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Politik

KZ-Sekretärin vor Gericht in Itzehoe

16. Juli 2021

Im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig ermordeten die Nationalsozialisten Zehntausende Menschen. Jetzt kommt die ehemalige Sekretärin des Lagerkommandanten vor Gericht. Die 96-Jährige ist verhandlungsfähig.

Deutschland | Gedenkstätte KZ Stutthof
Die heutige Gedenkstätte des Konzentrationslagers in Sztutowo (ehemals Stutthof /Ostpreussen)Bild: Andreas Keuchel/picture alliance

Eine ehemalige Sekretärin im deutschen Konzentrationslager Stutthof bei Danzig muss sich vor Gericht verantworten. Das Landgericht Itzehoe habe das Hauptverfahren gegen die 96-Jährige eröffnet, teilte eine Sprecherin des Gerichts mit. Der Angeklagten werde Beihilfe zu mehr als 11.000 Fällen des Mordes vorgeworfen. Der Prozess soll am 30. September beginnen. Das Verfahren werde vor einer Jugendkammer stattfinden, weil die Beschuldigte zur Tatzeit mit 18 oder 19 Jahren noch eine Heranwachsende war.

"Der Angeklagten wird zur Last gelegt, in ihrer Funktion als Stenotypistin und Schreibkraft in der Lagerkommandantur des ehemaligen Konzentrationslagers Stutthof zwischen Juni 1943 und April 1945 den Verantwortlichen des Lagers bei der systematischen Tötung von dort Inhaftierten Hilfe geleistet zu haben", hieß es in der Mitteilung des Gerichts in der Stadt in Schleswig-Holstein.

Bereits mehrfach als Zeugin befragt

Die 3. Große Jugendkammer erachte die Angeklagte für hinreichend verdächtig, durch eine Handlung Beihilfe zu 11.387 Fällen des Mordes geleistet zu haben, wovon es in sieben Fällen beim Versuch geblieben sein soll. Die Gerichtssprecherin wies darauf hin, dass jeder Angeklagte bis zu einer eventuellen rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig gilt.

Am 30. September 2021 soll der Prozess am Landgericht Itzehoe startenBild: Christian Charisius/dpa/picture alliance

Nach einem Bericht der ARD-Sendung "Tagesschau" aus dem vergangenen Jahr war die Frau bereits mehrfach als Zeugin befragt worden. 1954 habe sie ausgesagt, dass der gesamte Schriftverkehr mit dem SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt über ihren Schreibtisch gelaufen sei. Kommandant Paul Werner Hoppe habe ihr täglich Schreiben diktiert und Funksprüche verfügt. Von der Tötungsmaschinerie, der während ihrer Dienstzeit in unmittelbarer Nähe Zehntausende Menschen zum Opfer fielen, habe sie nichts gewusst, sagte sie damals.

Die Verhandlungsfähigkeit der heute 96-Jährigen war Medienberichten zufolge zuvor von einem Gutachter geprüft worden. Sie lebt in einer Seniorenresidenz im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein.

nob/kle (dpa, afp)

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