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Literatur

Leipziger Buchmesse jongliert Politik und Literatur

Sabine Peschel
22. März 2017

Europa, die Meinungsfreiheit, aber auch das gute Geschäft der Buchbranche sind die Themen zum Start der Leipziger Buchmesse. Und natürlich die Vorfreude auf viele spannende oder prominente Autoren.

Deutschland Buchmesse Leipzig
Bild: Leipziger Messe GmbH

Lesefest, Branchentreff, Festival, Treffpunkt der Autoren-Community, "Deutschlands größtes Klassenzimmer", Begegnungsraum mit Ost- und Mitteleuropa, Präsentationsplattform für das Gastland, Diskussionsforum, Manga-Comic-Convention, Ausstellungen, Antiquitätenmesse, Startup-Village und eine große Anzahl von Preisverleihungen - es ist fast unmöglich, im Programm der Leipziger Buchmesse nicht die Orientierung zu verlieren.

Leipziger Buchmesse - eine Mammutveranstaltung 

260.000 Besucher werden auch in diesem Jahr wieder erwartet, wenn die Messe am Mittwoch (23.3.2017) ihre neuen, sicherheitsoptimierten Pforten öffnet. Knapp 2500 Aussteller aus 43 Ländern bilden den diesjährigen Lese-, Begegnungs- und Diskussionsdschungel, in dem sich Fachbesucher oder einfach nur Neugierige verlaufen und unverhofft beglücken lassen können. Allein der Programm-Katalog von "Leipzig liest" hat 431 Seiten, Informationen zu den Lesungen im Halbstundentakt oder den Themenabenden, die an mehr als 400 Orten auf dem Messegelände, in Leipzig und in kleineren Städten im Umland stattfinden. 3300 Autoren, Verleger, Schauspieler und andere Personen des öffentlichen Lebens wirken an diesem überwältigenden Angebot mit. 

Litauen-Stand auf der Leipziger Buchmesse 2016 - in diesem Jahr ist der kleine Staat offizielles GastlandBild: picture alliance/dpa/J. Woitas

Litauen, das diesjährige Schwerpunktland, präsentiert sich dabei mit rund sechzig Veranstaltungen. 26 neue Übersetzungen sind im Vorfeld des Gastauftritts entstanden. "Litauen ist im deutschsprachigen Buchmarkt unübersehbar geworden", freute sich die Vize-Kultusministerin der Republik Litauen Gintautė Žemaitytė auf der Eröffnungspressekonferenz. Die litauische Literatur, die traditionell sehr poetisch und eher von kurzen Formen wie dem Essay geprägt worden sei, modernisiere sich rasant. Dazu trügen auch die vielen Schriftsteller dieses Landes bei, die im Ausland leben und von dort aus die litauische Literatur europäisch und international befruchten. Der baltische Staat hat seit der Wende in den vergangenen 27 Jahren ein Viertel seiner Bevölkerung ans Ausland verloren.

Europa - wie gestalten wir es?

"Litauen würde Europa gerne stärker vereint sehen", fasste Žemaitytė die politische Debatte ihres Landes zusammen. Diese Position schlägt sich in einem Programmschwerpunkt der Messe nieder, in dem es um die ins Wanken geratene europäische Idee geht. "Europa 21 - Denkraum für die Gesellschaft von morgen" erfährt eine zweite Auflage, die 2017 von Esra Küçük vom Berliner Gorki-Theater geplant wurde. Während sich die Diskussion im vergangenen Jahr um die in Europa ankommenden Menschen gedreht hat, steht jetzt die Frage im Zentrum, wofür "WIR in Europa" einstehen wollen.

Der Blick auf die Buchbranche

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen BuchhandelsBild: picture-alliance/dpa/H. Schmidt

Kurz bevor die Leipziger Buchmesse ihre Pforten öffnet, ist alljährlich auch der Zeitpunkt, um auf das vergangene Buchjahr zurückzublicken. Rein ökonomisch betrachtet kann der Handel zufrieden sein. "Die Buchbranche steht momentan wirtschaftlich gut da. Erstmals seit drei Jahren ist der Umsatz 2016 wieder gestiegen", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, zum Messeauftakt. Man habe die Chancen der Digitalisierung genutzt und sei gut aufgestellt. Die E-Book-Verkäufe stagnierten bei 4,6 Prozent, aber das sei kein Anlass zur Sorge, wenn zum Beispiel der Umsatz an Jugendbüchern um neun Prozent gestiegen sei - und schließlich sei es ja auch egal, in welcher Form ein Buch an den Leser oder die Leserin komme.

Sorgen um das Urheberrecht

Sorgen machten da eher die Rahmenbedingungen, etwa juristische, die sich wirtschaftlich nachteilig auswirken könnten, sowie die politischen. Der Branchenverband sieht durch ein Gesetzesvorhaben, das die Bundesregierung "durchpeitschen" wolle, den Schutz des geistigen Eigentums gefährdet, durch die sogenannte "Wissenschaftsschranke". Skipis scheut sich nicht vor deutlichen Worten. "Die Existenzgrundlage von Verlagen und Autoren und damit der gesamten Publikationslandschaft in Deutschland" sei gefährdet, wenn das Urheberrecht infrage gestellt wird. Konkret geht es dabei unter anderem darum, dass zukünftig 25 Prozent eines wissenschaftlichen Werkes frei kopiert werden könnten - was sich für die Wissenschaftsautoren und -verleger ruinös auswirken könnte.

Meinungsfreiheit ist nicht verhandelbar

Das zweite Thema, das Alexander Skipis und dem Branchenverband sehr am Herzen liegt, ist die Meinungsfreiheit. "Für uns ist die Meinungsfreiheit ein Menschenrecht, das nicht verhandelbar ist und auch nicht Nützlichkeitserwägungen zu unterziehen ist - ob Flüchtlingsfragen gelöst werden, ob Nato-Stützpunkte gewährleistet sein müssen oder wirtschaftliche Interessen verfolgt werden - das ist für uns nicht verhandelbar", postuliert Skipis. "Wir fordern die Politik dazu auf, Haltung einzunehmen. In dieser Frage ist Haltung gefragt. Wir müssen zu unseren Werten stehen."

Das Thema Türkei, die Forderung zur Freilassung von Denis Yücel und der mehr als 150 anderen eingesperrten Journalisten und Autoren, wird in vielen Diskussionsforen der Messe zur Sprache gebracht werden. Solidarität mit den inhaftierten, bedrohten oder drangsalierten türkischen Schriftstellern zu beweisen, ist Programm.

Prominente Autoren werben für ihre Neuerscheinungen

Matthias Énard, Preisträger des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung Bild: picture-alliance/PIXSELL/S. Ilic

Hat denn die Literatur angesichts von so viel gesellschaftspolitischer Debatte auf der Messe überhaupt noch einen guten Stand? Prominente deutsche Autoren wie der für den Man Booker Preis nominierte Clemens Meyer, Eva Menasse oder Feridun Zaimoglu mit seinem Luther-Roman, Lyrikautoren wie Elke Erb, Steffen Popp oder Jan Wagner, aber auch internationale Literaturstars, etwa Martin Suter, Jostein Gaarder oder der in diesem Jahr mit dem Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung ausgezeichnete Mathias Énard sollten das garantieren. Und für die Leichtigkeit des Seins sorgt spannende Krimi-Unterhaltung mit vielen Neuerscheinungen. Krimis aus Frankreich, das ist auch einer der Schwerpunkte der Buchmesse.

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