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Kann Trump ein besseres Atomabkommen mit Iran aushandeln?

18. April 2026

2015 schloss US-Präsident Barack Obama die Wiener Nuklearvereinbarung mit dem Iran. US-Präsident Donald Trump stieg wenige Jahre später daraus aus. Kann es ihm jetzt gelingen, ein besseres Abkommen auszuhandeln?

Zwei Frauen vor einem Anti-US-Wandbild vor der ehemaligen US-Botschaft, es zeigt die Freiheitsstatue mit Totenkopf vor den Streifen der US-Flagge
Schon bald könnten die USA und der Iran Verhandlungen über das iranische Atomprogramm wiederaufnehmen Bild: Abedin Taherkenareh/dpa/picture alliance

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sorgt das iranische Atomprogramm nun schon für Spannungen zwischen den USA und der Islamischen Republik. Washington betont immer wieder, dass Teheran auf dem Weg sei, eine Atombombe zu entwickeln, und will das unter allen Umständen verhindern. Der Iran jedoch streitet ein solches Vorhaben ab, besteht aber auf seinem Recht auf ein ziviles Atomprogramm.

Dem Iran den Zugang zu Atomwaffen zu verwehren sei ein wesentlicher Grund für die Entscheidung der USA gewesen, gemeinsam mit Israel am 28. Februar Angriffe auf den Iran zu starten, so US-Präsident Donald Trump. Mittlerweile wurde ein Waffenstillstand vereinbart und bald könnten die Verhandlungen zwischen beiden Seiten wieder aufgenommen werden.

Zurück zum Abkommen von 2015?

Vor über zehn Jahren hatten Washington und Teheran einen Kompromiss ausgehandelt. Das Atomabkommen von 2015, die sogenannte Wiener Nuklearvereinbarung (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPoA), sah Einschränkungen und Kontrollen des iranischen Atomprogramms vor. Im Gegenzug dafür wurden die Sanktionen gegen das Land gelockert. Das Abkommen scheiterte mit dem Austritt der USA im Jahr 2018.

Trump, der den Rückzug aus dem Abkommen während seiner ersten Amtszeit veranlasste, hat immer wieder betont, dass er in der Lage sei, eine "bessere" Vereinbarung auszuhandeln als sein Amtsvorgänger Barack Obama. Die Frage ist jedoch, ob realistisch gesehen ein weiterreichendes Abkommen erzielt werden kann oder ob die Bedingungen für diplomatische Bemühungen heute nicht viel schlechter sind, als sie es 2015 waren.

Was wurde mit dem Abkommen von 2015 erreicht?

Zwanzig Monate hatten die USA und der Iran verhandelt, als sie im Juli 2015 gemeinsam mit Russland, China und der Europäischen Union unter Führung von Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich, das damals noch Teil der EU war, eine Einigung erzielten. Mit dem Abkommen wurde die Fähigkeit des Iran, ausreichend spaltbares Material für eine Atomwaffe herzustellen, deutlich verlängert, von zwei bis drei Monaten auf etwa ein Jahr.

Die JCPoA gab der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), die im Auftrag der Vereinten Nationen die Nutzung der Kernenergie überwacht, umfassenden Zugang zu den iranischen Nuklearanlagen, um diese zu kontrollieren. Im Gegenzug wurden internationale Wirtschaftssanktionen gegen den Iran aufgehoben. Das Abkommen trat im Januar 2016 in Kraft, nachdem die IAEA die Einhaltung der Vereinbarungen durch den Iran bestätigt hatte.

2015 handelten der Iran und andere Weltmächte in Wien die Wiener Nuklearvereinbarung (JCPoA) ausBild: United States Department of State

"Die IAEA erhielt tatsächlich bis dahin beispiellosen Zugang", sagt Oliver Meier, Experte für nukleare Abrüstung beim European Leadership Network. "Die Anzahl und die Art der vom Iran genutzten Zentrifugen wurde begrenzt, was die Bestände an spaltbarem Material im Iran reduzierte." Durch die Rotation von gasförmigem Uranhexafluorid bei hoher Geschwindigkeit wird in Zentrifugen Uran angereichert.

Die Vereinbarung sei jedoch zeitlich befristet gewesen, fügt Meier hinzu. "Einige Einschränkungen sollten nach 10 oder 15 Jahren auslaufen, in der Annahme, dass bis dahin das internationale Vertrauen wiederhergestellt sei."

Die Grenzen der Vereinbarung

Die JCPoA hatte zudem klare Grenzen. Weder schränkte es das ballistische Raketenprogramm des Iran ein, noch ging es auf die Rolle Teherans in regionalen Konflikten, wie zum Beispiel der Unterstützung von Gruppierungen wie der Hisbollah im Libanon, ein.

"Damals wurde die bewusste Entscheidung getroffen, bestimmte Aspekte auszuklammern, die man rückblickend vermutlich besser angegangen wäre", sagt Meier. "2015 hoffte man, dass wenn die Atomfrage einmal geklärt wäre, es leichter würde, sich mit der Sicherheit in der Region zu befassen. Das war vielleicht ein Fehler."

Diese Lücken führten zu viel Kritik aus den USA. Gegner der Vereinbarung argumentierten, dass sie die nukleare Bedrohung durch den Iran nur aufschöbe, aber nicht beseitige. Auch sei nicht gelungen, die weiterreichenden strategischen Ambitionen des Iran einzudämmen.

Als Donald Trump im Januar 2017 seine erste Amtszeit antrat, bezeichnete er die JCPoA als "das schlechteste Abkommen, das je ausgehandelt wurde" und zog die USA ein Jahr später aus der Vereinbarung zurück. Seine Regierung verhängte erneut weitreichende Sanktionen mit der Begründung, dass wirtschaftlicher Druck den Iran dazu zwingen würde, eine umfassendere und strengere Vereinbarung zu akzeptieren.

Vom Scheitern der Diplomatie zum Krieg

Der Iran hielt sich zunächst weiterhin an die Vereinbarung und hoffte, dass die Sanktionen der USA durch die übrigen Unterzeichnerstaaten ausgeglichen werden würden. Mit der Zeit begann Teheran jedoch, seine Zusagen Stück für Stück zurückzunehmen. Es reicherte Uran auf höhere Grade an, installierte modernere Zentrifugen und fuhr die Zusammenarbeit mit den Inspektoren zurück.

"Leider wurde dadurch die Zeit, die der Iran dafür benötigt, für eine Atomwaffe ausreichende Mengen spaltbaren Materials herzustellen, deutlich verkürzt", beklagt Meier. Im Jahr 2024 ging die IAEA davon aus, dass sich diese Zeit auf Wochen oder sogar Tage verkürzt habe. Klare Hinweise darauf, dass der Iran beschlossen hatte, eine Atombombe zu bauen, fehlten jedoch.

Anfang März wurde die iranische Atomanlage Natanz bombardiertBild: Satellite image ©2026 Vantor/AFP

Über Jahre fanden Bemühungen statt, die Nuklearvereinbarung wiederzubeleben oder durch eine neue Vereinbarung zu ersetzen. Neue Verhandlungen wurden 2025 und 2026 aufgenommen, doch diese Gespräche scheiterten, als die USA und Israel am 28. Februar Luftangriffe auf den Iran starteten und der Iran mit Gegenangriffen auf Israel und US-Verbündete in der Golfregion antwortete.

Nach 40 Tagen der bewaffneten Auseinandersetzung vereinbarten die USA und der Iran am 8. April eine Waffenruhe. Vor diesem Hintergrund sollen nun die Gespräche zwischen beiden Seiten in Islamabad wiederaufgenommen werden.

Worüber wird verhandelt?

Der Hauptkonfliktpunkt ist Zeit. Die USA fordern eine Einstellung der atomaren Aktivitäten des Iran für 20 Jahre, während der Iran nur gewillt ist, Einschränkungen für bis zu fünf Jahre hinzunehmen.

Auch andere wichtige Fragen bleiben ungelöst. Wer würde die Atomanlagen des Iran kontrollieren? Was soll mit den Beständen an angereichertem Uran geschehen? Wie viele Zentrifugen soll der Iran behalten dürfen?

"Es ist wenig überraschend, dass die Probleme, die jetzt gelöst werden müssen, dieselben sind, die bereits in der Vereinbarung von 2015 aufgegriffen wurden", sagt Meier. "Die Vereinbarung war etwa 150 Seiten lang, mit detaillierten Anhängen." Er bezweifelt, dass innerhalb von Tagen oder auch Wochen eine Lösung gefunden werden kann.

Verhandlungen werden schwieriger

Viele Fachleute sind überzeugt, dass die Aushandlung der Nuklearvereinbarung nur gelingen konnte, weil noch immer ein grundlegendes Vertrauen zwischen den Verhandlungspartnern bestand. Heute ist diese Grundlage weitestgehend verschwunden.

Die Positionen hätten sich auf beiden Seiten verhärtet, sagt Alan Eyre, der 2015 zum Verhandlungsteam der USA gehörte und nun am Middle East Institute arbeitet. "Das Misstrauen und der Argwohn gegenüber dem Iran auf Seiten der USA und auf Seiten des Iran gegenüber der USA sind enorm", erklärt er gegenüber der DW.

Der Iran habe zudem strategischen Einfluss wiedergewonnen, betont Eyre. Trotz der schweren im Krieg erlittenen Verluste ist Teheran noch immer in der Lage, mit Raketen, Drohnen und anderen Geschossen zurückzuschlagen. Außerdem kann es den Schiffverkehr in der Straße von Hormus bedrohen und sich auf regionale Stellvertreterkräfte wie die Hisbollah oder die Huthis stützen, Optionen, die dem Iran 2015 nicht zur Verfügung standen.

Die jetzige US-Regierung habe gezeigt, dass es ihr an diplomatischem Fachwissen mangele, denn Diplomatie erfordere Zeit und Beharrlichkeit, sagt Eyre.

"Daran sind sie alle nicht gewohnt. Sie sind daran gewohnt, Ländern zu sagen, was sie zu tun haben, und dass die Länder das dann tun. Es bleibt also eine offene Frage, ob JD Vance in der Lage sein wird, erfolgreiche Verhandlungen mit den Iranern zu führen, die darin sehr erfahren und geschickt sind", zweifelt Meier.

Erfahrung und Vertrauen seien ebenso wichtig wie Durchsetzungskraft, sagen ehemalige Verhandlungsführer.

Ein besseres Abkommen?

Könnte Trump ein besseres Abkommen aushandeln, als es Obama 2015 gelang? Die Antwort darauf könnte Ja lauten, sagen Experten. "Insofern als dass viele der iranischen Atomanlagen zerstört sind, sollte es einfacher sein, eine bessere Vereinbarung auszuhandeln", erklärt Meier. "Der Iran könnte eher bereit sein, zu akzeptieren, dass es einige dieser Anlagen nicht mehr gibt."

Politisch ist die Situation jedoch deutlich komplexer als sie es vor gut zehn Jahren war. "Wir befinden uns in einer viel schlechteren Lage als 2015", betont Meier. "Die Angriffe haben das Problem nicht gelöst. Sie haben es verschlimmert, denn mehr Menschen im Iran glauben nun, dass sie Atomwaffen benötigen, um künftige Angriffe durch die USA abzuschrecken."

Das macht es schwieriger, langfristige Einschränkungen durchzusetzen. Jetzt, da Washington und Teheran es erneut mit Diplomatie versuchen wollen, lautet die Frage nicht mehr, ob ein besseres Abkommen möglich ist, sondern, ob sich die Bedingungen, die das Abkommen von 2015 überhaupt erst ermöglicht haben, wiederherstellen lassen.

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

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