Ebola-Sorge vor Fußball-WM: USA fordern von Europa Maßnahmen
10. Juni 2026
Die US-Regierung hat europäische Länder zu Einreisebeschränkungen für Personen aufgefordert, die aus den von Ebola betroffenen zentralafrikanischen Staaten ankommen. Die Vereinigten Staaten hätten am 1. Juni eine entsprechende formelle diplomatische Note an europäische Regierungen übermittelt, sagten ein in Afrika ansässiger Diplomat der Europäischen Union. Eine Reaktion der EU-Staaten stehe noch aus.
Zudem hat US-Außenminister Marco Rubio das Thema am Dienstag in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erörtert, wie sein Ministerium mitteilte. Das vorrangige Ziel bleibe der Schutz der US-Bürger - besonders im Hinblick auf die am Donnerstag beginnende Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, den USA und Kanada.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte im Mai ein Einreiseverbot für Ausländer verhängt, die sich in den vorangegangenen 21 Tagen in der Demokratischen Republik Kongo, Uganda oder dem Südsudan aufgehalten haben. Bürger der USA müssen sich bei der Rückkehr in ihre Heimat an ausgewählten Flughäfen Kontrollen unterziehen.
Fast 600 bestätigte Ebola-Fälle nun in der DR Kongo
Die Demokratische Republik Kongo registriert inzwischen nach eigenen Angaben eine deutliche Zunahme der bestätigten Ebola-Fälle. Die Zahl der Infektionen mit dem Bundibugyo-Stamm des Virus sei auf 598 gestiegen, teilte die Regierung mit. 115 Menschen seien nach einer Ebola-Infektion gestorben, 22 Patienten hätten sich erholt.
Die Behörden dort hatten den Ebola-Ausbruch Mitte Mai bekanntgegeben. Zuvor war er vermutlich relativ lange nicht bemerkt worden - auch, weil es keine geeigneten Tests zum Nachweis dieser Virusvariante gab.
Die Epidemie betrifft drei von bewaffneten Konflikten geprägten Provinzen im Kongo: Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. In Ituri seien 17 Gesundheitszonen betroffen, in Nord-Kivu sieben und in Süd-Kivu eine. Die Regierung rief die Bevölkerung auf, bei Symptomen wie Fieber, Erbrechen, Durchfall oder starker Schwäche umgehend das nächste Gesundheitszentrum aufzusuchen. Misstrauen gegenüber Gesundheitspersonal und Angriffe auf Bestattungsteams und Behandlungszentren erschwerten die Bekämpfung.
Gewaltsamer Protest gegen US-Quarantäneeinrichtung in Kenia
In Kenia gehen die heftigen Proteste gegen ein geplantes Quarantänezentrum für US-Bürger weiter. Viele Kenianer werfen den USA vor, das Gesundheitsrisiko bei der Versorgung möglicher Infizierter auf ihr Land abzuwälzen. Bei Zusammenstößen zwischen aufgebrachten Demonstranten und Sicherheitskräften in der Stadt Nanyuki wurde ein Mensch getötet, wie der Direktor der Hilfsorganisation Vocal Africa, Hussein Khalid, bestätigte. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurde eine weitere Person verletzt.
Kenia selbst hat noch keinen Ebola-Fall registriert. In dem Quarantänezentrum auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia sollen US-Bürger unterkommen, die in der weiter westlich gelegenen Demokratischen Republik Kongo womöglich in Kontakt mit dem Virus gekommen sind. Das Zentrum soll über 50 Isolierbetten verfügen, von US-Mitarbeitern verwaltet werden und steht offenbar kurz vor der Fertigstellung.
Zustand von US-Patient in Charité zeitweise lebensbedrohlich
In Deutschland wurde indes bekannt, dass der Zustand des Patienten, der in der Berliner Charité nach seiner Ebola-Infektion behandelt wurde, zwischenzeitlich lebensbedrohlich war. Vor allem die Stunden zwischen dem Abflug des US-amerikanischen Arztes aus Uganda und der Ankunft in Deutschland seien kritisch gewesen, sagte Charité-Arzt Leif Erik Sander bei einer Pressekonferenz. Sander ist der Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin.
Nach gut zwei Wochen Behandlung in der Berliner Charité war der US-Amerikaner vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo bei einer Patientin angesteckt. Auch seine Frau und seine vier Kinder kamen in die Charité, hatten aber keine Symptome. Sie befanden sich in einem abgetrennten Teil der Station in Quarantäne.
Die Frau sei ebenfalls Ärztin und hätte im Kongo die gleiche Patientin wie ihr Mann behandelt, so Sander. Bei Kindern könne Ebola "sehr rasch" zum Tode führen. Deswegen sei die Familie täglich untersucht worden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus zu einem gesundheitlichen Notfall von internationaler Tragweite erklärt.
se/AR (rtr, ap, afp, dpa)
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