Mit einer radikalen Erneuerung mit gleich zwei Kadern und 16 möglichen Debütanten startet Klopp in die Fußball-Nations-League. Zudem sendet er ein klares Zeichen gegen rechte Politik in Deutschland.
Seit August 2026 ist Jürgen Klopp Bundestrainer der deutschen Fußball-NationalmannschaftBild: Hannes P. Albert/AFP
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Alles anders, alles neu - das ist die Maßgabe des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp. Doch wird unter ihm auch wirklich alles besser beim DFB-Team? Nach dem Ende von Julian Nagelsmann, der nach der verpatzten Weltmeisterschaft seinen Hut nehmen musste, möchte Klopp nun eine neue - und wieder erfolgreiche - Ära beim Deutschen Fußball-Bund einleiten.
Der Bundestrainer berichtete von "super" Gesprächen mit seinen möglichen Kandidaten für das DFB-Team. "Es bedeutet ihnen allen unglaublich viel, für die Nationalmannschaft zu spielen. Wir haben gemeinsam beschlossen, das wieder sichtbar zu machen."
Mit Basecap und Trainingsjacke betrat Klopp den gut gefüllten Presseraum auf dem DFB-Campus in Frankfurt. Ein knappes "Guten Morgen" in Richtung der wartenden Medienvertreterinnen und Vertreter und dann startete der Bundestrainer mit seiner ersten Kader-Nominierung - und sorgte gleich für ein Novum.
Alte Bekannte nicht mehr dabei
Der 59-Jährige geht mit zwei Kadern in Rekordgröße in seine ersten Spiele mit der DFB-Elf. Das Aufgebot der Fußball-Nationalmannschaft für den Auftakt in der Nations League umfasst insgesamt 44 Spieler, darunter noch 16 WM-Fahrer und gleich 16 Akteure ohne Länderspieleinsatz.
"Die Kaderzusammenstellung hat Spaß gemacht, ich bin ganz happy damit", freute sich Klopp und betonte: "Wir haben ganz viele Fußballtalente gefunden. Ich möchte so viele Spieler wie möglich kennenlernen."
Ganz neu in den beiden Kadern für je zwei Spiele sind Hennes Behrens vom FC Augsburg, die Freiburger Max Rosenfelder, Philipp Treu, Yannik Engelhardt und Derry Scherhant, Bambasé Conté von Hoffenheim, Younes Ebnoutalib von Eintracht Frankfurt, der Stuttgarter Finn Jeltsch, der Elversberger Felix Keidel sowie die Legionäre Vitaly Janelt vom FC Brentford und Mika Baur von Celtic Glasgow.
"Wir sehen was in den Jungs, wir sehen ganz viel Potenzial. Es ist uns ganz viel Talent ins Auge gesprungen", sagte Klopp. "Wir haben nicht geguckt, was haben wir nicht, sondern was haben wir. Ich bin happy mit der Auswahl."
Deniz Undav sorgte bei der Weltmeisterschaft 2026 noch für Tore im DFB-Trikot - jetzt ist er erstmal nicht mehr dabeiBild: Markus Ulmer/Pressefoto Ulmer/picture alliance
Dafür verzichtet Klopp neben Deniz Undav und Leroy Sané auch auf Oliver Baumann, den verletzten Leon Goretzka, Pascal Groß, den angeschlagenen Angelo Stiller oder Jamie Leweling. Manuel Neuer und Antonio Rüdiger waren nach dem neuerlichen WM-Desaster zurückgetreten.
Noch 15 Turnierverlierer um Kapitän Joshua Kimmich sind dabei. Und gleich fünf Torhüter, darunter erstmals seit 15 Monaten auch wieder die alte und neue Nummer 1 Marc-André ter Stegen, der aktuell bei Ajax Amsterdam unter Vertrag steht. "Er ist fit und bringt die notwendige Erfahrung mit", erklärte Klopp. "Es wird aber immer von der Leistung abhängig sein. Wir haben keinerlei Torhüterproblem."
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Klopp: "Wollen uns gerne die Fahne zurückholen"
Neben den sportlichen Themen wurde der neue Bundestrainer auch politisch und nutzte die Pressekonferenz auch für eine Grundsatzrede gegen rechts und für "positiven Patriotismus."
Bundestrainer Jürgen Klopp möchte die deutsche Fahne wieder mit positiven Eigenschaften verbindenBild: Maximilian Koch/picture alliance
"Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen", sagte Klopp. "Ich möchte, dass wir sie immer so schwingen, dass niemand denkt, was mit dir nicht in Ordnung ist. Sondern dass man einfach nur das Gefühl hat, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen und zugezogen bist."
Er sei "kein Fachmann" für Politik, aber er wolle "Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen. Aber ich weiß nicht mehr, ob man das Wort überhaupt so benutzen kann, darf. Ohne dass das falsch verstanden wird."
Der Fußball sei dann dazu da, die Stimmung aufzuhellen. "Es ist wichtiger, dass wir Ärzte haben. Es ist wichtiger, dass wir Pflegepersonen haben. Es ist wichtiger, dass wir ganz, ganz viele Menschen in ganz vielen Berufen haben." Der Fußball könne hier aber "ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln, dass wir wirklich die Kraft des Sports spüren."
Das wichtigste Traineramt im deutschen Fußball wird ab sofort von Jürgen Klopp bekleidet. Der Nachfolger von Julian Nagelsmann ist der 13. Bundestrainer in der Historie der deutschen Nationalelf.
Bild: Markus Ulmer/Ulmer/Teamfoto/IMAGO
Otto Nerz (1926 - 1936)
Obwohl die deutsche Nationalmannschaft seit 1908 Länderspiele austrägt, gibt es erst 1927 die erste Partie mit hauptamtlichem Trainer: Otto Nerz (3.v.l.), Arzt, Pädagoge und früher selbst Fußballer, führt die Nationalmannschaft zu ersten Erfolgen: So holt das DFB-Team 1934 bei der WM in Italien einen überraschenden dritten Platz.
Bild: dpa/picture alliance
Sepp Herberger (1936 - 1942 /1950 - 1964)
Sepp Herberger ist schon in der Nazi-Zeit sechs Jahre lang Reichstrainer der Nationalmannschaft. Fünf Jahre nach Kriegsende wird er erster Bundestrainer. Seine Mannschaft um Kapitän Fritz Walter gewinnt 1954 überraschend die Weltmeisterschaft - das "Wunder von Bern". An diesen Erfolg kann Herberger, der "Chef", der der Welt viele Fußball-Weisheiten hinterlässt, später aber nicht mehr anknüpfen.
Bild: sportfotodienst/imago images
Helmut Schön (1964 - 1978)
Herberger übergibt das Amt an seinen langjährigen Assistenten. Schön (r.) führt anders als sein Vorgänger: Die Spieler werden einbezogen und dürfen mitbestimmen. Sie danken es ihm durch gute Ergebnisse. Deutschland wird 1966 Vize-Weltmeister, 1972 Europameister, 1974 Weltmeister (Foto) und 1976 Vize-Europameister. "Der Mann mit der Mütze" ist der einzige Bundestrainer, der WM und EM gewinnen kann.
Bild: sportfotodienst/imago images
Jupp Derwall (1978 - 1984)
Nach der Ära Schön, die nach der WM 1978 endet, wird erneut der vorherige Assistent als Chef installiert. Jupp Derwall startet mit 23 Spielen ohne Niederlage und gewinnt gleich sein erstes Turnier, die EM 1980. Bei der WM 1982 kommt er mit dem DFB-Team ins Finale. Doch als sich nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 1984 die Boulevardpresse auf ihn stürzt, tritt "Häuptling Silberlocke" entnervt zurück.
Bild: Magic/imago images
Franz Beckenbauer (1984 - 1990)
Es übernimmt Boulevard-Liebling Franz Beckenbauer - allerdings als Teamchef, weil er keine Trainerlizenz besitzt. Bundestrainer unter dem "Kaiser" sind zunächst Horst Köppel, später Holger Osieck. Beckenbauer erreicht 1986 in Mexiko das WM-Finale, enttäuscht 1988 bei der Heim-EM mit dem Halbfinal-K.o. gegen die Niederlande - und krönt seine Amtszeit schließlich mit dem Weltmeister-Titel 1990.
Bild: picture-alliance/dpa/M. Hellmann
Berti Vogts (1990 - 1998)
Der Ex-Gladbacher bekommt ein schweres Erbe mit: "Deutschland wird auf Jahre unschlagbar sein", prophezeit Vorgänger Beckenbauer. Vogts muss einen Mix aus BRD- und DDR-Spielern finden. Nach dem EM-Finale 1992 (1:2 gegen Dänemark) enttäuscht das Team mit dem Viertelfinal-Aus gegen Bulgarien bei der WM 1994. Der EM-Titel 1996 versöhnt die Fans. Die WM 1998 endet wieder zu früh - und Vogts hört auf.
Bild: Oliver Multhaup/dpa/picture alliance
Erich Ribbeck (1998 - 2000)
Bin ich Bundestrainer oder du? Die Verpflichtung von Erich Ribbeck (r.) verläuft holprig. Der DFB kann sich nicht entscheiden. Erst wird Paul Breitner ausgewählt, die Idee aber schnell wieder verworfen. Der spätere Co-Trainer Uli Stielike (l.) sagt zu und ist dann überrascht, dass nicht er Bundestrainer ist, sondern Ribbeck. Erfolgreich ist die kurze Ära auch nicht: Vorrunden-Aus bei der EM 2000.
Bild: Bernd Weissbrod/dpa/picture alliance
Rudi Völler (2000 - 2004)
Nach Ribbeck geht das Chaos weiter: Christoph Daum soll Bundestrainer werden, stolpert aber über eine Kokain-Affäre. Rudi Völler springt als Teamchef ein - Bundestrainer ist Michael Skibbe - und führt das DFB-Team 2002 ins WM-Finale. "Es gibt nur ein'n Rudi Völler", singen die Fans. Fußballerisch ist das DFB-Team nicht brillant. Nach dem frühen EM-Aus 2004 stellt Völler sein Amt zur Verfügung.
Bild: Ulmer/imago images
Jürgen Klinsmann (2004 - 2006)
Danach weht ein frischer Wind. Jürgen Klinsmann sorgt für Aufbruchstimmung: junge Spieler, rote Trikots, mutiger Fußball. Die Mannschaft überzeugt beim Confed-Cup 2005 und schreibt ein Jahr später mit Platz drei bei der Heim-Weltmeisterschaft das "Sommermärchen". Deutschland feiert sein Team - das hat es lange nicht gegeben. Doch im Moment des Erfolgs tritt Klinsmann auch schon wieder ab.
Bild: Ulmer/imago images
Joachim Löw (2006 - 2021)
Klinsmann-Nachfolger Joachim Löw führt den gemeinsamen Stil fort und feiert Achtungserfolge: EM-Finale 2008, WM-Dritter 2010. Allerdings steht Löw nach dem Halbfinal-Aus bei der EM 2012 gegen Italien in der Kritik und auf der Kippe. Löw bleibt und wird 2014 in Brasilien Weltmeister. Nach dem WM-Vorrunden-Aus 2018 in Russland wird es erneut eng. Vor der EM 2021 kündigt Löw seinen Rücktritt an.
Bild: picture-alliance/dpa/S. Suki
Hansi Flick (2021 - 2023)
Im Mai 2021 wird Hansi Flick Nachfolge Löws, mit dem er 2014 als Co-Trainer in Brasilien Weltmeister wird. Flicks Vertrag beginnt nach der EM 2020 und läuft bis zur Heim-EM 2024. Doch sein erstes großes Turnier, die WM in Katar, ist bereits nach der Vorrunde beendet. Nach schlechten Ergebnissen im Jahr 2023 zieht der DFB die Reißleine und entlässt den einstigen Erfolgstrainer des FC Bayern.
Bild: Christian Charisius/dpa/picture alliance
Julian Nagelsmann (2023 - 2026)
Nach Flicks Ausscheiden dauert es nicht lange, bis der DFB mit dem Ex-Bayern-Trainer seinen Wunschkandidaten verpflichtet. Der mit 36 Jahren jüngste Bundestrainer der Verbandshistorie erfüllt seine erste Mission und spielt eine erfolgreiche EURO 2024 im eigenen Land. Sein Vertrag wird mehrfach verlängert: zuletzt bis zur EM 2028. Allerdings erfolgt nach der WM-Pleite 2026 jäh das Aus.
Bild: picture alliance/osnapix
Jürgen Klopp (seit 2026)
Schon vor der Trennung von Nagelsmann kursiert sein Name als Wunschnachfolger des DFB. Bis zur endgültigen Unterschrift vergeht aber noch ein bisschen Zeit. Klopp wird schließlich dreieinhalb Wochen nach dem WM-Aus vorgestellt. Er erhält einen Vertrag bis 2030 und soll die Nationalmannschaft wieder zu einem Titelanwärter machen.