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Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti

Alexander Kudascheff12. Juli 2001

Der neue Donna Leon-Krimi besticht mit stillen Tönen und einer leisen Atmosphäre. Und diese literarischen Pastellfarben sind Donna Leon großartig gelungen.

Die Brunetti-Gemeinde wartete schon ungeduldig. Wann gibt es endlich den neuen Donna-Leon-Krimi? Wann können wir wieder auf deutsch mit dem Commissario durch Venedig streifen? Wann sehen wir wieder mit seinen Augen die moderne Gesellschaft, ihre Verbrechen? Wann seziert Donna Leon mit ihrer Hauptfigur wieder die festgefügten Mauern venezianischer Paläste wie mit einem Röntgenblick?

Jetzt ist es wieder soweit. Rechtzeitig vor der Urlaubssaison liegt Donna Leons neuester Krimi vor: "In Sachen Signora Brunetti". Und der Titel verrät es bereits: Diesmal spielt die Hauptrolle die selbstbewusste, die charmante, die gelegentlich feministische Frau von Guido Brunetti, Paola Brunetti.

Scheinskandal

Sie engagiert sich gegen den weltweiten Sextourismus, die sexuelle Ausbeutung und Vergewaltigung von Kindern in der Dritten Welt durch Sextouristen der ersten Welt. Und deswegen wirft sie eine Schaufensterscheibe eines Reisebüros ein, das Reisen nach Sri Lanka und Thailand vermittelt. Und damit beginnt der achte Fall für Kommissar Brunetti.

Er wird hineingezogen in den Scheinskandal, dass die Frau eines Polizeibeamten gegen Recht und Ordnung verstoßen hat. Er wird hineingezogen in ein persönliches Drama, weil er spürt, dass er seine Frau nicht von seiner anderen Meinung überzeugen kann, da sie ebenso wild wie willenstark und ruhig entschlossen ist, ihren Kampf fortzusetzen.

Die Schriftstellerin Donna LeonBild: dpa

Sensationsgierige Medien

Er kann seine Frau - und damit auch sich selbst - nicht mehr vor den Folgen ihres Engagements schützen. Vor allem als sie ein zweites Mal eine Schaufensterscheibe eines Reisebüros einwirft und sich wieder stellt. Die Folgen: Die Medien berichten sensationsgierig, Paola zieht sich in ihr Schneckenhaus zurück, Brunetti wird beurlaubt - bis der Besitzer des Reisebüros ermordet wird und alles darauf hindeutet, er sei hingerichtet worden, weil er Sexreisen vermittle.

Ein politischer Mord also - ein Folgemord, ein Mord aus moralischen Gründen? Da holt man Brunetti zurück und er ermittelt schließlich den Täter, der nichts, aber auch gar nichts mit moralischer Empörung zu tun hat.

Kult einer eingefleischten Fangemeinde

Das ist die Rahmenhandlung des neuen Donna Leonkrimis. Krimi? Nein, es ist eher ein Kammerspiel, in dem der Krimi die Rahmenhandlung liefert. Ansonsten: Stille Töne, eine leise Atmosphäre, ein Roman über Paola und Guido Brunetti, über das schwierige Verhältnis von Mann und Frau in modernen Ehen.

Und diese literarischen Pastellfarben sind Donna Leon großartig gelungen. Fazit: Donna Leons Romane sind längst Kult einer eingefleischten Fangemeinde, die ständig weiter wächst - und das zu Recht. Brunetti ist der Maigret unserer Zeit.


Donna Leon
In Sachen Signora Brunetti
Diogenes, 2001
ISBN 3-257-23311-6
EUR 9,90

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