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Die deutschen Hadschis

Sarah Mersch22. Dezember 2007

Einmal im Leben nach Mekka - der Hadsch ist für Muslime eine Pflicht. Auch Pilger aus Deutschland machen sich auf den Weg zur heiligsten Stätte des Islam. Es mehr als nur eine Reise, es ist ein neuer Lebensabschnitt.

Millionen Muslime umrunden die Kabaa (27.12.2007, Quelle: AP)
Millionen Muslime umrunden die Kabaa im Innenhof der Großen Moschee in MekkaBild: AP

Nadir Moubarrid ist Deutscher, seine Eltern stammen aus Marokko. Sechs Mal in seinem Leben ist er bereits nach Mekka gereist. Vor den Reisen macht er sich immer wieder eines bewusst: nach Mekka zu pilgern ist kein Urlaub. "Das ist keine TUI-Reise, das ist keine Neckermann-Reise, es ist kein Billigangebot - sondern die Reise des Lebens", meint Nadir. Seit fünf Jahren begleitet der Student aus Bonn auch Reisegruppen auf der Pilgerfahrt. Das saudische Hadsch-Ministerium vergibt dafür Kontingente – damit nicht zu viele Menschen auf einmal in die heilige Stadt schwärmen. Mehrere Millionen kommen so jedes Jahr mit speziellen Reiseveranstaltern, die sich um Transport, Visum und Unterkunft kümmern. Von Deutschland aus zahlen sie dafür rund 2500 Euro.

Fehlende Vorbereitung?

"Vielen fehlt die innere Vorbereitung"Bild: AP

Vorbei sind die Zeiten, als sich die Gläubigen Wochen im Voraus auf den Weg machten, in Karawanen beschwerliche Wege zurücklegten, um ihrer religiösen Pflicht nachzukommen. Während der langen Anreise allerdings bereiteten sie sich auch gedanklich darauf vor, was sie in Mekka erwartet. Heute dauert die Reise mit dem Flugzeug nur ein paar Stunden. Bei vielen Menschen fehle die intensive Auseinandersetzung mit dem Hadsch im Vorfeld, mit den Ritualen und der eigenen Erwartung an die Pilgerfahrt, bemerkt Nadir: "Ich habe oft Leute erlebt, die hier in Deutschland ins Flugzeug eingestiegen sind, dann in Jeddah oder Medina oder Mekka körperlich ankommen, mental aber noch immer in Deutschland sind."

Energie tanken durch Neuanfang

Für Pilger beginnt mit der Reise ein neuer LebensabschnittBild: AP

Einmal angekommen tauschen die Pilger ihre Alltagskleider gegen einfache, weiße Leinenbekleidung. Egal aus welchem Land oder welcher sozialen Schicht die Muslime kommen, in den kommenden Tage soll das für die Gläubigen keine Rolle spielen: Sie begeben sich in den Ihram, den Weihezustand. Sie sollen den Alltag für die folgenden Tage hinter sich lassen, sich ganz auf die Religion besinnen. Doch wie bereitet man sich darauf vor? "Indem man sich darüber bewusst wird, dass man die Pilgerfahrt als eine Möglichkeit nutzen kann, die Verbindung zu seinem Schöpfer wieder neu zu gestalten, einen Neuanfang zu machen", meint Nadir. Für ihn ist die Hadsch eine Reise, auf der er Energie tanken kann, indem er den Kontakt zu seinem Schöpfer intensiviert.


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