1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

UN: Aleppo wird zu "riesigem Friedhof"

30. November 2016

Mehr als 50.000 Menschen sollen angesichts der Schlacht um das syrischen Aleppo bereits geflohen sein. Aber was wird aus den verbliebenen Bewohnern zwischen den Fronten?

Syrien Aleppo
Bild: Getty Images/AFP/G. Ourfalian

Die Vereinten Nationen werden nicht müde Alarm zu schlagen. In einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats über eine längere Feuerpause für das heftig umkämpfte syrische Aleppo wurden aber zunächst die gewohnten Standpunkte ausgetauscht, mit wenig Aussichten auf eine rasche Einigung.    

Mehrere Länder forderten, eine zehntägige Feuerpause mittels Resolution durchzusetzen, um humanitäre Helfer in die Stadt zu lassen. Zivilisten müssten umgehend eine Pause vom Bombenhagel bekommen, sagte etwa Großbritanniens UN-Botschafter Matthew Rycroft. Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte dagegen, der Westen mißbrauche solche humanitären Fragen nur als Vorwand, um sein Ziel eines Regimewechsels in Syrien voranzutreiben. "Ohne unsere Sorgen zu berücksichtigen, wird keine Resolution verabschiedet werden", sagte Tschurkin. Westliche Diplomaten machten Russland allein für die Unfähigkeit des Rats verantwortlich, die Gewalt in Aleppo zu stoppen. 

Ost-Aleppo vor dem Fall

Die umkämpfte Rebellenhochburg Ost-Aleppo droht laut dem UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien zu einem "riesigen Friedhof" zu werden. Auch am Mittwoch habe es bei einem Luftangriff auf den belagerten Teil der Stadt wieder Todesopfer gegeben, berichtete O'Brien dem Sicherheitsrat in New York. Viele der Geflohenen seien im Westen Aleppos untergekommen, das vom Regime des Machthabers Baschar al-Assad beherrscht wird, und das jetzt die Verantwortung für das Schicksal dieser Menschen trage. Laut O'Brien halten sich insgesamt 400.000 Binnenflüchtlinge im Westen Aleppos auf.

Assad-treue Regierungssoldaten und schiitische Söldner aus dem Iran, Libanon und dem Irak eroberten in den vergangenen Tagen nach UN-Schätzungen 40 Prozent der Rebellenhochburg im Osten Aleppos. Das bestätigte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, vor dem Sicherheitsrat. Die Einheiten Assads werden von der russischen Luftwaffe unterstützt.

Überall Leichen in Aleppo - oft sind die Opfer Zivilisten Bild: picture-alliance/abaca/AA/J. al Rifai

Kriegsverbrechen? 

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein, forderte internationale Ermittlungen zu der Belagerung und dem Beschuss der Stadt. Das Assad-Regime verweigere Experten seiner Behörde, die zu Kriegsverbrechen ermitteln sollen, die Einreise, beklagte der UN-Hochkommissar in Genf. Dieses Vorgehen sei schockierend.

Der Jordanier Seid betonte, dass Assad mit der Belagerung und dem Aushungern von Ost-Aleppo für einen "Alptraum" verantwortlich sei und permanent die grundlegenden Menschenrechte verletze. Den Menschen werde bewusst Nahrung und medizinische Hilfe vorenthalten, viele warteten nur noch auf den Tod.

Das Assad-Regime und seine russischen und iranischen Verbündeten zielen auf die vollständige Eroberung Aleppos. In Stellungnahmen aus Moskau ist wiederholt von einem "Sieg bis zum Jahresende" die Rede.    

SC/rk (APE, epd, dpa, afpe)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen

Mehr zum Thema

Weitere Beiträge anzeigen