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Lifestyle

Doktor trägt Prada: Gespendete Schutzkleidung

Sven Töniges | Paula Rösler
31. März 2020

Weltweit fehlt es an Mundschutz und Handschuhen. Nun stellen Modekonzerne ihre Produktion von Haute Couture auf Schutzkittel um. Und auch Arztserien spenden ihre Requisiten an Krankenhäuser.

Mann in Schutzkleidung stellt Mundschutz her (Foto: picture-alliance/dpa/Z. Czegledi).
Bild: picture-alliance/dpa/Z. Czegledi

Fans von Arzt-Serien wird nachgesagt, sie könnten die fiktive Welt ihrer TV-Lieblinge nicht von der Realität unterscheiden. Nun aber werden zumindest die Requisiten aus den Krankenhaus-Serien angesichts steigender Zahlen von Covid-19-Erkrankungen in den USA tatsächlich für reale Notfälle gebraucht.

Wie in vielen Ländern klagt auch das Krankenhauspersonal in den USA über Engpässe bei der Versorgung mit Schutzkleidung. Eine Klinik in Los Angeles erhielt deshalb eine besondere Spende: Requisiten der beliebten Serie "Grey's Anatomy". Ausreichende Schutzkleidung für Ärzte und Helfer sei unglaublich wichtig, betonte eine Ärztin gegenüber ABC7-News bei Ankunft der Utensilien.

Schutzkleidung dringend benötigt: Szene aus der US-amerikanischen Arztserie "Grey's Anatomy"Bild: Vivian Zink/ABC/SIXX

Wertvoller Kostümfundus

Neben dem Vorrat an Kitteln und Handschuhen vom "Grey's Anatomy"-Set habe man glücklicherweise auch im Fundus von "Seattle Firefighters - die jungen Helden" (im Original "Station 19") rund 300 der begehrten N95-Atemschutzmasken übriggehabt und spenden können, sagte Krista Vernoff, die Produzentin beider Serien, der ABC-Nachrichtensendung "Good Morning America".

Alexi Hawley, Schöpfer der Polizeiserie "The Rookie", schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, er habe das Set durchforstet und einige Kisten der Universitätsklinik in Los Angeles zukommen lassen. Er hoffe, auch kleine Spenden können helfen.

Die britische BBC kündigte unterdessen an, Schutzausrüstungen aus dem Requisiten-Fundus ihrer beiden Krankenhaus-Serien "Holbys City" und "Casualty" an den staatlichen Gesundheitsdienst, National Health Service (NHS), zu spenden. In beiden Serien gehe es darum, das Heldentum des NHS zu feiern, sagte der Produzent, Simon Harper. "Deshalb helfen wir nur zu gerne und tun, was wir können, um die mutigen und selbstlosen Mediziner, die gegen die Krise kämpfen, zu unterstützen."

Nobel-Marken versprechen Hilfe

Einen Beitrag in der Corona-Krise wollen auch mehrere Modehäuser leisten. Die Luxus-Kette Prada, beheimatet im besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Mailand, gab bekannt, die Produktion der eigenen Fabrik in Montone auf medizinische Schutzkleidung umzustellen. Bis Anfang April sollen 110.000 Masken und 80.000 Kittel für das Gesundheitswesen bereitgestellt werden.

Laden zu, Produktion läuft: Prada unterstützt Gesundheitswesen mit SchutzkittelnBild: Getty Images/C. Alvarez

Um dem Mangel an Schutzausrüstung entgegenzuwirken, hat auch das deutsche Familienunternehmen Trigema die Produktion auf Mundschutzmasken und Schutzkittel für medizinisches Personal umgestellt. Bis zu 100.000 Masken könnten dem Unternehmen zufolge wöchentlich hergestellt werden.

Der Luxusgüter-Konzern LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton erklärte, in den nächsten Wochen nahezu 40 Millionen medizinische Masken über chinesische Zulieferer herstellen zu lassen. Darunter sollen mehr als zehn Millionen hochwertigere FFP2-Atemschutzmasken sein, die derzeit vor allem im Gesundheitswesen gebraucht werden.

Auch Werkstätten diverser Theater in Deutschland werden aktiv: So will die Kostümabteilung des Theater Bonn rund 1000 Mundschutzmasken pro Woche nähen und gezielt an Feuerwehr und Polizei spenden. Mitarbeiter des Berliner Bühnenservice, der normalerweise für Opernhäuser und das Staatsballett arbeitet, nähen derzeit ebenso Schutzmasken für Alten- und Pflegeheime.

Selbstgemachte Masken für jedermann

Unter dem Hashtag #Maskeauf rufen zudem immer mehr Prominente und Kulturschaffende - darunter Sängerin Lena Meyer Landrut, Youtuber Rezo oder Satiriker Jan Böhmermann - dazu auf, auch als Privatperson in der Öffentlichkeit, etwa beim Einkaufen oder Spazierengehen, einen Mundschutz zu tragen. Egal wie: Da die Ressourcen knapp sind und Schutzkleidung dem medizinischem Personal vorbehalten ist, solle man hier lieber selbst handwerkeln. Und das kann sogar ganz wunderbar aussehen, wie Autorin Marina Weisband beweist.

 

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