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Politik

"Entscheidung wird keinen großen Einfluss haben"

Wendy Bashi
18. Juli 2019

Die WHO hat wegen der Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das wird wenig ändern, sagt Kongos Gesundheitsminister Oly Ilunga Kalenga im DW-Interview.

Ein Mitarbeiter des Ebola-Behandlungszentrums in der Stadt Beni in Schutzkleidung
Bild: picture-alliance/AP Photo/Al-hadji Kudra Maliro

DW: Die WHO hat die Ebola-Epidemie gestern als internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Welche ergänzenden oder neuen Maßnahmen wird die kongolesische Regierung ergreifen, um der Krise Herr zu werden?

Oly Ilunga Kalenga: Die Ebola-Krise ist kein humanitäres Problem. Die Ebola-Krise ist ein Notfall im öffentlichen Gesundheitssystem – und das ist sie für uns bereits seit einem Jahr, nämlich seit Ebola ausgebrochen ist. Wir haben die Epidemie so behandelt und uns so verhalten wie bei einer internationalen gesundheitlichen Notlage. Wir tun weiterhin das Höchstmaß des Möglichen – und das übrigens bis heute mit Erfolg – um die Epidemie in den beiden Provinzen Nord-Kivu und Ituri zu beherrschen.

Im Juni hat die WHO Ebola noch nicht als Gesundheitsnotstand von internationaler Tragweite anerkannt. Heute ist die Lage noch schlimmer. Was tun Ihr Ministerium und die WHO konkret?

Wir erkennen die Schlussfolgerungen des Komitees an. Aber wir hoffen auch, dass diese Schlussfolgerungen nicht das Ergebnis von Druck sind, der von Leuten ausgeübt wird, die die Ausrufung der internationalen Notlage vor allem als Mittel sehen, Geld für die WHO und andere humanitäre Agenturen zu erhalten. Für uns wird diese Entscheidung vor Ort nichts ändern: nicht für die Art, wie wir reagieren, nicht für die Bevölkerung.

Wir haben die nötigen Maßnahmen bereits vor einem Jahr ergriffen, und wir verstärken unsere Antwort kontinuierlich. Wir haben gerade unseren vierten Reaktionsplan beschlossen und setzen diesen im Juli um. Für uns wird sich vor Ort also nichts ändern. Ich glaube auch nicht, dass die Entscheidung großen Einfluss auf die Mobilität der Bevölkerung und auf den Handel haben wird. Denn die WHO hat ja nicht empfohlen, die Grenzen zu schließen oder den Handel einzuschränken. Was sich vielleicht für die Bevölkerung ändern wird, ist, dass es mehr Kontrollen an den Grenzen zu den Nachbarländern geben wird.

Sie sagen, dass Sie hoffen, dass die Entscheidung nicht ein Druckmittel ist, um mehr Mittel zu erhalten. Was meinen Sie genau damit?

Ich glaube, dass es leider Personen gibt, die die WHO seit Wochen, wenn nicht Monaten, zu dieser Entscheidung gedrängt haben. Schon im Juni ist die WHO massiv dafür kritisiert worden, dass sie nicht den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hat. Mehrere Länder haben die Erhöhung ihrer Beiträge an die Ausrufung eines solchen Notstandes geknüpft. Und in diesem Kontext ist die Entscheidung nun gefallen. Für uns aber hat sich die Lage nicht großartig verändert: Die Hotspots bleiben Beni und Mabalako. Die Lage in Bunia hingegen ist vollkommen unter Kontrolle: Alle Personen, die 21 Tage überwacht werden mussten, werden diese medizinische Überwachung am Freitag (19.7.) verlassen. Das heißt dann, dass damit die Übertragungskette durch einen importierten Fall in Bunia komplett unterbrochen ist. Es gibt also viele Erfolgsmeldungen und der eine in Goma aufgetretene Fall ist für mich nicht ausreichend, um eine höhere Reaktions-Stufe auszurufen. Die Risiken sind unserer Meinung nach bereits seit einem Jahr da!

Goma ist immerhin eine Millionenstadt: dicht besiedelt und mit einem internationalen Flughafen. Haben Sie keine Angst, dass die Epidemie dort außer Kontrolle geraten könnte?

Nein, ganz und gar nicht. Seit Ausbruch der Krise bewegen sich die Menschen fort. Wir haben mehr als 70 Millionen Personen kontrolliert, die unsere Grenzen passiert haben. Es muss doch jeder einsehen, dass es ein Erfolg ist, dass wir die Epidemie seit über einem Jahr in Schach halten. Goma ist seit mehreren Monaten auf einen möglichen Ebola-Fall vorbereitet. Das ist auch der Grund, warum es so schnell gelungen ist, den erkrankten Mann zu isolieren, zu identifizieren und auch die Personen, die Kontakt mit ihm hatten, zu identifizieren und zu impfen. Goma war also gut vorbereitet. Und wir haben ja nicht nur Goma, sondern auch die Städte Kisangani, Bunia und so weiter. 

Oly Ilunga Kalenga ist der Gesundheitsminister der Demokratischen Republik Kongo.

Das Interview führte Wendy Bashi.