Vor 71 Jahren ging eine der schönsten deutschen Städte im Feuersturm unter. Bis zu 25.000 Menschen starben bei alliierten Bombenangriffen. Heute ist der Jahrestag auch ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass.
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Das Inferno von Dresden
Vor 73 Jahren wurde die Stadt Dresden in Schutt und Asche gelegt. 25.000 Menschen fanden im Flammeninferno den Tod. Nach der Bombardierung war eine der schönsten Städte Deutschlands quasi dem Erdboden gleichgemacht.
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Zerbombt, zerstört, geplündert
Am 13. Februar 1945 nehmen 245 Lancaster-Maschinen von England aus Kurs auf Dresden. Um 21.39 Uhr heulen in der Stadt die Sirenen. Das Grauen nimmt seinen Lauf. In nur 23 Minuten wird die Stadt von einem Bombenteppich überdeckt, das Stadtzentrum liegt in Flammen. Zwei britische Angriffswellen und eine US-Bomber-Attacke machen insgesamt rund 15 Quadratkilometer der Stadt dem Erdboden gleich.
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Hofkirche in Trümmern
Bei der Bombardierung wird auch die Katholische Hofkirche schwer beschädigt. Das Dach und die Gewölbe im Innenraum stürzen ein. Die Kirche ist eine der größten in Sachsen. Sie entstand nahezu gleichzeitig mit der weltbekannten evangelischen Frauenkirche, die nur etwa 300 Meter weiter steht. Die meisten Aufräumarbeiten leisteten die so genannten Trümmerfrauen.
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Auch Martin Luther bleibt nicht verschont
Auch das Denkmal für den Reformator Martin Luther, das direkt vor der Dresdner Frauenkirche steht, wurde während der Bombardierungen beschädigt. Die Statue wurde vom Bildhauer Adolf von Donndorf im Jahr 1861 geschaffen. Aufgestellt wurde sie aber erst 1885. Luther war in den Jahren 1516 und 1517 in Dresden zu Besuch gewesen.
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Mahnmal für sinnlose Zerstörung
Dresdens barocke Frauenkirche ging auch im Bombenhagel unter. Bis 1993 verblieb sie in unverändertem Zustand als Mahnmal für sinnlose Zerstörung. Danach wurde die zwischen 1726 und 1743 erbaute Kirche wieder aufgebaut. Ein britischer Kunstschmied, dessen Vater als Bomberpilot an der Zerstörung Dresdens teilnahm, baute das Turmkreuz originalgetreu nach.
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Wahrzeichen der Stadt in neuer Pracht
Zwischen 1994 und 2005 wird die Frauenkirche dank Spenden aus aller Welt wiederaufgebaut. Die Baukosten liegen insgesamt bei knapp 130 Millionen Euro. Das barocke Viertel rund um das wiedererrichtete 91 Meter hohe Gotteshaus avanciert zum neuen touristischen Mittelpunkt der sächsischen Landeshauptstadt. Dresden hat sein Wahrzeichen wieder.
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Von Zerstörung keine Spur mehr
Viele Touristen spazieren heute wieder über den Schlossplatz mit der Hofkirche im Zentrum von Dresden und bewundern die restaurierten Häuser. Die Katholische Hofkirche wurde im protestantischen Sachsen notwendig, weil August der Starke zum katholischen Glauben gewechselt war, um die polnische Königskrone tragen zu können. Die Kirche war von 1739 bis 1754 erbaut worden.
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Im neuen Glanz
Das im Februar 1945 beschädigte Luther-Denkmal konnte erst im Jahr 1955 wieder aufgestellt werden. Bis zur Restaurierung zwischen 2003 und 2004 diente die Statue vor der Ruine der Frauenkirche als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. Heute gehört sie zum Ensemble des neu gestalteten Neumarktes. Im Sommer sind die Stufen unter dem Sockel als Treffpunkt für junge Menschen und Touristen beliebt.
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Barockes Elbflorenz
Heute gilt die sächsische Metropole wieder als eine der schönsten Städte Deutschlands. Wegen seiner barocken Architektur trägt Dresden auch den Namen "Elbflorenz". Die Stadt hat eine Fülle von Sehenswürdigkeiten zu bieten und zieht viele Touristen an. Heute leben dort knapp 550.000 Menschen und die sächsische Landeshauptstadt ist eine der zwölf größten deutschen Städte.
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Den Schrecken neu erleben
In einem ausrangierten Gasometer in Dresden können Besucher das Kriegspanorama von 1945 neu erleben. Der Künstler Yadegar Asisi hat eine monumentale Panoramawand der damaligen Zeit ausgestellt. Es zeigt das Dresdner Stadtzentrum unmittelbar nach den Bombenangriffen: Die Innenstadt liegt in Schutt und Asche, Rauch liegt über Teilen des Zentrums, in der Neustadt und im Süden lodern Flammen.
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In Dresden wird mit zahlreichen Veranstaltungen an die Bombardierung und Zerstörung der Stadt 1945 erinnert. Auf dem Heidefriedhof gedachten viele Menschen der Opfer des Krieges und der Luftangriffe. Mit einem sogenannten Mahngang haben rund tausend Menschen an NS-Verbrechen in der Stadt erinnert. Dabei gingen sie an Orte, die als Schauplätze der NS-Herrschaft für deren menschenverachtende Ideologie stehen. Das Bündnis Dresden Nazifrei will damit einem Opfer-Mythos entgegentreten. Regelmäßig versuchen Neonazis den Jahrestag der Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomber für ihre Ideologie auszunutzen.
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Zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 hatten alliierte Bomberverbände tausende Sprengsätze und Brandbomben über Dresden abgeworfen. Bis zu 25.000 Menschen starben. Die Altstadt wurde fast vollständig zerstört.
Verstehen, wie es dazu kommen konnte
Oberbürgermeister Dirk Hilbert betonte bei einer Kranzniederlegung auf dem St.-Pauli-Friedhof, dass bei dem Gedenken an die Bombenopfer nicht vergessen werden dürfe, wer den Krieg herbeigeführt habe. Auf dem Friedhof liegen von Nazis ermordete Kinder osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen. Wer verstehen wolle, was am 13. Februar 1945 passiert sei und wie es dazu gekommen sei, müsse zuhören können, sagte Hilbert bei einem Bürgerdialog. Er wünsche sich, dass die Dresdner dies wieder mehr tun, meinte er mit Blick auf die Spaltung der Stadtgesellschaft nach über einem Jahr Pegida.
Vielerorts treffen sich Menschen zum stillen Gedenken, zum Beispiel in und vor der Frauenkirche, die bei den Luftangriffen zerstört und vor einigen Jahren wieder aufgebaut wurde. Heute gilt die Frauenkirche als Symbol für Frieden und Versöhnung.
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Für Weltoffenheit und Toleranz
Begleitet vom Geläut der Kirchenglocken haben sich am Abend etwa 13.000 Menschen die Hand zu einer Menschenkette gereicht. Mit der Aktion, in die sich auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich einreihte, verbanden die Dresdner beide Elbseiten der Innenstadt, um ein Zeichen für ein Miteinander und gegen Krieg und Gewalt zu setzen. Diesmal führte die Menschenkette auch über den Theaterplatz vor der Semperoper, der in den vergangenen Monaten immer wieder vom fremden- und islamfeindlichen Pegida-Bündnis für Kundgebungen genutzt wurde.
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Pegida geht seit Oktober 2014 fast wöchentlich auf die Straße und macht Stimmung gegen Muslime, Flüchtlinge, Politiker und Medien. Erst vor einer Woche hatte das antiislamische Bündnis mit bis zu 8000 Anhängern in Dresden demonstriert.
Jahrelang war das Gedenken an die Bombardierung Dresdens von Rechtsextremen für ihre Propaganda missbraucht worden. Zeitweise marschierten sie zu Tausenden durch die Stadt. Auf dem Höhepunkt der rechten Aufmärsche hatten sich 2010 mehr als 6000 Neonazis in Dresden versammelt. Jahr für Jahr hatten sich aber auch tausende Gegendemonstranten mit Blockaden den Rechtsextremen entgegen gestellt.
Im vergangenen Jahr waren rechte Kundgebungen ausgeblieben, auch diesmal gibt es bislang keine offiziellen Anmeldungen. Die Polizei hat etwa tausend Beamte im Einsatz. Bislang bewertet sie die Lage als ruhig.