher Assistent. Der defensive Mittelfeldspieler gewann 2011 und 2012 bei Borussia Dortmund mit Klopp als Chefcoach die deutsche Meisterschaft. Er war nach seiner Karriere als Spieler von 2022 bis 2023 beim Deutschen Fußball-Bund Assistenztrainer der U16-Juniorenauswahl. 

Welche Ziele werden ausgegeben?

Wenn es nach dem Deutschen Fußballbund (DFB) geht, soll Deutschland schon bei der Europameisterschaft 2028 in der Lage sein, um den Titel mitzuspielen. Spätestens bei der WM 2030 wäre der Titel das Ziel.

Klopp wollte sich auf so etwas nicht festlegen lassen. Er wolle nicht sagen, dass Deutschland 2030 Weltmeister wird, wolle aber alles dafür tun, "dass wir es werden können". 

"Ich habe Lust, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen wollen, der allen gefällt", so Klopp. Das sei nicht immer sofort erfolgreich, aber er wolle auch mit der Nationalmannschaft etwas schaffen, "dass die Leute nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: Wow! Das war wirklich cool!".

Klopps Trainer-Vita zeigt, dass er überall, wo er tätig war, Erfolg hatte. Das war beim FSV Mainz, bei Borussia Dortmund und beim FC Liverpool so. Allerdings brauchten seine Mannschaften stets ein wenig Anlaufzeit, bevor es reibungslos funktionierte.

Diese Zeit hat Klopp mit der Nationalmannschaft eigentlich nicht. Gleich das erste Spiel im September gegen die Niederlande ist ein Pflichtspiel in der Nations League.

Der Artikel wurde am 24. Juli nach der Vorstellung Jürgen Klopps als neuer Bundestrainer aktualisiert.

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