1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Die Republika Srpska – Eine Enklave Serbiens?

12. September 2002

Köln, 12.9.2002, DW-radio/Bosnisch

Die Republika Srpska ist von Serbien abgetrennt. Das sagte der Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien Vojislav Kostunica in Mali Zvornik. Die Botschaft von Bosnien-Herzegowina in Belgrad forderte offiziell eine Erklärung vom Büro des jugoslawischen Präsidenten, in der klargestellt werden soll, ob Kostunica das tatsächlich gesagt hat. Die Demokratischen Partei Serbiens, deren Vorsitzender Kostunica ist, erklärte, dass sich diese Partei für die Wahrung des Daytoner Abkommens einsetze. Wird dadurch der Eindruck erweckt, dass Serbien die Republika Srpska in Zukunft als Ersatz für den Kosovo wiederbekommen könnte? Darüber aus Belgrad Ejub Stitkovac.

In den Belgrader politischen Kreisen wird heute mehr darüber polemisiert, ob Kostunica das überhaupt gesagt hat, als darüber, warum er das getan hat. Seine Aussage hätte hier kaum jemand wahrgenommen, wenn es nicht scharfe Reaktionen aus Sarajevo gegeben hätte. Keiner von Kostunicas engen Mitarbeitern wollte die Stellungnahme seines Chefs kommentieren, solange dieser nicht von seinem Besuch in den Vereinigten Staaten von Amerika zurückkehrt. Sie betonen zudem, dass erst bestätigt werden müsse, was Kostunica tatsächlich gesagt hat. Es ist etwas verblüffend, dass diese Frage überhaupt aufgeworfen wurde, denn von Kostunicas Äußerung gibt es eine Tonaufzeichnung. Im Rahmen des Wahlkampfes sagte Kostunica vor einigen Tagen in Mali Zvornik, einer Stadt an der Grenze mit Bosnien-Herzegowina folgendes: "Ich werde die Republika Srpska so betrachten wie schon bisher, als ein Teil der Familie, die uns teuer, nah, vorübergehend abgetrennt, aber immer in unserem Herzen ist," sagte Kostunica vor den versammelten Bürgern.

Warum die Belgrader Medien, mit Ausnahme einer Radiostation, diese Aufzeichnung nicht ausstrahlen, bleibt eine offene Frage. Wenn er es im Rahmen des Wahlkampfes für das Präsidentenamt gesagt hätte, hätte die Aussage eine geringere Bedeutung. Denn im Wahlkampf ist es oft erlaubt, etwas mehr zu sagen als normalerweise. Aber er ist noch immer Präsident Jugoslawiens und genau das beunruhigt die Förderer einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Belgrad und Sarajevo.

Der Chef des Wahlkampfstabes von Kostunica und der stellvertretende Vorsitzende seiner Demokratischen Partei Serbiens Dragan Marsicanin ging noch viel weiter, und sagte, dass in seiner Aussage nichts strittig sei: "Das ist etwas, nach dem man strebt, so wie früher Ost- und Westdeutschland danach strebten, sich wieder zu vereinigen. Ferner ist es ein langfristiges historisches Interesse des serbischen Volkes. Ob das jemals Realität wird, ist eine völlig andere Frage. Das hängt von den Umständen, politischen Möglichkeiten und Kräfteverhältnissen ab." – bestätigte Marsicanin das, worüber einzelne serbische Politiker bisher im allgemeinen nicht gesprochen haben. An das schließen sich alte inoffizielle Thesen an, dass in naher oder ferner Zukunft Serbien die Republika Srpska als Ersatz für das verlorene Kosovo erhalten könnte. Einige Analytiker äußerten hier, dass es nicht angemessen sei, daran zu erinnern, fügten aber hinzu, dass so eine Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei. Dafür seien allerdings breit angelegte Verhandlungen in der ganzen Region Voraussetzung, sowie Erfahrungen darüber, wie der gemeinsame Staat Serbien und Montenegro letztlich funktioniert. (md)

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen