DFB-Team: Warnschuss zur rechten Zeit
26. Juni 2026
Bundestrainer Julian Nagelsmann wusste nicht so recht wohin mit sich. Immer wieder beackerte er die gesamte Fläche seiner Coachingzone, versuchte seine Spieler auf dem Platz zu erreichen oder feuerte sein Team lautstark an. Nach knapp einer Stunde versuchte er mit Einwechslungen, unter anderem von Matchwinner Deniz Undav, positiven Einfluss auf das Spiel zu nehmen.
Doch seine Umstellungen blieben ohne Erfolg. Am Ende musste er zusehen, wie seine Mannschaft durch das 1:2 (1:1) gegen Ecuador die erste Niederlage bei dieser WM einsteckte. Das DFB-Team geht jedoch dank der Siege gegen Curacao und die Elfenbeinküste trotz dieser Pleite als Gruppenerster in die K.o.-Phase der Weltmeisterschaft. "Es war ärgerlich, dass wir den Gegner wieder reinholen. Wir haben sie selbst ins Spiel zurückgeholt", analysierte Nagelsmann den Auftritt seiner Mannschaft bei Magenta TV.
"Es war ein bisschen zu viel Freestyle nach der Führung. Für den Gegner ging es um alles, die haben eine gute Körperlichkeit reingebracht. Wir müssen uns ein bisschen mehr Ruhe geben und ein bisschen weniger in jeder Aktion ein Tor schießen wollen."
Nach dem zweitschnellsten Treffer in der deutschen WM-Historie durch Leroy Sané nach 1:49 Minuten drehten Nilson Angulo (9. Minute) und Gonzalo Plata (77.) die Partie zu Gunsten der Südamerikaner, die nach dem ersten Turniersieg das Weiterkommen ausgelassen bejubelten.
Kimmich: "Es war eine verdiente Niederlage"
Der bislang schwächste Auftritt der DFB-Auswahl vor knapp 81.000 Zuschauern vertrieb erstmal alle Träume von einer New-York-Rückkehr beim Endspiel am 19. Juli. Die Defensive um Abwehrchef Jonathan Tah wackelte in der zweiten Hälfte bedenklich. Auch Rekordtorwart Manuel Neuer agierte beim zweiten Gegentor viel zu zögerlich. Und in der Offensive fehlten klare Aktionen und das nötige Durchsetzungsvermögen.
"In der zweiten Halbzeit war es dann eine verdiente Niederlage. Zum Glück ist noch nichts passiert", sagte Kapitän Joshua Kimmich, der aber zuversichtlich auf die kommenden Aufgaben blickte: "Wir dürfen uns keine Niederlage mehr erlauben, das ist klar. Wir dürfen nicht jedes Spiel ein, zwei Gegentore bekommen. Wir müssen die Ballverlust-Quote minimieren, dann können wir jeden schlagen."
Wenig Zeit für Anpassungen
Für den eigenwechselten Undav gilt es jetzt aus der Niederlage, aber vor allem aus der Art und Weise, wie die deutsche Mannschaft aufgetreten ist, die richtigen Schlüsse zu ziehen. "Ich hatte das Gefühl, dass sie es mehr wollten als wir. Ecuador war griffiger, ekliger. Daraus müssen wir lernen, dass wir auch alles reinschmeißen", sagte der Torjäger.
"Die haben in jeder Aktion 100 Prozent gegeben, waren in jedem Zweikampf drin. Wir waren auch nicht so zielstrebig wie in den ersten beiden Spielen. Da müssen wir uns mehr wehren. Aber es ist nicht die Welt untergegangen", so Undav.
Viel Zeit für Anpassungen bleibt dem Bundestrainer nicht, denn schon am Montag wartet das Sechzehntelfinale gegen einen noch unbekannten Gruppendritten in Foxborough. In einem möglichen Achtelfinale am 4. Juli gegen Vize-Weltmeister Frankreich oder Norwegen würde es dann noch schwerer werden.