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TerrorismusMali

Droht ein US-Einsatz in Mali?

29. Juli 2026

US-Präsident Donald Trump erwägt Militärschläge gegen die Al-Qaida-nahe JNIM in Mali. Würde ein Eingreifen die Terrorgefahr im Sahel eindämmen oder einen ohnehin eskalierenden Konflikt weiter anheizen?

Mali Bamako 2022 | Beerdigung des ehemaligen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita
Seit rund 14 Jahren kämpft Mali gegen DschihadistenBild: Florent Vergnes/AFP

Seit Jahren kämpft Mali gegen eine sich ausbreitende dschihadistische Gewalt, doch nachhaltige Erfolge bleiben aus. Nach dem Abzug französischer Truppen und trotz der engen Zusammenarbeit mit Russland baut die mit Al-Kaida verbundene Terrorgruppe JNIM ihren Einfluss weiter aus. Nun könnte sich ein neuer Akteur in den Konflikt einschalten: die Vereinigten Staaten.

JNIM: Die größte Bedrohung im Sahel

JNIM (Jama'at Nusrat al-Islam wal-Muslimin, Gruppe für die Unterstützung des Islam und der Muslime) wurde 2017 gegründet und vereint mehrere islamistische Gruppen unter dem Banner von Al-Kaida. Die Organisation hat sich in den vergangenen Jahren zur stärksten dschihadistischen Kraft im Sahel entwickelt, ihr Ziel: die Errichtung einer islamistischen Ordnung und die Verdrängung staatlicher Strukturen und westlicher Einflüsse. 

"Wir sprechen nicht mehr über eine Gruppe, die vereinzelte Anschläge verübt", erklärt Tobias Rüttershoff, kommissarischer Leiter des Sahel-Programms der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit Sitz in Mali, im DW-Gespräch. "JNIM kontrolliert in vielen Regionen faktisch die Sicherheitslage, erhebt Steuern, vermittelt in lokalen Konflikten und ist in einigen Gebieten präsenter als der malische Staat."

Warum die USA jetzt handeln könnten

Nach Angaben des US National Counterterrorism Center war JNIM 2025 für mehr als 1.200 Todesopfer verantwortlich und damit die zweit-tödlichste Terrorgruppe weltweit. Besonders besorgniserregend ist zudem die geografische Ausbreitung der Gruppe: JNIM ist inzwischen auch in Burkina Faso, Niger und zunehmend in den Küstenstaaten Westafrikas aktiv.

Die US-Regierung ist über direkte Militärschläge gespalten. Befürworter wie Sebastian Gorka, leitender US-Direktor für Terrorismusbekämpfung im Nationalen Sicherheitsrat, argumentieren, dass JNIM eine der gefährlichsten dschihadistischen Organisationen weltweit sei und ihr Vormarsch gestoppt werden müsse.

2019: Ein französischer Soldat der Anti-Terror-Mission Barkhane auf Patrouille in Gossi, ZentralmaliBild: Daphné Benoit/AFP

Auch Russlands Sicherheitsstrategie in Mali habe bislang keinen Erfolg gebracht, so Rüttershoff: "Nach dem Abzug der französischen Streitkräfte, der UN-Mission MINUSMA und der europäischen Ausbildungsmissionen argumentierte die malische Militärregierung, Russland könne die Sicherheitslage effektiver stabilisieren. Diese Erwartung hat sich bislang nicht erfüllt. Im Gegenteil, JNIM scheint heute stärker zu sein als vor einigen Jahren." Nach den Militärputschen 2020 und 2021 hatte sich Bamako zunehmend von westlichen Partnern abgewandt und die Zusammenarbeit mit Russland ausgebaut.

Mali setzt auf Souveränität

Die malische Regierung reagiert zurückhaltend auf Berichte über mögliche US-Schläge. Außenminister Abdoulaye Diop betonte: "Wir haben keinerlei Bestätigung der Vereinigten Staaten. Aber ich kann versichern, dass Mali nicht einfach dasitzt und darauf wartet, dass andere kommen und unser Problem lösen." Mali setze auf seine eigenen Sicherheitskräfte und die Wahrung seiner Souveränität.

Auch in der Bevölkerung gehen die Meinungen auseinander. Ein Einwohner Bamakos sagte der DW: "Alles, was uns letztlich Frieden bringt, und zwar im gesamten Staatsgebiet, ist willkommen."

Ein anderer Bewohner verweist auf die enge Zusammenarbeit mit Russland - doch auch er zeigt sich offen: "Es sind bereits russische Kräfte auf unserem Boden präsent, und nun wollen auch die Amerikaner kommen. Unsere Behörden wissen besser als jeder andere, was gut für die Bevölkerung ist oder was uns schadet. Ich denke, dass die Option eines amerikanischen Militäreinsatzes in Mali keine schlechte Idee ist."

Außenminister Abdoulaye Diop glaubt an Malis StärkeBild: Aboubacar Traore/REUTERS

Risiken einer Intervention

Abdoulmoumouni Abbas, Experte für die Prävention von Radikalisierung im Sahel, warnt davor, die Wirkung von Militärschlägen zu überschätzen. Erfahrungen gebe es mit den von den USA unterstützten Anti-Terror-Operationen in Nigeria: "Die Ergebnisse solcher Einsätze, wie etwa in Nigeria, geben in vielerlei Hinsicht Anlass zum Nachdenken. Die ersten Schläge haben ihr Ziel im Norden Nigerias, in den Bundesstaaten Sokoto und Kebbi, tatsächlich verfehlt", so Abbas zur DW.

Zwar könnten gezielte Angriffe JNIM-Führungsstrukturen schwächen, die Ursachen des Konflikts wie Armut, schwache Institutionen und ethnische Spannungen blieben jedoch bestehen. Zudem drohten Vergeltungsangriffe auf westliche Interessen in der Region. Das unterstreicht auch KAS-Experte Rüttershoff.

"Problematisch wird es, wenn militärische Maßnahmen zivile Opfer verursachen. Jede zivile Fehlentscheidung kann von JNIM propagandistisch ausgeschlachtet werden und dazu dienen, neue Mitglieder zu rekrutieren", sagt Rüttershoff. JNIM hatte 2025 eine monatelange Blockade wichtiger Treibstofftransporte nach Bamako durchgeführt. 2026 war die Gruppe an koordinierten Angriffen auf Militärstandorte in mehreren Regionen Malis beteiligt.

Malis geopolitische Bedeutung für die USA

Eine US-Intervention hätte nicht nur sicherheitspolitische Auswirkungen in der Region, sondern auch überregionale Auswirkungen, erinnern Experten. Der Sahel ist zu einem Schauplatz internationaler Konkurrenz geworden. Russland hat seinen Einfluss in Mali, Burkina Faso und Niger in den letzten Jahren erheblich ausgebaut. "Sollte Washington tatsächlich militärisch handeln, wäre dies deshalb nicht nur Terrorismusbekämpfung, sondern auch ein Signal, dass die USA sicherheitspolitisch weiter handlungsfähig bleiben wollen", so Rüttershoff.

Auch die Front de libération de l'Azawad (FLA) ist in Mali aktiv: ein 2024 gegründetes, überwiegend von Tuareg geführtes politisch-militärisches Bündnis, das mehr Autonomie der Region Azawad im Norden Malis fordert.Bild: Souleymane Ag Anara/AFP

Für Malis Regierung würde sich damit die Frage stellen, wie sie zwischen den Interessen externer Akteure navigieren könne, ohne ihre eigene politische Handlungsfähigkeit zu verlieren. Malis Außenminister Diop betonte: "Was wir von einem Partner erwarten, ist, dass er nach Mali kommt und Mali fragt, was Mali braucht."

Langfristige Lösung des Konflikts in Mali

Militärisch lasse sich der Konflikt in Mali nicht dauerhaft lösen, warnt Rüttershoff. "JNIM nutzt bestehende Unzufriedenheit. Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Bevölkerung ihre Ideologie teilt, aber viele Menschen entscheiden sich pragmatisch für jene Akteure, die überhaupt irgendeine Form von Ordnung schaffen." Deshalb brauche Terrorismusbekämpfung auch  Staatsaufbau, gute Regierungsführung und wirtschaftliche Entwicklung.

Ob die USA tatsächlich Militärschläge gegen JNIM in Mali durchführen werden, ist derzeit offen. Sollte Trump grünes Licht geben und auch Bamako mitziehen, wäre Mali bereits das achte Land, in dem die USA seit Beginn seiner zweiten Amtszeit militärische Angriffe durchführen würden.

Saleh Mwanamilongo und Mahamadou Kane haben zu diesem Artikel beigetragen.

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