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Die Wüste lebt

9. Dezember 2005

Von Nordafrika bis Zentralasien leben zwei Milliarden Menschen in Trockengebieten - mit Wüsten vor der Haustür, die sich immer weiter ausbreiten. Die Verteilungskämpfe um Land und Wasser haben bereits begonnen.

Der weltweite Klimawandel begünstigt die WüstenBild: dpa
Sand in der Hütte in MauretanienBild: Dronne

Riesige Staubstürme, Wassermangel, Dünen, die über einst fruchtbares Land wandern: "Die Wüstenbildung hat sich zu einem globalen Problem entwickelt, das jeden betrifft", sagte Zafar Adeel. Er ist Mitautor eines Berichts zur Wüstenausbreitung (Juni 2005). 1360 Wissenschaftler aus 95 Ländern haben daran mitgearbeitet. Überweidung und übermäßige landwirtschaftliche Nutzung des Bodens sind unter anderem für die Ausbreitung verantwortlich. Zehn bis zwanzig Prozent der weltweiten Trockengebiete seien bereits von der Wüstenbildung betroffen. Insgesamt sind 41 Prozent der Landfläche der Erde Trockengebiete - darunter der Großteil Australiens, der Westen Nordamerikas und weite Teile der Andenregion.

Landflucht

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es in fünf Jahren 50 Millionen Umweltflüchtlinge geben wird. Der Anstieg des Meeresspiegels, die Wüstenbildung oder wetterbedingte Fluten führten schon jetzt dazu, dass immer mehr Menschen ihre Heimat verließen. 500.000 Hektar Land, eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland, gehen weltweit jedes Jahr verloren, weil die Wüsten sich ausbreiten. Ursachen sind der Klimawandel und die Ausbeutung des Bodens durch den Menschen.

Dürre in IndienBild: AP

Abholzung, Überweidung und Monokulturen sind mit dafür verantwortlich, dass bald eine Milliarde Männer, Frauen und Kinder in den neuen Wüsten leben und leiden werden. "Die zunehmende weltweite Wüstenbildung droht die Zahl der Armen zu erhöhen, die sich neue Häuser suchen und neue Existenzen aufbauen müssen", heißt es in dem Bericht zur Wüstenausbreitung. "Die Wüstenbildung ist möglicherweise die bedrohlichste Veränderung des Ökosystems, die Auswirkungen auf die Lebensumstände der Armen hat."

Krieg ums Wasser

Brennpunkte sind derzeit Afrika, Indien und Asien. Die meisten Umweltflüchtlinge gibt es im südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas, wie eine Untersuchung der United Nations University Bonn (UNU) zeigt. Das Problem wird sich allerdings in den kommenden Jahren dramatisch ausweiten: Marokko, Tunesien, Libyen, Ägypten und die Türkei verlieren schon jetzt jedes Jahr tausende Kilometer an fruchtbarem Land durch Wüstenbildung und Erosion.

Die Gobi breitet sich ausBild: Reategui

Auch in Asien, Nordafrika und Mittelamerika sind Millionen Menschen betroffen. In China seien mehrere Ortschaften von der Ausdehnung der Wüste Gobi bedroht, die jährlich um mehr als 10.000 Quadratkilometer wachse, sagte Bogardi. In Marokko, Tunesien und Liberia gingen durch Wüstenbildung pro Jahr jeweils 1000 Quadratkilometer an fruchtbarem Land verloren.

Wüsten-Flüchtlinge

Die Folgen sind für Joyce Hannah, Sprecherin der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung, bereits sichtbar. "Bewaffnete Konflikte drehen sich immer häufiger um Weideland und Wasserzugang." Hinzu kämen wachsende Flüchtlingsströme, vor allem nach Europa. Die UN rechnen mit einem Anstieg auf bis zu 60 Millionen Flüchtlinge in den kommenden 15 Jahren.

Tuareg in der Wüste SaharaBild: dpa

Anders als Opfer politischer Gewalt oder Umwälzungen seien Umweltflüchtlinge nicht im Bewusstsein der Regierungen und Hilfsorganisationen verankert. "Diese neue Kategorie von Flüchtlingen muss in internationalen Vereinbarungen einen Platz haben", fordert Janos Bogardi, Direktor des Instituts für Umwelt und Sicherheit an UNU. Rund 40 Millionen Euro wird zum Beispiel in das "Wüstenrand-Programm" investiert - eine Initiative in neun afrikanischen Ländern zur Bekämpfung der Wüstenausbreitung. (arn)

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