Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat einen neuen Cheftrainer: Wie erwartet tritt Jürgen Klopp die Nachfolge von Julian Nagelsmann an und muss nach der schwachen Fußball-WM große Erwartungen erfüllen.
Jürgen Klopp wird neuer Bundestrainer und erhält einen Vertrag bis zur nächsten Fußball-WM im Jahr 20230Bild: Jennifer Brückner/dpa/picture alliance
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"Es ist eine große Ehre hier heute zu sitzen. Wenn man mit dem Amt des Bundestrainers in Verbindung gebracht wird, fühlt man die Größe und die Verantwortung, die dahintersteckt, nochmal mehr", sagte Jürgen Klopp, und seine Vorfreude auf den neuen Job bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war ihm deutlich anzusehen.
Nachdem bereits längerer Zeit mehr oder weniger klar war, dass Klopp der Nachfolger von Julian Nagelsmann werden sollte, wurde er nun in der Zentrale des Deutschen Fußballbundes (DFB) auch offiziell vorgestellt.
"Jürgen und wir haben sehr intensiv gesprochen. Er war von Anfang an unsere Wunschlösung. Er ist voller Energie und hat große Lust", erklärte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. "Wir streben mit Jürgen Klopp eine langfristige Zusammenarbeit. Der Vertrag läuft bis 2030, also bis zur nächsten Fußball-Weltmeisterschaft."
Klopp, der bislang bei Red Bull als Head of Global Soccer tätig war, löste seinen bis 2029 geltenden Vertrag mit dem Getränkekonzern auf. Statt einer Ablösesumme spendet der DFB eine Million Euro an die Red-Bull-Stiftung "Wings of Life". Zudem wird Leipzig in den kommenden Jahren dreimal Austragungsort von Länderspielen werden.
Keine Aussagen zu Spielern - Warnung an die Medien
Zu Personalien oder Taktik sagte Klopp noch nichts, kündigte immerhin aber schon zwei Dinge an: "Wir werden mit Viererkette spielen und wir werden mit Flügeln spielen, denn die Spielmacher der heutigen Zeit sind auf dem Flügel", so Klopp.
"Es werden Spieler Möglichkeiten bekommen, die jetzt möglicherweise noch gar nicht damit rechnen, weil ich gerne mutig bin. Ich habe Lust, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen wollen, der allen gefällt."
Das sei nicht immer sofort erfolgreich, aber - so Klopp - er wolle auch mit der Nationalmannschaft etwas schaffen, "dass die Leute nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: Wow! Das war wirklich cool!".
Jürgen Klopp (2.v.r.) mit DFB-Präsident Neuendorf (l.), DFB-Sportdirektor Rudi Völler (2.v.l.) und DFB-Vizepräsident Watzke (r.)Bild: Florian Wiegand/dpa/picture alliance
Er habe in seiner Zeit als Trainer des FSV Mainz 05, bei Borussia Dortmund und beim FC Liverpool dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann. Und er glaube, "dass Fußball auch ein Land verändern kann".
Seinen ersten Auftritt als Bundestrainer nutzte Klopp aber auch gleich für eine klare Ansage an die Medien. "Ich übernehme den Job, obwohl ich mitbekommen habe, wie ihr mit Julian [Nagelsmann] umgegangen seid", sagte er und blickte ausnahmsweise sehr ernst in den gut gefüllten Pressesaal. "Wenn ihr euch danebenbenehmt oder meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg."
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Vier Assistenten und Mertesacker als neuer Geschäftsführer
Als Assistenten bekommt Klopp seine alten Vertrauten Peter Krawietz und Pepijn "Pep" Lijnders an die Seite gestellt, mit denen er bereits seit Jahren zusammenarbeitet. Zudem bringt Klopp seinen Berater Marc Kosicke mit, den er als "Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation" einsetzen wird.
Neu hinzu kommt mit Sven Bender ein Ex-Spieler aus Dortmunder Zeiten. Bender gewann 2011 und 2012 unter Klopp mit Borussia Dortmund unter anderem zwei deutsche Meisterschaften. Er war von 2022 bis 2023 beim DFB Assistenztrainer der U16-Juniorenauswahl.
Sven Bender (l.) spielte von 2009 bis 2017 beim BVB - bis 2015 war Jürgen Klopp (r.) dort sein TrainerBild: Kevin Kurek/dpa/picture alliance
Auch eine Etage höher ändert sich eine Personalie. Während DFB-Sportdirektor Rudi Völler der Nationalmannschaft erhalten bleibt, hatte Andreas Rettig, der Geschäftsführer Sport, angekündigt, zum Jahresende auszuscheiden.
Er wird durch den ehemaligen Nationalspieler Per Mertesacker ersetzt. Mertesacker war 2014 als Spieler mit Deutschland Weltmeister geworden. Nach seiner aktiven Zeit hatte er die Nachwuchsakademie des FC Arsenal in London geleitet.
Lange Länderspielphase mit vier Partien zum Auftakt
Zum Start stehen für den neuen Bundestrainer und seine Mannschaft direkt vier Pflichtspiele an. In der UEFA Nations League spielt Deutschland zunächst auswärts gegen die Niederlande (24. September) und trifft dann zu Hause auf Griechenland (27. September). Es folgen ein Auswärtsspiel in Serbien (1. Oktober) und ein Heimspiel gegen die Griechen (4. Oktober).
Dass es in einer Länderspielpause gleich vier Partien gibt, ist ungewöhnlich. Bislang wurde die Fußball-Bundesliga nur für zwei Partien unterbrochen und setzte ein Wochenende lang aus. Diesmal finden vom 20. September bis zum 9. Oktober keine Bundesligaspiele statt. Diese längere, dreiwöchige Ligapause wurde in diesem Jahr vom Fußball-Weltverband FIFA neu eingeführt. Die Regelung gilt zunächst bis 2030.
Was viele Bundesliga-Fans nervt, kann für Klopp ein Segen sein. So hat er seinen Kader gleich zu Beginn längere Zeit zusammen, kann viele gemeinsame Trainingseinheiten absolvieren und intensiver mit der Mannschaft arbeiten, als es früher möglich gewesen wäre.
Das wichtigste Traineramt im deutschen Fußball wird ab sofort von Jürgen Klopp bekleidet. Der Nachfolger von Julian Nagelsmann ist der 13. Bundestrainer in der Historie der deutschen Nationalelf.
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Otto Nerz (1926 - 1936)
Obwohl die deutsche Nationalmannschaft seit 1908 Länderspiele austrägt, gibt es erst 1927 die erste Partie mit hauptamtlichem Trainer: Otto Nerz (3.v.l.), Arzt, Pädagoge und früher selbst Fußballer, führt die Nationalmannschaft zu ersten Erfolgen: So holt das DFB-Team 1934 bei der WM in Italien einen überraschenden dritten Platz.
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Sepp Herberger (1936 - 1942 /1950 - 1964)
Sepp Herberger ist schon in der Nazi-Zeit sechs Jahre lang Reichstrainer der Nationalmannschaft. Fünf Jahre nach Kriegsende wird er erster Bundestrainer. Seine Mannschaft um Kapitän Fritz Walter gewinnt 1954 überraschend die Weltmeisterschaft - das "Wunder von Bern". An diesen Erfolg kann Herberger, der "Chef", der der Welt viele Fußball-Weisheiten hinterlässt, später aber nicht mehr anknüpfen.
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Helmut Schön (1964 - 1978)
Herberger übergibt das Amt an seinen langjährigen Assistenten. Schön (r.) führt anders als sein Vorgänger: Die Spieler werden einbezogen und dürfen mitbestimmen. Sie danken es ihm durch gute Ergebnisse. Deutschland wird 1966 Vize-Weltmeister, 1972 Europameister, 1974 Weltmeister (Foto) und 1976 Vize-Europameister. "Der Mann mit der Mütze" ist der einzige Bundestrainer, der WM und EM gewinnen kann.
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Jupp Derwall (1978 - 1984)
Nach der Ära Schön, die nach der WM 1978 endet, wird erneut der vorherige Assistent als Chef installiert. Jupp Derwall startet mit 23 Spielen ohne Niederlage und gewinnt gleich sein erstes Turnier, die EM 1980. Bei der WM 1982 kommt er mit dem DFB-Team ins Finale. Doch als sich nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 1984 die Boulevardpresse auf ihn stürzt, tritt "Häuptling Silberlocke" entnervt zurück.
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Franz Beckenbauer (1984 - 1990)
Es übernimmt Boulevard-Liebling Franz Beckenbauer - allerdings als Teamchef, weil er keine Trainerlizenz besitzt. Bundestrainer unter dem "Kaiser" sind zunächst Horst Köppel, später Holger Osieck. Beckenbauer erreicht 1986 in Mexiko das WM-Finale, enttäuscht 1988 bei der Heim-EM mit dem Halbfinal-K.o. gegen die Niederlande - und krönt seine Amtszeit schließlich mit dem Weltmeister-Titel 1990.
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Berti Vogts (1990 - 1998)
Der Ex-Gladbacher bekommt ein schweres Erbe mit: "Deutschland wird auf Jahre unschlagbar sein", prophezeit Vorgänger Beckenbauer. Vogts muss einen Mix aus BRD- und DDR-Spielern finden. Nach dem EM-Finale 1992 (1:2 gegen Dänemark) enttäuscht das Team mit dem Viertelfinal-Aus gegen Bulgarien bei der WM 1994. Der EM-Titel 1996 versöhnt die Fans. Die WM 1998 endet wieder zu früh - und Vogts hört auf.
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Erich Ribbeck (1998 - 2000)
Bin ich Bundestrainer oder du? Die Verpflichtung von Erich Ribbeck (r.) verläuft holprig. Der DFB kann sich nicht entscheiden. Erst wird Paul Breitner ausgewählt, die Idee aber schnell wieder verworfen. Der spätere Co-Trainer Uli Stielike (l.) sagt zu und ist dann überrascht, dass nicht er Bundestrainer ist, sondern Ribbeck. Erfolgreich ist die kurze Ära auch nicht: Vorrunden-Aus bei der EM 2000.
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Rudi Völler (2000 - 2004)
Nach Ribbeck geht das Chaos weiter: Christoph Daum soll Bundestrainer werden, stolpert aber über eine Kokain-Affäre. Rudi Völler springt als Teamchef ein - Bundestrainer ist Michael Skibbe - und führt das DFB-Team 2002 ins WM-Finale. "Es gibt nur ein'n Rudi Völler", singen die Fans. Fußballerisch ist das DFB-Team nicht brillant. Nach dem frühen EM-Aus 2004 stellt Völler sein Amt zur Verfügung.
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Jürgen Klinsmann (2004 - 2006)
Danach weht ein frischer Wind. Jürgen Klinsmann sorgt für Aufbruchstimmung: junge Spieler, rote Trikots, mutiger Fußball. Die Mannschaft überzeugt beim Confed-Cup 2005 und schreibt ein Jahr später mit Platz drei bei der Heim-Weltmeisterschaft das "Sommermärchen". Deutschland feiert sein Team - das hat es lange nicht gegeben. Doch im Moment des Erfolgs tritt Klinsmann auch schon wieder ab.
Bild: Ulmer/imago images
Joachim Löw (2006 - 2021)
Klinsmann-Nachfolger Joachim Löw führt den gemeinsamen Stil fort und feiert Achtungserfolge: EM-Finale 2008, WM-Dritter 2010. Allerdings steht Löw nach dem Halbfinal-Aus bei der EM 2012 gegen Italien in der Kritik und auf der Kippe. Löw bleibt und wird 2014 in Brasilien Weltmeister. Nach dem WM-Vorrunden-Aus 2018 in Russland wird es erneut eng. Vor der EM 2021 kündigt Löw seinen Rücktritt an.
Bild: picture-alliance/dpa/S. Suki
Hansi Flick (2021 - 2023)
Im Mai 2021 wird Hansi Flick Nachfolge Löws, mit dem er 2014 als Co-Trainer in Brasilien Weltmeister wird. Flicks Vertrag beginnt nach der EM 2020 und läuft bis zur Heim-EM 2024. Doch sein erstes großes Turnier, die WM in Katar, ist bereits nach der Vorrunde beendet. Nach schlechten Ergebnissen im Jahr 2023 zieht der DFB die Reißleine und entlässt den einstigen Erfolgstrainer des FC Bayern.
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Julian Nagelsmann (2023 - 2026)
Nach Flicks Ausscheiden dauert es nicht lange, bis der DFB mit dem Ex-Bayern-Trainer seinen Wunschkandidaten verpflichtet. Der mit 36 Jahren jüngste Bundestrainer der Verbandshistorie erfüllt seine erste Mission und spielt eine erfolgreiche EURO 2024 im eigenen Land. Sein Vertrag wird mehrfach verlängert: zuletzt bis zur EM 2028. Allerdings erfolgt nach der WM-Pleite 2026 jäh das Aus.
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Jürgen Klopp (seit 2026)
Schon vor der Trennung von Nagelsmann kursiert sein Name als Wunschnachfolger des DFB. Bis zur endgültigen Unterschrift vergeht aber noch ein bisschen Zeit. Klopp wird schließlich dreieinhalb Wochen nach dem WM-Aus vorgestellt. Er erhält einen Vertrag bis 2030 und soll die Nationalmannschaft wieder zu einem Titelanwärter machen.