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Die Geschichte von "Silicon Wedding"

Voltastraße, Berlin-Wedding. Seit 1992 Sitz von DW-TV. Ein Standort mit Geschichte. Jürgen Meyer-Kronthaler blätterte in den Archiven.

Blick über die Dächer von Wedding in BerlinBild: dpa

Der Name des Bezirks leitet sich ab von dem Namen eines askanischen Burgherren: Rudolfus de Weddinge besaß an dem Flüsschen Panke Hof und Mühle. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1251 war das Dorf Wedding zwar bereits untergegangen, der Name erhielt sich jedoch für die Umgebung. 1861 wurde Wedding zu Berlin eingemeindet. In der Folgezeit entwickelte sich das Gebiet rasch zu einem bedeutenden Industriestandort.

Der finanzstarke Berliner Unternehmer und Spekulant Bethel Henry Strousberg ließ 1868 das Gelände um den heutigen "Technologie- und Innovationspark Berlin" (TIB), südlich des Humboldthains, bebauen - mit Schlachthausanlagen, Stallungen, einem Börsengebäude für den Viehhandel und einem eigenen Güterbahnhof. Der 1870 eröffnete, 30 Hektar große Viehmarkt musste von Strousberg schon 1872 wegen finanzieller Engpässe verkauft werden; 1877 baute die Stadt Berlin einen eigenen Schlachthof am damaligen Nordostrand der Stadt. Das Gelände in Wedding und seine Baulichkeiten erhielten um 1878 dann eine Nutzung als Lagerstätten für verschiedene kleinere Firmen wie beispielsweise Kohlenhändler.

Industriebauten aus rotem Backstein

Später kaufte die "Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft" (AEG) das Gelände nördlich der Voltastraße auf. Ab 1895 entstanden hier die markanten Industriebauten aus rotem Backstein, die einst das gesamte Karree beherrschten und zwischen denen DW-tv, hervorgegangen aus RIAS-tv, sein Domizil gefunden hat. Hier befand sich der Stammbetrieb der AEG, erbaut nach Plänen des Architekten Prof. Peter Behrens (1868-1940), der als richtungweisender Industriearchitekt jener Zeit angesehen werden kann und in seiner Tätigkeit als industrieller Formgestalter heute als Technik-Designer bezeichnet werden dürfte.

Ein viel fotografiertes Wahrzeichen dieses Straßenkarrees im Berliner Norden ist das 1896/97 errichtete markante Eingangsportal an der Brunnenstraße. Es stammt von dem Geheimen Hofbaurat Franz Schwechten, einem "kölsche Jung", der in seiner Heimatstadt die Hohenzollernbrücke, in Berlin u.a. den Anhalter Bahnhof und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche erbaute.

Im Juli 1896 erhielt auch die Voltastraße ihren Namen. Der italienische Physiker Alessandro Graf Volta, vor über 250 Jahren geboren, diente als Namengeber. Die AEG entwickelte sich in der Folgezeit zu einem Industrie-Giganten. In der Produktionsstätte Berlin wurden u.a. Großmaschinen sowie kleine Motoren und Dynamomaschinen hergestellt. In einer der Werkshallen befindet sich heute das Studio 3, das größte der DW-Fernsehstudios.

Paul Kleihues schloß die Baulücke

1920 wurde Wedding zu einem der seinerzeit 20, heute 12 Berliner Verwaltungsbezirke. Nach einer kurzen Blüte nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich gegen 1975 der Untergang der AEG ab. 1984 verließ der Konzern den Bezirk Wedding. Er hatte Hochleistungstechnik verkörpert - heute dominiert hier Hochtechnologie. Neben den neuen Gebäuden von Siemens-Nixdorf und weiteren Neubauten, so der Berliner Bankgesellschaft AG, haben viele kleinere Unternehmen, als Nachbarn von DW-tv, hier im "Berliner Innovations- und Gründungszentrum" (BIG) ihren Sitz. Mehrere tausend Arbeitsplätze entstanden in den letzten anderthalb Jahrzehnten.

Noch 1994 klaffte eine Baulücke in der beeindruckenden Fassadenfront an der Voltastraße. Seit November 1996 ist sie geschlossen: Der international renommierte, 2004 verstorbene Berliner Architekt Prof. Josef Paul Kleihues entwarf das elfstöckige Bürogebäude, das sich harmonisch in die Behrens'schen Baukomplexe einfügt. Gekrönt wird das in Stahlbeton-Skelettbauweise errichtete Gebäude von mehreren beeindruckenden Satellitenschüsseln auf seinem Dach, dessen größter einen Durchmesser von sieben Metern aufweist.

DW-TV stellt einen wichtigen Faktor im Spektrum der hier angesiedelten Unternehmen dar - seit dem Sendestart im April 1992, als das hier seit 1988 ansässige RIAS-tv übernommen wurde. Auf dem geschichtsträchtigen Gelände in Berlin-Wedding bildete sich in den letzten Jahren ein Dreiklang aus Wissenschaft, Forschung und High-Tech-Trend heraus. Der Berliner spricht deshalb auch, in Anspielung auf das berühmte kalifornische Valley, vom "Silicon Wedding".