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Klimawandel treibt Waldbrände in Europa auf Rekordniveau

Tim Schauenberg
20. August 2026

Immer mehr Hitze macht Waldbrände extremer, selbst in Feuchtgebieten. Ohne deutlich mehr Schutzmaßnahmen könnten sich die Brandflächen künftig verdreifachen, das zeigt eine neue Studie. Was hilft?

Feuerwehrleute in Schutzkleidung spritzen Löschschaum in ein Erdloch. im Hohen Venn in Belgien
Löscharbeiten im Hohen Venn in Belgien. Feuer in Mooren können über Monate im Untergrund schwelen.Bild: Yves Herman/REUTERS

Spanien, Frankreich, Portugal, Italien, Griechenland und auch Irland, Großbritannien, Norwegen und Deutschland: Die Liste der Länder in Europa , die diesen Sommer von besonders heftigen Waldbränden betroffen sind, ist lang.

Extreme Hitze und anhaltende Trockenheit über viele Wochen haben die Brandgefahr erhöht. Über 6000 Quadratkilometer Wald sind bisher den Flammen zum Opfer gefallen. Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Gesamtschaden wurde schon Anfang August auf 15 Milliarden Euro geschätzt.

Und die Waldbrandgefahr in Europa wird in den nächsten Jahren weiter steigen, das zeigt eine heute veröffentlichte Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Betroffene Flächen könnten sich künftig verdreifachen.

Europa erwärmt sich schneller als andere Weltregionen, Hitze und mehr Waldbrände wie hier in Frankreich gehören zu den Folgen. Bild: Margot Le Gonidec/ABACA/picture alliance

Und selbst bei deutlich mehr Klimaschutz könnten in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts jährlich etwa 39 Prozent mehr Fläche verbrennen als heute.

"Wenn wir jedoch mehr Emissionen verursachen und die globalen Temperaturen um etwa 3,6 Grad Celsius steigen, werden Brände wesentlich häufiger auftreten, insbesondere im Mittelmeerraum sowie in weiten Teilen West- und Mitteleuropas, einschließlich Gebieten, in denen es bisher kaum Brände gab", so PIK-Forscher Maik Billing. Er ist leitender Autor der im Wissenschaftsmagazin Global Change Biology erschienenen Studie.

Eigentlich hatte sich die Weltgemeinschaft darauf geeinigt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad oder deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Doch die Staaten hinken beim Klimaschutz deutlich hinterher.

Dabei werden die Auswirkungen der globalen Erwärmung immer deutlicher. So sind in diesem Hitzesommer in Europa bereits jetzt doppelt so viele Flächen verbrannt wie in den letzten Jahren, so die Autoren.

Weil Hitze die Vegetation austrocknet, gerät sie schneller in Brand.  Doch Vorsorgemaßnahmen können helfen. "Wir sehen, dass die Brandbedingungen zunehmen, daher müssen wir mehr investieren", so Thomas Hickler, Forscher der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, die an der Studie beteiligt war.

Die Luftverschmutzung durch einen Torfbrand ist enorm. Neben sehr viel CO2 entstehen sehr viele Giftstoffe die mit den Rauch die Umgebung verseuchen.Bild: Christoph Reichwein/dpa/picture alliance

Waldbrandmanagement, bessere Ausbildung und Ausrüstung von Einsatzkräften sowie eine gute Koordination zwischen Forstwirtschaft, Naturschutz und Feuerwehr können "einen erheblichen Unterschied bewirken", so Hickler weiter.

Die EU steuert zwischen 2021 und 2027 rund 2,1 Milliarden Euro zum Wald- und Brandmanagement der Mitgliedsländer bei. Die Weltbank berechnet, dass sich solche Investitionen auszahlen: Für jeden Euro, der in die Vorbeugung fließt, könnten bis zu sieben Euro für Bekämpfung und Wiederaufbau gespart werden.

Extreme Bedingungen durch Klimawandel erhöhen das Risiko

Wenn es gelingt, die Treibhausgasemissionen jetzt schnell zu senken und die Erderwärmung dadurch stark begrenzt wird, könnten durch effektives Feuermanagement die Brandflächen künftig um 90 Prozent reduziert werden, so die Autoren.

Deutlich mehr Klimaschutz ist laut der Studie dringend notwendig, um Waldbrände langfristig kontrollieren zu können.

"Mit dem Klimawandel könnten die Bedingungen so extrem werden, dass wir an die Grenzen dessen stoßen, was noch machbar ist, um Brände zu verhindern und zu bekämpfen, sobald sie eine bestimmte Größe erreichen", sagt Kirsten Thonicke vom PIK und Mitautorin der Studie.

Auch im Westen Deutschlands und in Belgien brennt es seit Tagen.

Feuerwehrleute in vollem Einsatz. Mit gezielten Investitionen in mehr Brandschutz können wirtschaftliche, gesundheitliche und ökologische Schäden durch Feuer gemindert werdenBild: Emma Da Silva/AP Photo/picture alliance

Im Hohen Venn, einem grenzüberschreitenden Wald- und Moorgebiet zwischen der Eifel in Deutschland und den Ardennen in Belgien sind in den letzten Tagen rund 3000 Hektar Vegetation in Flammen aufgegangen. Es ist der größte Waldbrand in Belgien seit Jahrzehnten.

Warum sogar Feuchtgebiete brennen können

Feuchtgebiete wie Sümpfe oder Hochmoore scheinen vor Feuergefahren sicher. Doch wenn sie wie jetzt das Hohe Venn während einer Dürre austrocknen, können sie Feuer fangen und sogar besonders lange brennen.

Das liegt an den Torfböden in den Mooren, die durch abgestorbene Pflanzenteile gebildet werden. Getrockneter Torf brennt gut, darum wurde er über Jahrhunderte auch als Energiequelle zum Heizen und Kochen genutzt.

Doch wenn meterdicke Torfböden in Brand geraten, werden dabei große Mengen von darin gespeichertem Kohlenstoff freigesetzt. Feuchtgebiete bedecken weltweit zwar nur drei Prozent der Erdoberfläche, in ihnen sind aber aber 30 Prozent des im Boden gebundenen CO2 gespeichert.

Torfbrände, so wie hier im Hohen Venn, sind schwer löschen, denn sie können monatelang unterirdisch im dicken Torfboden schwelen. Bild: Didier Lebrun/Photo News/IMAGO

Bei Waldbränden sieht man oft hohe Flammen, doch Moore schwelen im Untergrund. Flammen sind dabei oft kaum sichtbar, die Brandtemperatur sind relativ niedrig und es entsteht viel Rauch. Doch solche Torfbrände sind extrem schwer zu löschen. Schwelbrände können monatelang anhalten und sogar über den Winter hinweg brennen.

Und dabei gelangen neben CO2 auch große Mengen an Schadstoffen in die Umgebung. Mit den Rauchpartikeln werden giftige Stoffe freigesetzt, darunter auch gesundheitsschädliche Schwermetalle wie Quecksilber.

Welches Ausmaß solche Brände erreichen können, wurde in den letzten Jahren auch bei riesigen Torfbränden in Kanada und Sibirien deutlich. Ein Torfbrand 1997 in Indonesien gehörte mit etwa 100.000 Quadratkilometern sogar zu den größten Umweltkatastrophen des 20. Jahrhunderts.

Wissenschaftler schätzten damals in einer im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlichten Studie, dass allein dieses Feuer zwischen 13 und 40 Prozent der gesamten weltweiten Emissionen im Jahr 1997 freigesetzt hat.  

Mehrere Länder Südostasiens beschlossen später ein Abkommen gegen grenzüberschreitende Luftverschmutzung (AATHP).

Für Europa zeigt die aktuelle Studie: Wenn die globalen Temperaturen weiter so steigen wie derzeit befürchtet, kann besseres Brandmanagement die Feuergefahr in Zukunft zwar begrenzen, jedoch nicht komplett eindämmen.

Dann wird es in mehr als der Hälfte der brandgefährdeten Regionen Europas noch mehr Waldbrände geben als heute.

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