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Reise

Die schönsten Städte in Europa: Prag

Frederike Müller
20. Oktober 2019

Karlsbrücke, Prager Burg, Veitsdom - sie machen den Glanz der tschechischen Hauptstadt an der Moldau aus. Zu einem Prag-Besuch gehört aber auch, die tschechischen Biere zu probieren.

Tschechien Tourismus in Prag bei Nacht
Bild: picture-alliance/imagebroker/J. Richter

Die Hauptstadt der Tschechischen Republik ist eines der ältesten Städtereiseziele in ganz Europa. Schon im Mittelalter priesen reisende Händler und Pilger die goldenen schimmernden Sandsteintürme des "Goldenen Prags". Heute wandeln bis zu 30.000 Menschen täglich auf den bekannten Touristenpfaden durch die Altstadt und zur Kleinseite mit ihren barocken Kirchen und Palästen.

Altstädter Ring mit Rathausturm und AposteluhrBild: picture-alliance/Dumont/P. Hirth

Die Geschichte Prags als europäische Handelsniederlassung begann mit der Befestigung des Burgbergs Hradschin im Jahr 916. Was folgte war der Bau von Kirchen, Klöstern, Palästen und der berühmten Karlsbrücke mit den Heiligenstatuen. Sie verbindet über die Moldau hinweg die Burg mit der Altstadt. Der Altstädter Rathausturm ist wegen seiner astronomischen Uhr ein Highlight aus dem Mittelalter. Jeweils zur vollen Stunde wandern hier alle Blicke nach oben, wenn die zwölf Apostelfiguren der Uhr erscheinen.  

Prag ist aber nicht nur als die "Goldene Stadt" bekannt, sondern auch als "Klein-Jerusalem". Der Stadtteil Josephstadt zählt zu den ältesten Orten jüdischer Kultur in ganz Europa: mit sechs Synagogen, dem jüdischen Rathaus, über dessen hebräischem Ziffernblatt die Zeiger rückwärts laufen, und dem alten Jüdischen Friedhof, auf dem sich die Grabsteine eng an eng drängen.

Auf dem alten jüdischen Friedhof Prags ruhen die Gebeine von geschätzt 100.000 VerstorbenenBild: picture-alliance/Photoshot

Über 1000 Jahre Geschichte Europas lassen sich so im heutigen Stadtbild exemplarisch ablesen. Jüngere Stile haben Älteres nicht überdeckt, so dass Kunstschätze und Baudenkmäler der Gotik, des Barocks oder des Jugendstils oft frappierend direkt nebeneinander liegen.

Die Jugendstil-Fenster von Alfons Mucha schmücken den Veitsdom aus dem hohen MittelalterBild: picture-alliance/imagebroker/H. Laub

Nicht zuletzt ist Prag ein Hotspot von Bierfans und Partytouristen: Der Alkohol strömt literweise die Kehlen hinunter in den Braurestaurants oder Bierbars - für viele der perfekte Einstieg ins wilde Prager Nachtleben mit seinen zahlreichen Diskos und Jazz-Clubs. Hipp, aber noch nicht überlaufen sind die früheren Arbeiterviertel Zizkov, Karlin und Holesovice. 

Ein perfektes Wochenende

Allein im historischen Zentrum Prags befinden sich 1200 bedeutende Gebäude und Denkmäler aus allen Epochen. Was kann und sollte man hier in 48 Stunden sehen? Das hat DW-Moderatorin Meggin Leigh herausgefunden. Sie checkt die spannendsten Städte Europas und stellt sie auch in der Reihe "Meggins perfektes Wochenende" im DW-TV-Magazin Euromaxx vor.

Das sind Meggin Leighs persönliche Tipps für Prag:

Kultur-Tipp

Das Werk des Jugendstilkünstlers Alfons Mucha im Mucha-Museum kennen lernen, Panská 7, Nové Město

Kulinarik-Tipp

Knödel und Ente  genießen, dazu ein Bier im Braurestaurant U Medvídků, Na Perštýně 7, Staré Město

Spezial-Tipp

Entspannen im Beer Spa Bernard, Štěpánská 33, Nové Město

Museen und Gedenkstätten des 20. Jahrhunderts

Das Mucha Museum ist nur eines der Museen, die sich dem 20. Jahrhundert in Prag widmen. Wie künstlerisch produktiv diese Zeit in der Stadt war, können Besucher auch im Kunstgewerbemuseum Prag erfahren. Es zeigt unter anderem Prager Möbel im Stil des Kubismus und besitzt mit über 160.000 Exponaten aus Glas, Porzellan und Keramik eine der größten Glassammlungen weltweit.

Eine Prager Ikone - und Zeitgenosse des Jugendstilkünstlers Mucha - ist der Schriftsteller Franz Kafka. Seit 1989 haben Künstler an verschiedenen Orten im Stadtbild Denkmäler für den Autor der rätselhaften, unheimlichen Geschichten errichtet. Den Durchbruch erzielte Kafka mit der Erzählung "Das Urteil", die er in nur einer Nacht niederschrieb. Seinen Spuren folgen kann man überall in der Stadt: In seinem Geburtshaus nahe der St. Niklas-Kirche befindet sich heute ein Café. In einem Zimmer in der Josephstadt schrieb er mit Blick zum Burgberg Hradschin den Roman "Das Schloss". Und das Wohnhaus Kafkas im Goldenen Gässchen Nr. 22 ist längst kein Geheimtipp mehr unter Kafka-Fans. Das Verhältnis Kafkas zu seiner Heimatstadt beleuchtet seit 2005 das Franz Kafka Museum.

Das Grabmal von Kafka auf dem neuen Jüdischen FriedhofBild: picture-alliance/imagebroker/F. Bienewald

An den Freiheitswillen der Prager erinnert hingegen die Gedenkstätte für die Widerstandskämpfer, denen 1942 der tödliche Anschlag auf Reinhard Heydrich gelang, den obersten Vertreter des NS-Regimes in Prag zur Zeit der deutschen Besetzung. Die Attentäter versteckten sich nach dem Anschlag in der orthodoxen Kirche Kyrill und Method im Prager Stadtzentrum. Die Gedenkstätte befindet sich heute in der Krypta der Kirche.

Die John-Lennon-Mauer ist seit 7. November 2019 eine Open-Air-Galerie - besprühen verbotenBild: picture-alliance/dpa/M. Krumphanzl

Auf den ersten Blick bunt und fröhlich ist hingegen die Lennon-Mauer, obwohl sie ebenfalls ein politisches Mahnmal war. Zur Zeit des Kalten Kriegs besprühten Menschen sie trotz strengen Verbots mit Songzeilen des britischen Musikers John Lennon.

Am Wenzelsplatz, dem Boulevard der Erlebnishungrigen, steht das Nationalmuseum , ein Universalmuseum mit Sammlungen zu Natur und Geschichte. Davor erinnert ein Denkmal an die Zeit des Kommunismus: Auf dem Wenzelsplatz hatte sich der Student Jan Palach am 16. Januar 1969 aus Protest nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten verbrannt.

Mehr als Bier

Deftig und fettig, dieses Urteil begleitet die böhmische Küche seit dem 19. Jahrhundert. Zu Recht! Als Nationalgericht gilt der Schweinebraten mit Kraut und Knödeln in zahlreichen Varianten als Kartoffel-, Semmel- oder Speckknödel.

Es lohnt sich aber neben diesem Klassiker die traditionelle böhmische Küche zu entdecken. "Die Suppe ist der Grund ", lautet eine alte böhmische Küchenregel. Typisch ist die Mährische Krautsuppe mit Kartoffeln und etwas Fleisch, aber auch Bier-, Knoblauch, Kartoffel-oder Erbsensuppe. Panierter Karpfen war einst das Weihnachtsessen in der böhmischen Küche.

Das Bild des Absinthtrinkers im Cafe Slavia, einst legendärer Treffpunkt von Intellektuellen und Künstlern Bild: picture-alliance/Dumont/M. Specht

Ein fester Bestandteil der Prager Küche sind Mehlspeisen als Dessert oder zum Kaffee. Entsprechend oft kommen sie auch in den vielen Kaffeehäusern auf den Tisch. Typisch sind Zwetschgenknödel mit Mohn und Quark, Buchteln, Kolatschen, Palatschinken - Hauptsache mit Mehl und Eiern und sehr süß.

Prag ist Bier-Metropole, das nächste Lokal nie weit. Das alkoholische Nationalgetränk wird prinzipiell aus Halblitergläsern getrunken - kleinere Mengen verachtet der Prager! Von den 42 Brauereien in Prag ist die größte Staropramen im früheren Arbeiterviertel Smíchow. In der ältesten, derU Fleků, wird schon seit 1499 Bier gebraut. Ausgeschenkt wird das spezielle 13° Bier im angeschlossenen Braulokal. Die Gradangaben zwischen 10° und 13° bezeichnen überall in Prag den Zuckergehalt der Stammwürze.

Ob Budweiser, Staropramen oder Pilsner - beim Bierfestival in Prag wird jedes Bier gefeiertBild: picture-alliance/dpa/V. Simanek

Wer allerdings möglichst viele verschiedene und auch internationale Bierspezialitäten probieren möchte, den führt der Weg in eine Bierbar. Der Ausschank der Biermarken rotiert dort regelmäßig wie in der BeerGeek Bar mit ihren 32 Zapfhähnen.

Die Liebe zum Bier bleibt, beim Essen bieten Food Trucks wie in anderen europäischen Städten eine Alternative zur üppigen Mahlzeit im Restaurant. Am schönsten lässt sich tschechisches Street Food am Moldauufer entdecken, wo jeden Samstagmorgen der Naplavka Bauernmarkt aufgebaut wird. Manchmal gibt es dazu auch Live-Musik, und natürlich ein Pivo, ein Bierchen, direkt am Wasser der schönen Moldau.

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