Dobrindt verurteilt Gewalt nach "Gen Z"-Protesten in Deutschland
Veröffentlicht 1. November 2026Zuletzt aktualisiert 1. November 2026
Erst demonstrierten bundesweit Zehntausende junge Menschen friedlich. Später kam es vor allem in Frankfurt am Main zu schlimmen Szenen. Der deutsche Innenminister fordert harte Strafen für Randalierer.
Randale in der Frankfurter Innenstadt: Ein Mann tritt ein Schaufenster einBild: Boris Roessler/dpa/picture alliance
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Nach Krawallen im Anschluss an bundesweite Jugendproteste in Deutschland hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bestimmte Bevölkerungsteile dafür verantwortlich gemacht. "Gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu haben gestern Abend die friedlichen Demonstrationen vom Nachmittag gekapert", sagte Dobrindt am Sonntag dem "Bild"-Onlineportal. "Die Randalierer und Plünderer werden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. Auf diesen Landfriedensbruch müssen harte Strafen folgen."
Zugleich lobte Dobrindt das Agieren der Sicherheitskräfte. "Gewaltexzesse wie in Paris wurden dank unserer hoch engagierten Polizeikräfte verhindert", erklärte der Minister von der konservativen CSU. "Das Einsatzkonzept der Polizei mit massiver Präsenz und dezentraler Kräfteaufstellung ist aufgegangen."
Kündigte ein hartes Durchgreifen an: Bundesinnenminister Alexander DobrindtBild: Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance
Großeinsatz gegen Randalierer
Zu Ausschreitungen war es am Samstagabend vor allem in Frankfurt am Main im Bundesland Hessen gekommen. Randalierer bewarfen Einsatzkräfte mit Molotowcocktails und schlugen die Fensterscheiben mehrerer Geschäfte ein, darunter die eines Waffenladens. Es flogen auch zahlreiche Böller, Feuerwerksraketen und Flaschen. Mehr als 100 Polizisten wurden verletzt.
Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer, gepanzerte Fahrzeuge, Hubschrauber und Drohnen ein. Zahlreiche Menschen wurden vorläufig festgenommen. Gewalttätige Szenen ereigneten sich auch in einigen anderen deutschen Städten, darunter Berlin, Hamburg und Köln.
Chaosnacht in der Mainmetropole: Polizisten im Einsatz gegen KrawallmacherBild: Kai Pfaffenbach/REUTERS
"Ich bin schockiert von den Gewaltexzessen in Frankfurt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werden", erklärte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein. "Wer sich so verhält wie die Angreifer in der Frankfurter Innenstadt, stellt sich außerhalb unserer Gesellschaft. Wir werden Aggressoren, Tätergruppen und Hergang genau bewerten und unsere Schlüsse ziehen."
Die Festgenommenen im Alter zwischen 13 und 29 Jahren "haben jedenfalls überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit", berichtete der hessische Innenminister Roman Poseck. "Wir müssen davon ausgehen, dass nur ein kleinerer Teil der Gewalttäter aus Frankfurt selbst gekommen ist, viele aus dem Umland, aber eben auch aus dem weiteren Umland." Sie stammten "überwiegend aus einem migrantischen Milieu", so Poseck.
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"Stehen für friedlichen Protest"
Ein Sprecher der Initiative "Gen Z regelt", die zu friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten aufgerufen hatte, versicherte: "Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss." Die Initiative veröffentlichte auf Instagram eine Stellungnahme, worin sie sich von "jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen" distanziert, die nicht Teil der Demonstrationen waren. "Wir stehen für friedlichen Protest, demokratische Werte und das Recht, unsere Meinung frei zu äußern. Gewalt war und ist niemals Teil unserer Bewegung."
"Gen Z regelt" verlangt unter anderem mehr Geld für Schulen, soziale Gerechtigkeit, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und mehr Klimaschutz. Es handelt sich um einen losen Zusammenschluss junger Menschen, die sich vorwiegend über die sozialen Medien koordinieren.
"Gen Z"-Protest am Samstagnachmittag: Wie hier in Karlsruhe in Baden-Württemberg blieb es laut Polizei "überwiegend friedlich"Bild: Uli Deck/dpa/picture alliance
In drei Wochen will die Initiative wieder bundesweit Menschenmassen mobilisieren. Sie bezeichnete die Demonstrationen vom Samstag nur als ersten Schritt. "Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen", gab ein Sprecher des Presseteams bekannt.
Für den 20. November hat ein breites Bündnis zur Teilnahme an einem Internationalen Jugendstreiktag aufgerufen, darunter die Bundesschülerkonferenz (BSK), die sich zuvor von "Gen Z regelt" distanziert hatte. "Man weiß nicht so genau, wer dahintersteht", sagte BSK-Generalsekretärin Amy Kirchhoff.
wa/gri (dpa, afp, rtr)
Die Demonstrationen am Samstag in deutschen Großstädten wirken nach. Nach friedlichen Protesten entlud sich in einigen Städten die Gewalt. Es gab Angriffe auf Polizisten und Geschäfte.
Bild: Michael Probst/AP Photo/picture alliance
Stein, Glas, Holz
So sieht es am Sonntagvormittag in Teilen der Frankfurter Innenstadt aus. Da Gewalt bei den für Samstagnachmittag angekündigten Protesten erwartet wurde, hatten einige Geschäfte ihre Schaufenster mit Sperrholz gesichert. Wer es nicht tat, fand am Sonntagmorgen unter Umständen die Schaufensterscheiben seines Ladens in Scherben wieder - eingeworfen mit Pflastersteinen.
Bild: Michael Probst/AP Photo/picture alliance
Aufräumen am Tag danach
Wie hier in Frankfurt arbeiten die Mitarbeiter der Straßenreinigung auch in anderen deutschen Großstädten auf Hochtouren, um die Spuren der letzten Nacht zu entfernen. In einigen deutschen Bundesländern ist am 1. November Feiertag. An Allerheiligen gedenkt die Kirche aller Heiligen, also nicht nur den offiziell Heiliggesprochenen. Daran denken die Mitarbeiter der Straßenreinigung wohl grade nicht.
Bild: Jason Tschepljakow/dpa/picture alliance
Plünderungen
Am Samstagabend war es weniger ruhig. In einigen deutschen Großstädten gab es Zerstörungen und Plünderungen. Auf diesem Foto sieht man, wie zwei Personen die Schaufensterscheibe eines Waffengeschäfts in der 760.000-Einwohner-Stadt Frankfurt zerstören. Die Polizei konnte einen Verdächtigen festnehmen und zwei Waffen sicherstellen.
Bild: Andreas Arnold/dpa/picture alliance
Spezialeinsatzkräfte
Um Menschen zu schützen und Sachbeschädigungen und Plünderungen einzudämmen, setzte die Polizei in Frankfurt auch schwer bewaffnete Spezialkräfte ein. Zunächst waren am Samstagnachmittag rund 8000 Demonstranten friedlich durch Frankfurt gezogen. Später wurden Flaschen, Steine und Böller auf Polizisten geworfen. Die Polizei sperrte die Fußgängerzone Zeil ab und nahm mehr als 30 Personen fest.
Bild: Kai Pfaffenbach/REUTERS
Wasserwerfer und Polizeipanzer
In der Eine-Million-Einwohner-Stadt Köln im Westen Deutschlands wurde die Versammlung mit mehreren Tausend Teilnehmern vorzeitig beendet, nachdem sich einige Demonstranten vermummt und Feuerwerkskörper gezündet hatten. Daraufhin kam es zu Angriffen auf Polizisten. Die Polizei war mit Wasserwerfern und schwer gepanzerten Fahrzeugen im Einsatz.
Bild: Thilo Schmuelgen/REUTERS
Hier ging es heiß her
Auch im Norden Deutschlands endeten zunächst friedliche Proteste mit Randale. In der knapp 1,9 Millionen Einwohner zählenden Stadt Hamburg wurden Gegenstände angezündet. Zudem wurden mit Material von Baustellen Barrikaden gebaut. Die Polizei räumte einige Teile der Stadt mit einem Wasserwerfer.
Bild: Marius Bulling/onw-images/dpa/picture alliance
Vermummte Demonstranten
In Deutschlands Hauptstadt Berlin hatten zunächst nach unterschiedlichen Angaben zwischen 5000 und 10.000 Menschen friedlich protestiert. Am Abend zogen laut Angaben der Polizei rund 3000 Menschen durch den Stadtteil Prenzlauer Berg. Daran nahmen auch vermummte Personen teil und es kam zu Sachbeschädigungen und den Einsatz von Feuerwerkskörpern.
Bild: Christian Mang/REUTERS
Lob für die Polizei
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die Arbeit der Polizei gelobt. "Gewaltexzesse wie in Paris wurden dank unserer hoch engagierten Polizeikräfte verhindert", sagte er der Zeitung Bild am Sonntag. Das Einsatzkonzept der Polizei sei aufgegangen. Für die Gewalt machte er "gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu" verantwortlich.
Bild: Andreas Arnold/dpa/picture alliance
Friedliche Demonstrationen
Bevor es abends in einigen Städten zu Gewaltexzessen kam, hatten am Nachmittag in 30 Städten, wie hier in München im Süden Deutschlands, nach Angaben der Veranstalter über 100.000 Menschen friedlich demonstriert. Dazu aufgerufen hatte die Initiative "Gen Z regelt", die sich für bessere Bildung, niedrigere Lebenshaltungskosten und soziale Gerechtigkeit speziell für junge Menschen einsetzt.
Bild: Peter Kneffel/dpa/picture alliance
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