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Die Vereinigten Arabischen Emirate auf Machtkurs

11. Mai 2026

Die Nähe zu Israel und den USA macht die Vereinigten Arabischen Emirate zur Zielscheibe Teherans. Doch anders als Saudi-Arabien setzt Abu Dhabi außenpolitisch zunehmend auf einen eigenen Kurs.

Vereinigte Arabische Emirate Abu Dhabi 2025 | Skyline bei Sonnenaufgang
Die Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen im Nahen Osten und in Afrika zunehmend ihren eigenen Kurs Bild: Evaldas Mikoliunas/imageBROKER/IMAGO

Erst kürzlich haben die Vereinigten Arabischen Emirate nach eigenen Angaben erneut einen iranischen Raketen- und Drohnenangriff abgefangen - trotz der derzeit geltenden Waffenruhe zwischen den USA und Iran. Das emiratische Verteidigungsministerium forderte die Bevölkerung am Freitag auf, sich möglichen Trümmerteilen nicht zu nähern und sie weder zu fotografieren noch zu berühren. Es handle sich um Überreste "erfolgreicher Luftabwehrmaßnahmen".

Bereits Anfang der Woche hatte Mohamed Abushahab, der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate bei den Vereinten Nationen in Washington, Iran beschuldigt, die Ölindustriezone von Fujairah mit zwölf ballistischen Raketen, drei Marschflugkörpern und vier Drohnen angegriffen zu haben. Das iranische Militär wies die Vorwürfe zurück.

Nachdem Iran die Straße von Hormus blockiert hatte, forderten die Vereinigten Arabischen Emirate internationales HandelnBild: US Navy/AFP

Doch selbst wenn die Angriffe umstritten bleiben, spiegeln die Vorwürfe die wachsende Sorge in Abu Dhabi wider: Die Emirate sehen sich zunehmend als Ziel iranischer Angriffe. Seit Beginn des Kriegs der USA und Israels gegen Iran Ende Februar sollen mehr als 2800 Drohnen- und Raketenangriffe auf das Land erfolgt sein.

Enge Beziehungen zu den USA und Israel

2020 vermittelten die USA die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel - die sogenannten Abraham-Abkommen. "Die Beziehungen der Emirate zu Israel sind einer der Hauptgründe dafür, warum Iran die Emirate angreift - gewissermaßen als Bestrafung", sagt Michael Stephens, Nahost-Sicherheitsexperte beim Londoner Thinktank Royal United Services Institute (RUSI), im Gespräch mit der Deutschen Welle. 

Aus iranischer Sicht gelte: "Israel hat uns schwer getroffen, also schlagen wir gegen Israels Freunde zurück." Die iranischen Angriffe haben allerdings dazu geführt, dass die Emirate ihre militärische, sicherheitspolitische und geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Israel weiter ausgebaut haben.

Seit die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain unter Vermittlung der USA diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen haben, ist kein weiteres arabisches Land den Abraham-Abkommen beigetretenBild: Alex Wong/Getty Images

Laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals Axios hat Israel erstmals Teile seines Luftabwehrsystems Iron Dome samt Personal in die Emirate entsandt. "Je enger die Emirate und Israel zusammenrücken, desto stärker sieht Iran einen Grund, die Emirate anzugreifen", sagt Stephens. Hinzu kämen jahrzehntelange Spannungen um die Inseln Abu Musa sowie die Großen und Kleinen Tunb-Inseln, die von Iran kontrolliert, aber auch von den Emiraten beansprucht werden.

Nachdem Iran die Straße von Hormus geschlossen hatte - eine zentrale Route für Ölexporte aus Bahrain, Kuwait und Katar sowie für große Teile der Exporte aus Oman, Saudi-Arabien und den Emiraten -, hat Abu Dhabi nicht nur auf eine Wiederöffnung der Meerenge, sondern auch auf ein entschiedeneres internationales Vorgehen gedrängt.

Zudem äußerten sich Vertreter der Emirate deutlich schärfer gegenüber Teheran als andere Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Oman oder Katar, die ebenfalls von den Spannungen betroffen sind. "Damit haben sich die Emirate noch stärker an die Seite der USA und Israels gestellt", sagt Stephens.

Iran wollte Druck auf Abu Dhabi ausüben

Cinzia Bianco, Golfexpertin beim European Council on Foreign Relations, die sich derzeit in den Emiraten aufhält, glaubt, dass Teheran den Druck auf Abu Dhabi erhöhen wollte, damit die Emirate bei US-Präsident Donald Trump auf ein Ende der Militärkampagne drängen.

"Die iranischen Angriffe hatten allerdings den gegenteiligen Effekt – strategisch war das ein schwerer Fehler", sagt Bianco der Deutschen Welle. Inzwischen hätten die Angriffe für die Emirate eine existenzielle Dimension angenommen. "Vertreter der Emirate sagen mir, dass Iran gezielt das Grundmodell des Landes angreift", erklärt Bianco. "Die Emirate leben von der Vorstellung, dass die Golfregion trotz aller Krisen sicher und wirtschaftlich erfolgreich bleiben kann. Genau dieses Bild versucht Teheran zu zerstören."

Eigenständiger außenpolitischer Kurs

In den vergangenen Jahren haben die Emirate ihre Außenpolitik zunehmend an wirtschaftlichen Diversifizierungsplänen ausgerichtet. Mit der Strategie "UAE 2031" will sich das Land unabhängiger vom Öl machen und zu einem regionalen Zentrum für digitale Infrastruktur, Tourismus, Handel und Investitionen werden.

Dabei verfolgt Abu Dhabi immer häufiger einen anderen Kurs als das deutlich größere Saudi-Arabien. Während die Emirate und Bahrain ihre Beziehungen zu Israel normalisiert haben, hat Saudi-Arabien entsprechende Gespräche nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg ausgesetzt. 

Am 1. Mai sind die Emirate zudem aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) sowie dem erweiterten Bündnis OPEC+ ausgetreten, das weiterhin stark von Saudi-Arabien dominiert wird. Auch in mehreren Konflikten auf dem afrikanischen Kontinent unterstützen Saudi-Arabien und die Emirate gegensätzliche Lager.

Einfluss über lokale Milizen auf dem afrikanischen Kontinent

"Die Vereinigten Arabischen Emirate zählen inzwischen zu den aggressivsten externen Akteuren in afrikanischen Konflikten", sagt Wolfram Lacher, Afrika- und Nahostexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). In den vergangenen Jahren seien die Emirate unter anderem in Libyen und Äthiopien aktiv gewesen, derzeit besonders in Sudan, Somalia und Jemen, erklärt Lacher der Deutschen Welle im Gespräch.

Experten zufolge unterstützen die Vereinigten Arabischen Emirate die sudanesischen Rapid Support Forces im Kampf gegen die ArmeeBild: AP Photo/picture alliance

In einer Analyse der SWP, an der Lacher mitgearbeitet hat, heißt es, die Emirate wollten sich langfristig den Zugang zu strategischen Rohstoffen und wichtigen Handelsrouten sichern. Militärische Interventionen dienten deshalb zunehmend auch wirtschaftlichen Interessen. "Dabei ist typisch, dass die Emiratis nur wenig eigene Militärkräfte einsetzen. Sie üben ihren Einfluss hauptsächlich über lokale Partner aus – häufig auch über nichtstaatliche bewaffnete Gruppen", sagt Lacher. Dazu gehörten etwa der libysche Militärführer Chalifa Haftar oder Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemeti, der Anführer der sudanesischen Rapid Support Forces

Zudem unterstützten die Emirate ausländische Kämpfer und Söldner finanziell und militärisch - darunter sudanesische Kämpfer in Libyen und zuletzt kolumbianische Söldner im Sudan, so Lacher. "Die Emirate streiten ihre Aktivitäten beharrlich ab. Die Beweislage ist aber erdrückend."

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

Jennifer Holleis Redakteurin und Analystin mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika.
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