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Die Hitzewelle in Europa ist kein normales Sommerwetter

Jennifer Collins
26. Juni 2026

Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat zu einem Anstieg der Temperaturen geführt - das macht die derzeitige Rekordhitze bis zu 4 Grad Celsius heißer als "normale" Hitzewellen.

Frankreich Paris 2026 | Person kühlt sich an Sprühnebel-Anlage während Hitzewelle ab
Bild: Alice Sacco/REUTERS

Heiße Sommer sind in einigen europäischen Ländern keine Seltenheit, doch die aktuelle tödliche Rekordhitze, die Stromausfälle verursacht, Schulschließungen erzwingt und tagelang anhält, ist "außergewöhnlich", wie eine neue Studie ergab. Auch ohne Klimawandel würden Teile Europas derzeit wahrscheinlich eine Hitzewelle erleben. Doch sie würde eher den "gewöhnlichen" Wetterlagen auf dem Kontinent entsprechen.

Eine Analyse von ClimaMeter, einer wissenschaftlichen Plattform, die extreme Wetterereignisse untersucht, kommt zu dem Ergebnis: Der globale Temperaturanstieg, der mit der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas verbunden ist, hat die Hitzewelle um 2 bis 4 Grad Celsius (3,6 bis 7,2 Grad Fahrenheit, ° F) heißer gemacht, damit ist sie "außergewöhnlich".

Bereits im Mai waren in Europa für den Frühling beispiellos warme Temperaturen gemessen worden. "Das ist ein eindeutiger Hinweis auf den vom Menschen verursachten Klimawandel", sagt Marco Chericoni vom Euro-Mediterranen Zentrum für Klimawandel in Italien. "Dadurch werden die Hitzewellen in Europa intensiver und gefährlicher."

Hitze: die tödlichste Form von Extremwetter

Hitze wird oft als eher lästig abgetan, dabei ist es die tödlichste Form von Extremwetter. Jedes Jahr sterben mindestens eine halbe Million Menschen weltweit durch extrem hohe Temperaturen. Experten gehen davon aus, dass die Zahl noch weitaus höher liegt. Denn bestehende Gesundheitsprobleme wie Herzerkrankungen können in Kombination mit hohen Temperaturen tödlich werden. Als Todesursache wird dann aber die Krankheit, nicht die Hitze erfasst.

Hitze kann auch zu Fehlgeburten führen, heiße Nächte können den Schlaf beeinträchtigen und neben dem Herz-Kreislauf- auch das Immunsystem schädigen. Menschen, die im Freien arbeiten, unterliegen den Gefahren von akutem und chronischem Hitzestress.

Die Hitzewelle in Europa erreicht in vielen Ländern neue Rekordtemperaturen für diese Jahreszeit. Bild: Alain Pitton/NurPhoto/picture alliance

Eine ebenfalls in Nature veröffentlichte Studie ergab, dass im Jahr 2021 weltweit mehr als ein Drittel der hitzebedingten Todesfälle auf den Klimawandel zurückzuführen waren. Die Autorinnen und Autoren einer weiteren Studie von 2025 rechnet für jedes zusätzliche Grad Temperaturanstieg mit einem erheblichen Anstieg der hitzebedingten Todesfälle. Dabei wäre Europa am stärksten betroffen.

In Frankreich und Spanien werden dieser Tage vielerorts Temperaturen über 40 Grad Celsius (104 ° F) erwartet. Deshalb warnt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) vor "ernsthaften Gesundheitsrisiken". Als besonders gefährdet gelten ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Obdachlose und Menschen mit chronischen Erkrankungen.

"Das zeigt die menschlichen Kosten des menschengemachten Klimawandels. Und es zeigt die dringende Notwendigkeit, faire Strategien zu entwickeln, um auf lebensbedrohliche Hitzewellen zu reagieren und gleichzeitig unsere Emissionen zu senken", erklärt Emma Holmberg, die an der Universität Bern in der Schweiz die Auswirkungen extremer Temperaturen auf die Gesundheit erforscht.

Der Zusammenhang zwischen extremer Hitze und Treibhausgasemissionen 

Der Klimawandel, der sich mit dem zunehmenden Verbrauch fossiler Brennstoffe durch den Menschen weiter verschärft, führt weltweit dazu, dass Hitzewellen sowohl häufiger auftreten als auch an Intensität zunehmen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 in der Fachzeitschrift Nature ergab, dass die Emissionen von 180 großen CO₂-Emittenten, darunter Produzenten fossiler Brennstoffe und Zementhersteller, "wesentlich" zu 213 Hitzewellen beigetragen hatten, die zwischen 2000 und 2023 gemeldet wurden. Seit 1959 haben laut einer Studie aus dem Jahr 2023 weltweit etwa 41 Regionen, die fast ein Drittel der Landfläche der Erde ausmachen, Hitzewellen erlebt, die zuvor als "statistisch unwahrscheinlich" galten. Das bedeutet laut Definition: Solche Hitzewellen treten seltener als einmal in 10.000 Jahren auf.

Bei einer Erwärmung um 2 Grad Celsius (3,6 ° F) gegenüber dem vorindustriellen Niveau - also dem Klima vor dem großflächigen Einsatz fossiler Brennstoffe - würden historische Höchsttemperaturen von 51 Grad Celsius (123,8 ° F) 50-mal häufiger auftreten als bei einer Erwärmung um 1 Grad Celsius (1,8 ° F).

Die derzeitige Klimapolitik führt laut dem IPCC Report 2025 des Weltklimarats dazu, dass die Welt auf einen Temperaturanstieg von rund 2,8 Grad Celsius zusteuert. Hitzewellen und damit einhergehende Dürren würden demnach die Wasserknappheit verschärfen und die Nahrungsmittelproduktion erschweren. 

In vielen Teilen Asiens wie hier in Tokio sind Klimaanlagen Standard, doch viele europäische Länder sind nicht gut für Hitze ausgerüstet.Bild: YUICHI YAMAZAKI/AFP

"Wenn solche Temperaturen in den kommenden Jahrzehnten zur Norm werden, sind erhebliche Auswirkungen unvermeidlich", sagt Davide Faranda, Klimaphysiker und Koordinator von ClimaMeter, in einer Stellungnahme. "Die gute Nachricht ist, dass wir noch immer Einfluss nehmen können: Durch eine rasche Senkung der Treibhausgasemissionen können wir verhindern, dass die Extreme von heute zum durchschnittlichen Sommer von morgen werden."

Was kann Europa gegen extreme Temperaturen tun?

Der rasche Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie sowie der Einsatz von Batteriespeichern, Verbesserungen an den Stromnetzen und die Wiederherstellung von Ökosystemen sollen dazu beitragen, die CO₂-Emissionen zu senken. In Europa ist dies besonders dringend, denn Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. ClimaMeter stellt fest, dass "extreme Hitzewellen bereits schneller zunehmen" als vorhergesagt. Im Mittelmeerraum könnten künftig "Hitzewellen doppelt so häufig wie prognostiziert" auftreten, so die Forschungsgruppe.

Dächer begrünen und mehr Bäume und Parks hilft, Städte kühler zu halten. Bild: J. van der Neut/AGAMI/blickwinkel/IMAGO

Vor allem in Nordeuropa wurden Häuser für ein kühleres Klima gebaut, und Klimaanlagen sind dort eher selten. In vielen Ländern steigen die Verkaufszahlen von Ventilatoren und Klimaanlagen derzeit sprunghaft an. Einige Experten sind der Ansicht, dass Klimaanlagen notwendig sind, um Leben zu retten. Vor allem für nördlichere Länder interessant: Moderne Wärmepumpen lassen sich umschalten und auch zum Kühlen nutzen.

Doch Kritiker weisen darauf hin, dass Anlagen mit fossilen Brennstoffen betrieben weitere Treibhausgasemissionen verursachen und damit zur Erwärmung des Planeten beitragen. Zudem kühlen Klimaanlagen nicht wirklich, sie leiten die Wärme lediglich von innen nach draußen ab, wodurch die Temperaturen auf den Straßen zusätzlich steigen.

Städte, die voller Beton, Glas, Autos, versiegelten Flächen und nur wenige Grünflächen haben, sind bei Hitze besonders stark betroffen. Dort kann es 10 bis 15 Grad Celsius (18 bis 27 ° F) wärmer sein als in den umliegenden ländlichen Gebieten. Dies wird als städtischer Wärmeinseleffekt bezeichnet. Das Aufbrechen von versiegelten Straßenbelägen, das Pflanzen von mehr Bäumen und die Vergrößerung von Parks und Grünflächen können dazu beitragen, die innerstädtischen Temperaturen zu senken. Überwachte öffentliche Badestellen können den Menschen Abkühlung verschaffen. Neubauten können so geplant werden, dass sie mehr Flächen verschatten, wärmereflektierende Oberflächen aufweisen und durch intelligente Belüftung das Raumklima ohne zusätzlichen Energieaufwand verbessern.

Inzwischen haben viele europäische Städte, beispielsweise Stuttgart in Deutschland, Hitzeschutzpläne entwickelt. Dazu gehören praktische Tipps für den Umgang mit extremer Hitze, Orte, an denen sich die Einwohner abkühlen können, sowie Leitlinien für Gesundheitssysteme und Hitzeschutz für Krankenhäuser.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert von Anke Rasper

Hitze in Europa: Die Niederlande liefern Bäume

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