Faktencheck: Mamdanis Kampf gegen Muslimfeindlichkeit
14. November 2025
Zohran Mamdanis Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters von New York City wurde im Netz von vielen falschen und irreführenden Behauptungen begleitet. Auch nach seinem Wahlsieg am 4. November hält die Welle der Desinformation an.
In den sozialen Medien dominieren Posts über angebliche Rücktritte als Reaktion auf Mamdanis Sieg. Dazu gehören angeblich gekündigte Dienstleistungsverträge oder Vorbehalte von Personen des öffentlichen Lebens wegen Mamdanis Religionszugehörigkeit. DW-Faktencheck hat drei Behauptungen geprüft.
Ist New Yorks Feuerwehrchef wegen Mamdani zurückgetreten?
Behauptung: In diesem Video, das auf TikTok geteilt und inzwischen mehr als 586.000 Mal angesehen wurde, behauptet eine Frau, der Leiter der New Yorker Feuerwehr (NYFD) sei als Reaktion auf den Sieg von Zohran Mamdani zurückgetreten.
DW-Faktencheck: Richtig
Auch wenn in vielen Beiträgen auf Xund TikTok fälschlicherweise behauptet wurde, dass Tausende von Polizeibeamten des New Yorker Police Department (NYPD) nach dem Wahlsieg von Mamdani gekündigt hätten - dieser Post zum Feuerwehr-Chef ist korrekt.
Der Leiter der New Yorker Feuerwehr (NYFD), Robert Tucker, reichte am 5. November seinen Rücktritt ein. Am 19. Dezember sei sein letzter Arbeitstag, kündigte er gegenüber der Presse an. In einem Interviewmit der israelischen Zeitung The Jerusalem Post erklärte der jüdische Feuerwehrchef, dass er andere Meinungen vertrete als der neu gewählte Bürgermeister.
"Ich hätte auch unter ihm gut arbeiten können, aber ideologisch gesehen liegen wir weit auseinander. In meinen Augen hat er das Recht, einen eigenen Leiter zu ernennen, jemanden, der ideologisch mehr auf seine Linie liegt als ich."
Verwirrung mit KI stiften
Behauptung: "Dies ist eine der besten Erklärungen für das, was gerade in Amerika passiert, und welche Risiken sich aus der Wahl Mamdanis für unser Land und die Welt ergeben." Dieser Post auf Xenthält ein 30-minütiges KI-Video von Elon Musk, in dem er angeblich die Wahl von Mamdani und die Zukunft der USA analysiert. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war der Post 4,5 Millionen Mal aufgerufen worden.
DW-Faktencheck: Fake
In dem Post erklärt der Nutzer: "Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen möchten, in der wir nicht mehr wissen, was echt und was gefälscht ist, lohnt es sich, das Video allein schon aus diesem Grund anzusehen." Er merkt zwar an, dass er "ziemlich sicher, aber nicht ganz sicher ist, dass es sich um KI handelt", nimmt den Inhalt aber dennoch ernst und fügt hinzu: "Was Elon hier sagt, ist eines der wichtigsten Dinge, die Sie dieses Jahr sehen werden."
Wenn KI-generierte Inhalten erneut gepostet werden, verschwinden oft die Hinweise oder Beschreibungen, dass sie mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Der YouTube-Kanal, der das Videoam 6. November hochgeladen hat, enthielt einen eindeutigen Hinweis.
Dort heißt es: "Es wird eine synthetische Stimme verwendet, die nicht zu Elon Musk gehört." Außerdem seien weitere Techniken wie das synchronisieren von Lippenbewegungen verwendet worden "um die gesprochenen Worte mit den Bildschirmaufnahmen abzustimmen, ausschließlich um die Verständlichkeit zu verbessern, ein Kinoerlebnis zu schaffen und die Inhalte für die Zuschauer ansprechender zu gestalten".
Überzeugende Nachahmung
Dies ist ein Beispiel dafür, wie echt KI-generierte Inhalte mittlerweile wirken: Die Imitation von Musks Stimme wirkt sehr überzeugend, auch wenn das Bild gelegentlich springt oder nicht synchron ist.
Bekannten Personen Worte in den Mund zu legen, ist eine bekannte Methode, um Desinformation zu verbreiten und den Aussagen Glaubwürdigkeit zu verleihen. Ein traditionellerer Ansatz als KI-Manipulation ist die Fälschung von Nachrichtenartikeln, wie beispielsweise dieser. Er handelt davon, wie der bekannte US-Anwalt Alan Dershowitz sich angeblich vor der Wahl dazu geäußert haben soll, wie er auf einen Sieg Mamdanis reagieren würde. Dershowitz selbst hat später in einem eigenen Post bestritten, diese Aussage jemals getätigt zu haben.
Es ist daher wichtig, Quellen zu überprüfen und sicherzustellen, dass Aussagen einer realen Person zugeordnet werden können.
Neues Outfits für New Yorker Cheerleaderinnen?
Behauptung: Ein Bild zeigt die Cheerleaderinnen des American-Football-Teams "New York Jets" in grünen Niqabs, also Gesichtsschleiern, die den größten Teil des Gesichts verhüllen und nur einen Schlitz für die Augen freilassen. Diese sind farblich abgestimmt mit der Sportbekleidung und dem Jets-Logo. Auf dem Bild ist der Text "Die neuen Cheerleaderinnen der New York Jets kommen 2026" eingefügt. Dieser Beitrag wurde auf X gepostet.
DW-Faktencheck: Fake
Eine Bilderrückwärtssuche führt zu Dutzenden ähnlichen Beiträgen auf verschiedenen Social-Media-Plattformen, darunter Facebook, Redditund Instagram, die alle seit dem 7. November geteilt wurden.
Die Beiträge - und die darunter stehenden Diskussionen - spekulieren über mögliche Folgen von Mamdanis Sieg und offenbaren einen muslimfeindlichen Charakter. Das Bild ist eindeutig gefälscht. Die Unschärfe um die Köpfe der abgebildeten Personen sowie die starren Körperhaltungen deuten auf ein KI-generiertes Bild hin. Das Logo der "New York Jets" ist veraltet, es wurde von der Mannschaft seit 2023 nicht mehr verwendet. Eine Bilderrückwärtssuche führte auch zu mehreren Videos, die mit KI-Wasserzeichen versehen waren.
Die New York Jets, ein Franchise der National Football League (NFL), integrieren zudem keine religiösen Symbole in ihre Teamidentität. Während Hidschabs manchmal von Sportlerinnen in anderen Ländern getragen werden, kommt der Niqab bei sportlichen Wettbewerben sehr selten vor.
Eine Studie des Center for the Study of Organized Hate, einer gemeinnützigen Denkfabrik mit Sitz in Washington DC, stellte fest, dass in den sozialen Medien im Zusammenhang mit den jüngsten Wahlen "überall Islamfeindlichkeit vorherrscht und Mamdani als Terrorist, Dschihadist oder radikaler Muslim dargestellt wird".
Am 24. Oktober äußerte sich Mamdanipersönlich zu anti-muslimischen Rassismus gegen ihn und muslimische New Yorker auf einer Pressekonferenz: "Während meine Gegner in diesem Wahlkampf Hass in den Vordergrund gestellt haben, ist dies nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was so viele Menschen jeden Tag in der ganzen Stadt erdulden müssen," sagte er.
Mamdani wurde oft mit Behauptungen angegriffen, er vertrete extremistische religiöse Ansichten. Wie bereits in früheren DW-Beiträgen dargelegt, sind die oft wiederholten Behauptungen, er wolle die Scharia einführen, reine Erfindungen.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert.