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KonflikteNahost

Trump kündigt Spitzengespräch zwischen Israel und Libanon an

16. April 2026

Werden Israel und der Libanon auf höchster Ebene miteinander sprechen? Die Regierung in Beirut dementiert entsprechende Pläne. Währenddessen kündigt Israel eine Ausweitung seines Einsatzes im Süden des Nachbarlandes an.

Porträtbild von US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Trump prescht mit einer Gesprächsankündigung vor - im Libanon weiß man davon scheinbar noch nichtsBild: Salwan Georges/UPI Photo/IMAGO

Die "Anführer" von Israel und des Libanon hätten seit Jahrzehnten nicht mehr direkt miteinander gesprochen, schrieb der US-Präsident Donald Trump am Mittwochabend (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social. Dazu werde es an diesem Donnerstag kommen. "Fein!", fügte er hinzu. Hintergrund ist der andauernde Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz. Ziel sei es, "etwas Luft zwischen Israel und dem Libanon zu schaffen", schrieb Trump weiter.

Auch Israel bestätigte am Morgen ein anstehendes Gespräch. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu werde mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun sprechen. Diese Ankündigung machte die Ministerin für Wissenschaft und Technologie, Gila Gamliel, im Armee-Radio.

Keine Bestätigung aus dem Libanon

Aus Beirut kam jedoch Widerspruch. Aus hochrangigen libanesischen Kreisen erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstagvormittag: "Wir haben keine Kenntnis über einen geplanten Kontakt mit der israelischen Seite und wurden auch nicht über offizielle Kanäle darüber informiert." Man habe erst aus den Medien von einem möglichen Gespräch erfahren.

Netanjahu erklärte am Mittwochabend laut seinem Büro, Israel führe Verhandlungen mit dem Libanon. Dabei gehe es um zwei zentrale Ziele: die Entwaffnung der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz "und zweitens einen dauerhaften Frieden durch Stärke".

Die libanesische Regierung, die sich nicht als Kriegspartei sieht, drängt hingegen auf eine Waffenruhe sowie den Abzug israelischer Truppen aus dem Süden des Libanon. Parallel dazu beriet das israelische Sicherheitskabinett über eine mögliche Feuerpause, ohne jedoch einen Beschluss zu fassen.

Israel weitet Einsatz im Süden des Libanon aus

Bereits am Dienstag hatten diplomatische Vertreter beider Länder in der US-Hauptstadt Washington erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten direkte Gespräche geführt. Konkrete Ergebnisse blieben jedoch aus. Israel und der Libanon unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formal weiterhin im Kriegszustand seit 1948.

Am Dienstag hatten sich die US-Botschafter aus Israel (links) und dem Libanon (rechts) mit US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) zusammengesetztBild: Jacquelyn Martin/AP Photo/dpa/picture alliance

Seit Ende Februar hat die proiranische Hisbollah ihre Angriffe auf Israel wieder intensiviert. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen auf Ziele im Libanon und entsandte Bodentruppen über die Grenze. Die militärische Eskalation geht weiter - trotz internationaler Kritik.

Während der Kabinettssitzung veröffentlichte Netanjahu ein Video, in dem er erklärte, das israelische Militär setze seine Offensive fort und stehe kurz davor, die strategisch wichtige südlibanesische Stadt Bint Dschubail einzunehmen, in der sich Hisbollah-Kämpfer verschanzt haben sollen. Zugleich habe er angeordnet, die Sicherheitszone im Südlibanon auszubauen.

Diese Zone soll nach seinen Angaben auch ostwärts bis zu den Hängen des Hermon-Gebirges erweitert werden, "damit wir unseren drusischen Brüdern in ihrer Notlage besser beistehen können". Die Drusen in Syrien gelten als Verbündete Israels. Das Hermon-Massiv erstreckt sich entlang der syrisch-libanesischen Grenze und reicht bis zu den von Israel annektierten Golanhöhen.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte im März gesagt, Israel wolle bis auf weiteres das Gebiet bis zum Litani-Fluss im Südlibanon kontrollieren. Der Fluss liegt etwa 30 Kilometer entfernt von der Grenze zu Israel. Im Libanon befürchtet man eine dauerhafte Besatzung des Gebiets. 

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat eine Annexion des Südlibanons durch sein Land jedoch ausgeschlossen. Man werde so lange bleiben, bis der Beschuss Israels aus dem Libanon aufhöre und die Einwohner des israelischen Nordens sicher seien, zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur. Eine dauerhafte Besatzung sei nicht geplant.

Prosor widersprach damit auch dem rechtsextremen israelischen Finanzminister Bezalel Smotrich. Dieser hatte gefordert, der Litani-Fluss im Süden des Libanon müsse Israels neue Grenze zum nördlichen Nachbarland darstellen.

Iran fordert Waffenruhe auch für den Libanon

Auch international wächst der Druck auf Israel, eine Waffenruhe zu erreichen. Nach Angaben eines israelischen Regierungsvertreters drängt insbesondere die Regierung in Washington auf Fortschritte.

Denn der israelisch-libanesische Konflikt ist eng verknüpft mit dem Iran-Krieg, in dem derzeit die Waffen weitgehend schweigen. Der Iran macht eine Ausweitung der bestehenden Feuerpause mit den USA auf den Libanon zur Bedingung für eine dauerhafte Waffenruhe. Seit dem 8. April gilt eine zunächst auf zwei Wochen befristete Feuerpause im Iran-Krieg.

Rauchsäule nach einem israelischen Angriff im Libanon (15.04.2026)Bild: Mahmoud Zayyat/AFP

Die humanitären Folgen des israelisch-libanesischen Konflikts sind gravierend: Nach Angaben libanesischer Behörden wurden mehr als 2000 Menschen getötet, rund 1,2 Millionen vertrieben. Israel meldet seit Anfang März zwei getötete Zivilisten durch Hisbollah-Angriffe sowie 13 gefallene Soldaten im Libanon. Die Hisbollah wird von zahlreichen Ländern als Terrororganisation gelistet.

pgr/AR/haz (dpa, afp, rtr)

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