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Diesel-Nachrüstung sorgt für Millionen-Geschäft

Klaus Deuse
28. Oktober 2019

Die Nachrüstung mit Hardware-Systemen für Diesel Pkw mit Euro 5-Norm nimmt zügig Fahrt auf. Die Hersteller, die beim Einbau mit Werkstätten kooperieren, erwarten Umsätze im dreistelligen Millionenbereich.

SCR-Katalysator bei Firma HJS zur Nachrüstung für Diesel
SCR-Katalysator bei Firma HJS zur Nachrüstung für Diesel Bild: picture-alliance/dpa/I. Fassbender

Rund fünf Millionen Diesel-Pkw mit der Abgasnorm Euro 5 rollen über Deutschlands Straßen. Da deren Stickoxid-Ausstoß die Grenzwerte überschreitet, drohte Besitzern dieser Fahrzeuge in Ballungsräumen und etlichen Städten ein Fahrverbot. Nachdem sich im Zuge des Diesel-Abgasskandals die Autobauer lange Zeit lediglich dazu bereit erklärt hatten, an den Fahrzeugen ein Update der Software vorzunehmen, erteilte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) inzwischen die ersten Genehmigungen zur Nachrüstung für mehrere Autotypen mit einer Hardware. Und die Nachfrage boomt. Allein der Filterspezialist Twintec Baumot verzeichnete binnen weniger Wochen fast 14.000 Anträge für den Einbau seines BNox-Systems.   

Lange hatten die Automobilhersteller die Nachrüstung mit einer Hardware strikt abgelehnt. Dabei hatten Twintec-Ingenieure der Baumot Group AG bereits vor zwei Jahren mit einem VW-Passat den Nachweis geliefert, dass der Stickoxid-Ausstoss  mit dem von ihnen entwickelten BNox-System deutlich unter den Grenzwert für Euro-5-Diesel gedrückt wird. Ergebnisse, die vom ADAC nach Testfahrten bestätigt wurden.

Testreihe: Erreichen nachgerüstete Dieselfahrzeuge eine dauerhafte Reduktion der Emissionen?Bild: Uwe Rattay

Da mittlerweile die Zulassung für den Einbau des BNox-Systems durch das Kraftfahrt-Bundesamt für rund 60 Modelle aus dem VW-Konzern vorliegt, haben bereits mehrere Tausend Diesel-Besitzer ihre Fahrzeuge zur Nachrüstung angemeldet. Bei Twintec Baumot konnte man übrigens auf vorhandene Erfahrung aufbauen, da das BNox-System bereits bei Nutzfahrzeugen wie etwa Stadt- und Überlandbussen in verschiedenen Ländern erfolgreich zum Einsatz kam. "Als wir dann das Potenzial gesehen haben, haben wir das System weiterentwickelt und an den Pkw-Markt angepasst", sagt der Vorstandsvorsitzende der Baumot Group, Marcus Hausser.

Nachrüstung dreckiger Diesel

02:58

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Kostenpunkt rund 3000 Euro

Insgesamt rund drei Millionen Pkw kommen nach Haussers Schätzung prinzipiell für eine Nachrüstung in Betracht.  Nach seinen Worten "dürfte aber nicht jeder nachrüsten lassen. Das heißt, wir gehen von einer Nachrüstquote von 40 Prozent aus." Die Entscheidung zur Nachrüstung fällt vor allem den Diesel-Eignern leichter, die mit einem Zuschuss von bis zu 3000 Euro rechnen können, zu dem sich VW bereit erklärt hat. Immer unter der Voraussetzung, dass sie in Ballungszentren mit hohem Verkehrsaufkommen wie dem Ruhrgebiet oder der Rhein-Main-Region sowie in besonders belasteten Städten wohnen. Die Kosten für das System und den Einbau belaufen sich auf etwa 3300 Euro. "Wir gehen davon aus, dass der Endkunde, je nach Fahrzeug, noch zweihundert, vielleicht dreihundert Euro drauflegen muss", kalkuliert Markus Hausser. Doch diese Investition erhöhe letztlich den Gebrauchtwagenwert.

Bei Baumot rechnet man außerdem mit einer baldigen Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes für alle relevanten Mercedes Modelle. Und da auch Mercedes Diesel-Fahrern in den belasteten Regionen maximal 3000 Euro als finanzielle Unterstützung bietet, dürfte das Geschäft der Filter-Spezialisten weiter Fahrt aufnehmen. Marcus Hausser: "Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten drei Jahren ein Umsatzpotenzial von ungefähr 170 Millionen Euro haben werden."  Schon im kommenden Jahr peilt man die 30-Millionen-Marke an. Neben der Baumot Group gibt es auf dem Markt "noch zwei, drei andere Anbieter, die in einer ähnlichen Gewichtsklasse kämpfen wie wir." Anbieter, die Nachrüstsysteme für die Automobilbauer BMW und Volvo entwickelt haben.

Sotwareupdates reichen oft nicht aus, um den Stickoxit Ausstoß entscheidend zu senkenBild: picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte

Lösung auch für Handwerkerfahrzeuge

Den Einbau nehmen allerdings nicht die Lieferanten der Hardware vor. Die Nachrüstung mit dem System erfolgt bei zertifizierten Werkstätten, betont Marcus Hausser. "Denn wir wollen sicherstellen, dass die Qualität gewahrt bleibt." Die Baumot Group hat darum eine erste Kooperationsvereinbarung mit einer großen VW-Vertragspartnergruppe im Ruhrgebiet abgeschlossen. Weitere zertifizierte Werkstattketten sollen in den nächsten Wochen und Monaten folgen. Konkret absehen lässt sich allerdings nicht, so Marcus Hausser, bis wann die Nachrüstung von betroffenen Dieselfahrzeugen über die Bühne gebracht werden kann. "Das kommt auf die Geschwindigkeit an, mit der die Werkstätten in der Lage sind, die Umbauten zu leisten. Und es kommt darauf an, wie schnell sich die Fahrzeughalter für einen Umbau entscheiden." 

Zu Lieferengpässen werde es jedenfalls nicht kommen, da die Komponenten wie zum Beispiel für das BNox-System ausreichend zur Verfügung stehen. Bei der Nachrüstung von Millionen Diesel-Pkw geht es schließlich um ein Millionen Euro schweres Geschäft, das zusätzlich durch Handwerksbetriebe angekurbelt werden könnte, für die ein Fahrverbot existenzbedrohend wäre. Denn inzwischen hat der Filterspezialist HJS die Freigabe für Nachrüstsätze für leichte Handwerkerfahrzeuge erhalten. Auch die Baumot Group wird aufgrund des vorhandenen Knowhows im Nutzfahrzeugebereich für diesen Markt verschiedene Modelle anbieten.