Dreikönigstag-Blackfacing in Spanien sorgt für Proteste
9. Januar 2026
Am 5. Januar schminkte Juanma Moreno, Ministerpräsident der spanischen Region Andalusien, sein Gesicht schwarz, um bei einer Parade in Sevilla im Rahmen der traditionellen spanischen Dreikönigsfeste König Balthasar darzustellen. Sein Auftritt löste heftige Reaktionen aus, Aktivisten und Online-Kommentatoren kritisierten sein Verhalten scharf.
Historisch wurde Blackfacing - wenn eine weiße Person ihr Gesicht schwarz schminkt - als rassistische Karikatur verwendet, um Schwarze Menschen zu verspotten und zu stereotypisieren: mit schuhcremeschwarz geschminktem Gesicht und grotesk überzeichneten dicken roten Lippen.
Moreno schrieb in einem Beitrag auf X, es sei eine "Ehre", die biblische Figur bei der Prozession zu verkörpern. Jedes Jahr ziehen bei der Dreikönigsparade Festwagen durch Sevilla, während die Heiligen Drei Könige Süßigkeiten an die Menge verteilen.
Frühe christliche Texte beschreiben Balthasar als Afrikaner, und Renaissance-Gemälde stellen ihn oft als Schwarzen dar. Dennoch ist dies nach Ansicht von Aktivisten kein Grund für weiße Spanier, sich anlässlich des Dreikönigstags die Gesichter schwarz anzumalen. Sie fordern ein Ende dieser Praxis und sprechen sich dafür aus, dass Schwarze Schauspieler die Rolle übernehmen.
Ein anhaltendes Problem
Es ist nicht das erste Mal, dass ein spanischer Politiker wegen Blackfacings in die Kritik geraten ist. Im Jahr 2024 verbreitete das Büro des Madrider Bürgermeisters ein Weihnachtsvideo zum Dreikönigstag, in dem ein weißer Schauspieler mit schwarz geschminktem Gesicht zu sehen war.
Das Video zeigte König Balthasar, dargestellt von einem weißen Mann mit dick aufgetragenem schwarzen Make-up. In dem Video wandte sich der Mann an die zuschauenden Kinder; dabei sprach er mit falschem ausländischem Akzent und machte grammatikalische Fehler.
"Er ist offensichtlich nicht die richtige Person, um in diesen Videos zu erscheinen. Es handelt sich um einen bedauerlichen Fehler seitens des mit dieser Aktivität beauftragten Unternehmens", erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin von Madrid, Maria Inmaculada Sanz Otero, damals gegenüber Reportern.
Niederlande: Zeichen der Veränderung?
Die vielleicht bekannteste Form von Blackfacing in Europa ist die Figur des "Zwarte Piet" ("Schwarzer Piet") in den Niederlanden, die seit Jahrzehnten die Meinungen spaltet. Jedes Jahr im November und Anfang Dezember zieht Sinterklaas, der auf dem Heiligen Nikolaus basiert, in einer Parade durch die Dörfer und bringt seine "Helfer" mit, die als Zwarte Piet bekannt sind und traditionell als Figuren mit dunkler Hautfarbe dargestellt werden.
Der Schwarze Piet wird in der Regel von weißen Niederländern gespielt, die ihre Gesichter schwarz bemalen, möglicherweise lockige schwarze Perücken tragen, ihre Lippen dick schminken und goldene Ohrringe tragen. Für Aktivisten ist dies ein klarer Fall von Blackfacing, einer rassistischen Darstellung Schwarzer Menschen, die längst abgeschafft sein sollte.
Diese Tradition macht nicht nur Schwarze Menschen zum Ziel von Spott, sondern kann auch leicht als Symbol für die koloniale Vergangenheit der Niederlande und deren fehlende historische Aufarbeitung angesehen werden. Verfechter der Tradition argumentieren jedoch, dass die Abschaffung der Darstellung des Schwarzen Piet eine der bedeutendsten Traditionen der Niederlande zerstören würde.
Aktivisten haben Erfolg
Die Proteste gewannen vor allem dank der Arbeit von Jerry Afriyie an Dynamik, einem Dichter, der 2010 die Bewegung "Kick Out Black Pete" ("Schmeißt den Schwarzen Piet raus", kurz: KOZP) gründete, um Rassismus zu bekämpfen. Im Dezember erklärte er gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass die Gruppe seitdem einen großen Sieg errungen habe.
"Um diese Jahreszeit begegnete man Hunderten von Zwarte Piets, Hunderten von Weißen mit schwarz geschminkten Gesichtern. Heute ist das anders“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Selbst kleine Kinder korrigieren mich. Wenn ich 'Zwarte Piet' sage, sagen sie 'Piet'", so Afriyie.
Das Ziel der Bewegung war es, den Schwarzen Piet und die Blackfacing-Tradition zu "entnormalisieren" - und das scheint bis zu einem gewissen Grad auch gelungen zu sein. Laut einer Ipsos-Umfrage ist der Anteil der Niederländer, die diese Tradition beibehalten wollen, auf 38 Prozent gesunken, verglichen mit 65 Prozent im Jahr 2016.
Schwarzer Diener: "Inakzeptabel"
Jedes Jahr veranstaltet die KOZP-Gruppe friedliche Proteste und wurde oft dabei angegriffen. Die Demonstrierenden erhielten Morddrohungen, wurden mit Eiern beworfen und sogar mit Feuerwerkskörpern von Anhängern des Schwarzen Piet beschossen.
Afriyie hat darauf hingewiesen, dass Zwarte Piet eine Erfindung des Autors und Dichters Jan Schenkman war, der die Geschichte vom Weihnachtsmann in den Niederlanden populär gemacht hat. Piet ist "eigentlich ein schwarzer Diener. Er (Schenkman) hat das selbst gesagt. Er ist ein schwarzer Diener, der einem weißen Herrn dient", sagt Afriyie und betont, dass dies heutzutage einfach "inakzeptabel" sei.
Obwohl in den letzten Jahren "ein großer Schritt im Kampf gegen Rassismus" gemacht worden sei, so Afiryie, habe die Niederlande immer noch mit ihrer kolonialen Vergangenheit zu kämpfen. "Es gibt noch viel zu tun."
Adaption aus dem Englischen: Katharina Abel